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Ferrari? Nein, danke!

Timo Cavelius steht ein heißer Herbst bevor. In Abu Dhabi steigt sein sportlicher Höhepunkt. Dort muss der Hofer Judoka liefern - auch mit Blick auf Olympia 2020.



Konzentriert bei der Sache: Timo Cavelius (links) gegen Matthias Casse aus Belgien. Fotos: IJF; Imago (2)
Konzentriert bei der Sache: Timo Cavelius (links) gegen Matthias Casse aus Belgien. Fotos: IJF; Imago (2)   » zu den Bildern

Tourist oder Wettkämpfer? Wenn das Ziel eines Athleten Abu Dhabi heißt, darf man diese Frage stellen. In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gibt es ein bisschen was zu sehen. Klar, da wäre der Klassiker: eine Wüstensafari. Dann gibt es etwas für Sportler: den Yas Marina Circuit, eine hochmoderne Rennstrecke, auf der auch Formel-1-Rennen stattfinden. Für Auto-Liebhaber ist die "Ferrari World" ein Muss. Und wer lieber kulturell etwas erleben will, der schaut mal in der prunkvollen Scheich-Zayid-Moschee vorbei.

"Nette Abwechslung" - Bundesliga-Finale am 19. Oktober in Esslingen

Zwischen den European Open in Tallinn (Estland) und dem Judo-Grand-Slam in Abu Dhabi (VAE) steht für Timo Cavelius noch ein ganz anderer Wettkampf an: das Bundesliga-Finale der Deutschen Judo-Bundesliga. Am 19. Oktober treffen sich im baden-württembergischen Esslingen die besten vier Teams, um ihren Meister zu krönen. Aus der Bundesliga Süd hat sich neben dem TSV Abensberg, für den auch Cavelius ringt, noch der KSV Esslingen für die Endkämpfe qualifiziert. Aus der Bundesliga Nord sind TSA Witten und der UJKC Potsdam vertreten. Abensberg trifft im Halbfinale als Süd-Erster zunächst auf Potsdam, den Nord-Zweiten. Im zweiten Semifinale messen sich Witten (Nord-Erster) und Gastgeber Esslingen (Süd-Zweiter). Welchen Stellenwert die Bundesliga für Timo Cavelius hat? "Diese Kämpfe haben ausschließlich nationale Bedeutung, trotzdem wollen wir natürlich Meister werden", betont der Hofer, der die Bundesliga als "nette Abwechselung" bezeichnet. Potsdam bewertet der 22-Jährige zunächst als "machbare Aufgabe". Der Finaleinzug sei eingeplant. Dort wird auf keinen Fall das Hamburger Judo-Team (HJT) aufkreuzen. Denn: Die Titelverteidigung der Norddeutschen ist bereits gescheitert. In der Nord-Staffel belegten sie nur den dritten Rang und verpassten damit die Qualifikation für das Bundesliga-Finale.

In jedem Fall wird es also einen neuen deutschen Meister geben. Geht es nach Cavelius, heißt dieser Abensberg.


Blöd nur: Timo Cavelius will das alles gar nicht wissen. Für Sehenswürdigkeiten bleibt keine Zeit. Der Hofer Judoka kann nur an eines denken, wenn er Abu Dhabi hört: an den Judo-Grand-Slam, der dort vom 22. bis 27. Oktober stattfindet.

"Das ist für den Rest des Jahres mein absoluter Höhepunkt", betont Cavelius. Der 22-Jährige würde am liebsten sofort in den Flieger steigen, er strotzt geradezu vor Energie. Aber das Motto sollte eher lauten: immer langsam! Denn: Cavelius wurde erst vor ein paar Wochen am Fuß operiert. Das Sprungbein machte wieder Probleme, dieses hatte er sich vorher schon mal gebrochen. Die Frage: Was tun? Die Antwort: Ein Stück entfernen. "Es wurde ein kleiner Knochen entfernt, den man nicht braucht", sagt Cavelius. Das soll die Beschwerden lindern. Und siehe da, Cavelius ist wieder fit. "Zunächst war ich nach ein paar Wochen Trainingspause ein bisschen eingerostet. Das hat sich aber schnell gelegt", sagt er.

