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„Eigentlich war ich besser als Sebastian“

Fabian Bösel sorgt mit den Kickers Selb in der Fußball-Landesliga für Furore. Der 22-Jährige schwärmt vom Teamgeist, dem Spiel gegen Rosenheim und zieht den Hut vor dem Bruder.



Nach seiner Verletzung wieder voller Tatendrang: Fabian Bösel.	Foto: Ott
Nach seiner Verletzung wieder voller Tatendrang: Fabian Bösel. Foto: Ott  

Binnen vier Jahren von der A-Klasse in die Landesliga, jetzt schon wieder vier Siege in vier Spielen: Führt die Reise der Kickers entgegen aller Zurückhaltung der Verantwortlichen nun doch schnurstracks in die Bayernliga, Herr Bösel?

Lasst uns erst einmal die 40-Punkte-Marke erreichen. Was dann kommt, wird sich zeigen. Die richtigen Kracher, in denen wir uns beweisen müssen, kommen ja erst noch.

Aber die Rolle des Mitfavoriten auf die Meisterschaft bleibt nach diesem Traumstart an Ihrer Mannschaft haften. Oder wollen Sie uns da widersprechen?

(überlegt lange) Wir sollten die Messlatte noch nicht zu hoch legen. Unsere bisherigen Gegner waren in der vergangenen Saison allesamt im unteren Tabellendrittel angesiedelt.

 

Aber Lust auf Bayernliga hätten Sie schon?

Das wäre schon interessant, ja. Aber da müsste wirklich alles passen. Und wir bräuchten auch etwas Glück. Die Landesliga ist schon richtig stark in diesem Jahr.

 

Was ist die besondere Stärke der Kickers Selb?

Die Chemie passt in der Mannschaft. Bei uns kämpft jeder für jeden. Das ist schon im Training so. Bei jeder gelungenen Aktion oder nach Läufen wird sich abgeklatscht. Es herrscht ein richtig starker Teamgeist.

 

Ein paar Spieler, die in engen Spielen den Unterschied ausmachen können, habt ihr ja auch. Wie Danny Wild oder die Hofer Fraktion mit Andreas Knoll oder Kevin Winter. Wie haben sie sich integriert?

Sie lassen sich überhaupt nicht raushängen, dass sie schon höherklassig gespielt haben. Sie sind menschlich überragend und fügen sich top in die Mannschaft ein. Danny Wild zum Beispiel will uns immer pushen und auch mal erklären, was wir besser machen können. Das nimmt ihm keiner übel.

 

Eure ersten beiden Heimspiele waren sehr gut besucht mit 500 und 300 Zuschauern. Die Selber scheinen also den höherklassigen Fußball anzunehmen. Wie nehmen Sie die gesteigerte Aufmerksamkeit wahr?

Der Erfolg spiegelt sich eben auch in den Zuschauerzahlen wieder. Die Leute sind interessiert, was wir auf dem Platz machen. Das stimmt uns positiv. Wir freuen uns darüber.

 

Es gibt auch kritische Stimmen über das "Projekt Kickers Selb". Was entgegen Sie diesen?

So etwas gibt es immer. Das ist halt der Neid von einigen. Andere springen auf diesen Zug auf. Aber wir hören gar nicht darauf. Es darf uns auch nicht interessieren. Wir machen das, was wir können, also Fußball spielen. Und das sollten wir so beibehalten. Heutzutage funktioniert eben nichts ohne Sponsoring.

 

Wie sehr bedauern Sie, dass es bis auf die Spiele gegen Röslau und Mitterteich keine Derbys gibt in der Landesliga?

Das ist natürlich etwas schade. Derbys sind schließlich immer etwas Besonderes. Die Nürnberger Vereine fahren ins nächste Dorf zu einem Landesligaspiel, wir dagegen fahren immer um die 200 Kilometer. Aber da kann man nichts ändern.

 

Die Busfahrten können ja aber auch lustig sein, oder?

Ja natürlich. Da komme ich wieder zurück auf die gute Stimmung im Team. Die Heimfahrten waren bisher ganz witzig, da ging gut was ab.

 

Wie kann man sich das vorstellen?

Es gibt halt ein oder zwei Bierchen, wenn wir siegreich sind (lacht). Bisher hat es ja immer geklappt. Mal schauen, wie es wird, wenn wir auswärts verlieren.

