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Der Mann, den nichts aus der Bahn wirft

426 Kilometer und über 16 000 Höhenmeter will Peter Hofmann nächste Woche bewältigen. Zu Fuß. Dabei war der Wurlitzer vor wenigen Monaten noch schwer krank.



Die Bedingungen, die Peter Hofmann von Sonntag an erwarten, trainierte er bereits in der Heimat.
Die Bedingungen, die Peter Hofmann von Sonntag an erwarten, trainierte er bereits in der Heimat.   » zu den Bildern

Schnee, Eis, Matsch, Gefälle und Steigungen - was sich für die meisten wie eine echte Zumutung einer Winterwanderung anhört, ist der Sehnsuchtsort von Peter Hofmann. Der 56-Jährige wagt sich an Herausforderungen, über die die meisten Menschen nur staunen können - und sagen: "Das schafft man doch nicht!" Zum Beispiel das Spine Race in England, das am Sonntag in Edala, also auf der Hälfte der Strecke zwischen Manchester und Sheffield, beginnt. 426 Kilometer auf dem Fernwanderweg Pennine Way ist er dann unterwegs - und will spätestens sieben Tage später in Kirk Yetholm in Schottland ankommen. Dazwischen liegen nicht nur die unfassbare Kilometerzahl, sondern auch 16 230 Höhenmeter. Und da dies noch nicht genug ist, trägt Hofmann auch noch während des gesamten Laufs sein Gepack auf dem Rücken. Acht bis neun Kilogramm wiegt sein Rucksack.

Fünf Tage vor dem Startschuss sitzt der Polizeibeamte noch ganz entspannt in Hof. Er hat Monate intensiver Vorbereitung hinter sich. Mehr für den Ultralauf kann er nun nicht mehr tun. Nur noch entspannen und Zuversicht ausstrahlen. "Die Vorbereitung hat gezeigt, dass ich es schaffen kann", sagt der Wurlitzer. "Ich kann mich einschätzen und weiß, wie ich laufen muss." Zum richtigen Zeitpunkt mal eine Pause machen, und dann wieder Kilometer machen - bis zum Ziel. Wie viele Stunden er braucht, ist Hofmann egal. "Für mich geht es ums Finishen. Außerdem will ich - solange es noch gesundheitlich geht - meine Limits austesten."

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Der Mann, den nichts aus der Bahn wirft: Peter Hofmann

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Die Grenzen erreichen - ein beliebter Satz unter Ausdauersportlern. Doch in Hofmanns Fall besitzt er einen tragischen Hintergrund. Hofmann hatte es mit einer ganz anderen Grenze zu tun: seiner Gesundheit. Ende 2015 erhielt er die niederschmetternde Diagnose Lymphknotenkrebs. Im Endstadium. Ein halbes Jahr lang - von Januar bis Juni 2016 - unterzog er sich einer Antikörper- und Chemotherapie. "Ich habe mir damals gesagt: Ich mag nicht mehr - das gibt es nicht. Es geht immer weiter." Und es ging weiter. Die Therapie schlug an. Schon im November 2016 lief er wieder einen 42-Kilometer-Berglauf. "Mir hat das gezeigt: Alles ist auch eine Kopfsache." Positive Gedanken helfen auch durch ein gesundheitliches Tal. Und auch das Wissen darüber, dass es immer weitergeht, selbst wenn das Limit naht. Hofmann hatte schon vor seiner Erkrankung Erfahrungen mit Ultraläufen gemacht. Er nahm im Frühjahr 2015 am Marathon des Sables teil: einem siebentägigen Rennen durch die marokkanische Sahara - über 230 Kilometer.

Schon damals spürte er erste Einschränkungen, ignorierte einen Knoten am Hals, nur um in Marokko teilzunehmen. "Ja, vielleicht hat meine Leidenschaft fürs Laufen verhindert, dass der Krebs schon früher erkannt wurde." So wartete er. Beinahe zu lange. Doch er vertraute seinen Ärzten und gab nicht auf. "Aufgeben gibt es nicht. Aufgeben kannst du bei der Post", sagt er. "Jammern bringt nichts, das macht es nur schlechter. Letztlich musst du nach vorn schauen. Das, was kommen soll, kommt dennoch - egal, ob ich traurig oder lustig bin."

So wie sein nächster Rückschlag: Im Februar 2017 war wieder Schluss mit Laufen. Er ließ sich fünf Monate später ein künstliches Hüftgelenk einsetzen. "Meine Einstellung hat geholfen, die Operation zu überstehen", sagt er. Drei Wochen nach der OP konnte er wieder frei laufen, nach vier Wochen lief er bereits wieder sechs Kilometer. Auch, weil er sich an den Rat der Ärzte hielt. "Ohne Dr. Hanns-Detlev Harich, Dr. Linda Mergner und Professor Dr. Hans-Georg Simank wäre ich heute gesundheitlich nicht dort, wo ich bin."

Hofmann ist dankbar. Nun will er dies weitergeben. Seine Teilnahme am Spine Race in England nutzt er für eine Spendenaktion zugunsten der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). "Hoffentlich kommen ein paar Euro zusammen", sagt er und ruft zum Spenden auf. Er hofft, dass einige Wohltätige die Höhe ihrer Spende davon abhängig machen, wie weit er auf seiner Mammuttour kommt.

Gesundheitlich hat er übrigens keine Bedenken. "Die beiden Ärzte haben gesagt: Ja, ich kann das angehen." Also meldete sich Hofmann bei einem der härtesten Rennen der Welt an. Nun gehört er zu den knapp 150 Ultra-Athleten, die am Sonntag an den Start gehen. Dabei hat er - im Gegensatz zum Lauf in der Wüste - einen großen Vorteil: Das Terrain in Großbritannien ist dem oberfränkischen sehr ähnlich. "Das Klima und Höhenprofil ist wie bei uns. Das ließ sich gut trainieren", sagt er. Mindestens vier längere Läufe - jeweils mindestens 20 Kilometer und natürlich mit Gepäck - absolvierte er jede Woche, zuletzt sogar noch mehr. Hinzu kam noch Krafttraining. "Du ärgerst dich am meisten, wenn du es nicht schaffst und es am Ende am Training lag." Und so will er zu Beginn des Rennens, das nur durch Zeitlimits an den einzelnen Stationen beschränkt ist, Kilometer machen. "Am Anfang will ich die Ruhephasen kurz halten. Hintenraus wirst du automatisch müde."

Trotz aller Erfahrungen damit, Grenzen zu überwinden, hat aber auch Hofmann mit Hindernissen zu kämpfen: Das Wetter und die Füße machen ihm Sorgen. "Letztes Jahr hat kurz vorm Start das Tauwetter eingesetzt. Da sind die Trials zu Bächen geworden und die Bäche zu Flüssen", erzählt er. Damals schwemmte es Läufer im Flussbett einfach weg. Zudem kostet tiefer Boden viel Kraft. Und Feuchtigkeit führt zu Blasen an den Füßen. "Die Füße sind das Wichtigste. Das Wichtigste ist, dass die Tapes halten." Aber selbst wenn nicht: Peter Hofmann ist schon nach ganz anderen Rückschlägen wieder aufgestanden.

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Alle Informationen zur Aktion gibt es hier

Hofmanns Lauf können Sie live verfolgen - unter live.thespinerace.com

(Startnummer: 164).

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
11. 01. 2018
18:42 Uhr

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Marcus Schädlich

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11. 01. 2018
18:42 Uhr



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