Nun ist der Hofer wieder voll im Training. Hin und wieder merkt er an seinem Fuß noch ein paar Wehwehchen. Halb so wild. "Es drückt manchmal, aber da muss ich durch", sagt der Athlet, der in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm die größte deutsche Nachwuchshoffnung ist.

Dass er genau das zurecht ist, will er schon am Wochenende beweisen: Im estnischen Tallinn finden die European Open statt, ein internationaler Wettkampf, der eher gutes B-Niveau hat - und bei dem kaum Judoka aus der absoluten Weltspitze antreten. "Für mich ist das ein ordentliches Turnier, um wieder in den Wettkampf-Modus reinzufinden", sagt Cavelius, der auf dem Papier wohl zu den Favoriten zählen wird.

Moment mal! Favorit? So etwas will Cavelius nicht hören. Noch nicht. Er stapelt erst einmal ein bisschen tief: "Nach der OP würde ich mich in Estland nicht direkt als Favoriten bezeichnen." So oder so. Auf der Setzliste dürfte Timo Cavelius trotzdem auftauchen.

In Abu Dhabi ist dann alles anders. Dann wird in der Klasse bis 81 Kilogramm die Weltelite am Start sein - und dann wird Cavelius auch eher Geheimtipp als Favorit sein. Bis zum Grand-Slam will der Hofer wieder endgültig bei hundert Prozent sein. Läuft es dort gut, so könnte noch ein weiterer Grand-Slam warten - sozusagen als Belohnung. Im Kalender der International Judo Federation (IJF) steht noch ein Event, das sich der Oberfranke schon mal fett mit Buntstift markiert hat: Osaka (Japan) vom 22. bis 24. November. Dort gibt es, wie auch in Abu Dhabi, reichlich Punkte zu sammeln

Punkte ist eh ein Schlüsselwort. Die braucht Cavelius, um sich im Rennen für Olympia 2020 in Tokio in Stellung zu bringen. In der Weltrangliste liegt er auf Rang 42. Vor ihm stehen noch die Landsmänner Dominic Ressel (5.) und Alexander Wieczerzak (32.). Nur einer bekommt ein Ticket für die Sommerspiele in Japan. "Dass ich Dominic noch einhole, ist sehr unwahrscheinlich. Alexander hängt dagegen zurzeit in einem sportlichen Loch", sagt Cavelius, der von der Nummer drei in der Gewichtsklasse bis 81 Kilo (Cavelius: "Das ist die Königsklasse.") zumindest zur Nummer zwei werden will. "Dann wäre ich in Tokio schon mal Ersatzmann", sagt er. Und überhaupt, man wisse im Sport nie, was morgen sei. "Es kann alles so schnell gehen", betont der Hofer.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die Perspektive spricht für Timo Cavelius. Mit seinen 22 Jahren dürfte er in der Weltspitze noch etwas länger vertreten sein als Ressel (26) oder Wieczerzak (28). Der Hofer hat es selbst in der Hand. Liefert er gute Ergebnisse, so baut er zunehmend Druck auf die arrivierten deutschen Athleten auf. In Abu Dhabi will er damit anfangen. Ziele für den dortigen Wettkampf? Die lassen sich nach der Verletzung schwer formulieren. Dass er es mit den Weltbesten aufnehmen kann, hat er in diesem Jahr aber unter anderem schon im georgischen Tiflis gezeigt. Beim Grand Prix holte er Ende März Silber.

Sollte es wieder so weit gehen, gibt es neben der guten sportlichen auch eine schlechte Nachricht: Dann wird es nämlich mit all den netten Sehenswürdigkeiten in den Emiraten nichts. Das macht dem Hofer aber scheinbar gar nichts aus: "Ich konzentriere mich lieber auf den Sport!"

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Hannes Huttinger

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
00:00 Uhr

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Hannes Huttinger

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
00:00 Uhr



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