 

Befürchten Sie dann ein Bierverbot?

Ach, irgendwas wird es schon geben. Aber halt nicht in solchen Ausmaßen.

 

Um die Stimmung muss man sich bei Euch also keine Sorgen machen?

Definitiv nicht. Aber wir können auch zwischen Spaß und Ernst unterscheiden.

 

Auch Euer Trainer Martin Damrot ist privat kein Kind von besonderer Traurigkeit. Passt er also perfekt zu dieser Mannschaft?

Martin kann schon unterscheiden zwischen Freizeit und Fußball. Er und wir Spieler wissen, wo der Spaß aufhört und wo die Grenzen sind. Am Fußballplatz gibt es schon Feuer.

 

Am nächsten Mittwoch könnte es auch Feuer geben. Dann kommt der TSV 1860 Rosenheim zum Pokalspiel nach Selb. Wie groß ist die Vorfreude?

Sehr groß. Ein Drittligist wäre zwar schöner gewesen, aber wir können auch mit diesem Los gut leben. Man spielt ja nicht alle Tage gegen einen Regionalligisten. Wir werden alles reinhauen, um vielleicht die Sensation zu schaffen.

 

Sie sehen die Kickers also nicht chancenlos?

Der Pokal hat eigene Gesetze. In 90 Minuten kann man jeden Gegner schlagen. Aber dass Rosenheim keine 0815-Truppe ist, wissen wir auch. Das sind alles Halbprofis. Die können schon etwas kicken.

 

Fällt es Euch schwer, sich angesichts des Pokalspiels noch auf Eure Aufgabe am Samstag gegen den FSV Erlangen-Bruck zu konzentrieren?

Nein. Wir wissen, dass wir von Spiel zu Spiel denken müssen. Ein Bayernliga-Absteiger ist ja auch keine Laufkundschaft. Wir werden also erst den Fokus auf das Spiel am Samstag gegen Erlangen legen, ab Montag dann auf Rosenheim.

 

Sie selbst haben die ersten drei Spiele in der Landesliga wegen einer Verletzung verpasst. Wie bitter war das?

Ich habe schon selber mit mir gehadert. Es war schon sehr bitter, sich in der Vorbereitung zu verletzen. Aber man kann es nicht ändern. Es ist halt so. Ich muss jetzt noch einen Fitness-Rückstand aufholen und wieder auf den Level kommen, auf dem ich vor der Verletzung war.

 

Am vergangenen Samstag beim 4:2-Sieg in Baiersdorf sind Sie erstmals eingewechselt worden und haben gleich den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt. Wie war das Gefühl?

Das war schon was Besonderes, der Mannschaft zu helfen. Einen besseren Landesliga-Einstand kann man sich nicht vorstellen. Ich hoffe, dass es so weitergeht.

 

Es gibt ja auch in der 3. Liga einen Bösel: Ihr Bruder Sebastian spielt bei der SG Sonnenhof-Großaspach, zuvor war er bei den Amateuren des FC Bayern München. Was hat er anders oder besser gemacht als Sie?

Sebastian war einfach etwas ehrgeiziger und hat für den Fußball gelebt.

 

Das heißt im Umkehrschluss?

Dass ich in meiner Jugendzeit abends halt lieber mal mit meinen Freunden unterwegs war (lacht). Sebastian hat sein Abi gemacht und nebenbei Regionalliga gespielt. Da ziehe ich meinen Hut davor. Er war in der Jugend auch immer verletzungsfrei. Ich hatte dagegen vier Mal einen Innenbandriss im Knie. Da schaltet sich irgendwann der Kopf ein.

 

Was heißt das?

Man denkt irgendwann, dass alles keinen Sinn mehr macht, wenn man jedes Mal ein halbes Jahr verletzt ist und deshalb von der Bayernauswahl der C- und B-Jugend ausgeladen wird.

 

Also standen einer größeren Karriere auch die Verletzungen in jungen Jahren im Weg?

Ja, denn eigentlich war ich der bessere Fußballer als Sebastian (lacht). Aber zum Fußball gehört halt mehr als Talent.

 

Sie neiden Ihrem Bruder aber den Erfolg nicht?

Nein, ich drücke ihm immer meine beiden Daumen.

Das Gespräch führte Andreas Pöhner

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
00:00 Uhr

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01. 08. 2019
00:00 Uhr



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