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Für die Hof-Regatta drei Tage im Zug

Die Sprintregatta am Quellitzsee in Tauperlitz ist für viele deutsche Kanuten der Saisonabschluss. Doch der Wettbewerb ist weit über die Grenzen hinaus bekannt. Zwei Ukrainer nehmen viele Strapazen für ihre Fahrt nach Hof auf sich.



Irgendwann streikt der Körper. Am Ende eines anstrengenden Tages zwickt es bei Günther Meyer im Bein. Ein Krampf. Der Trainer und Mitorganisator der Hof Regatta stand den gesamten Tag über auf den Beinen, bis sich auch bei ihm erste Müdigkeitserscheinungen breit machten. "Das Hin- und Herlaufen merkst du dann schon", sagte er. Doch die Hof Regatta ist auch im 28. Jahr ihres Bestehens in dieser Form nur möglich, weil es Leute wie Günther Meyer gibt. Sie packen an, organisieren die Veranstaltung beinahe generalstabsmäßig. Sie schauen nicht auf die Uhr und auch nicht auf den Schmerz des Muskelkrampfs nach vielen Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit.

Den Dank dafür bekommen die Veranstalter des Faltbootclubs Hof mit vielen kleinen Gesten - aber auch den großen Geschichten am Rande der zweitägigen Veranstaltung. Und das selbst über die Sprachbarriere hinweg. Günther Meyer erinnert sich noch gut an den kanadischen Kanu-Verbands-Präsidenten. "Er sagte immer nur: ‚Great, great, great!‘" Großartig, was die Hofer auf die Beine stellen. Die Regatta war auch dieses Jahr wieder international. So kam zum Beispiel eine ukrainische Sportlergruppe. 16 Ukrainer starteten in Tauperlitz. Seit fünf Jahren kommen sie schon für die Regatta nach Hof. Sie reisen zum Teil mit ihrer Familie an - passend zum familiären Charakter der Regatta. Das allerdings, was Serhii Sydorenko mit seiner Frau Lubimira dieses Jahr auf sich genommen hat, gab es noch nie zuvor. Die beiden verzichteten auf eine Anreise mit dem Auto und wagten das Abenteuer Bus und Bahn. Von Montag bis Mittwoch brauchten sie von Kiew nach Tauperlitz. Oder konkreter gesagt: Sie fuhren von Kiew nach Hof. Danach ging es zu Fuß nach Tauperlitz zum See. "Und das mit über 40 Kilo Gepäck", sagt auch Günther Meyer staunend.

Und die beiden hatten alles bei sich, was sie brauchten. Am Quellitzsee schlugen sie ihre Zelte auf. Im wörtlichen Sinne, denn sie campten am See, was dieses Jahr eine besondere Herausforderung darstellte. "Sie friert es schon gescheit", weiß Meyer. Denn am Donnerstag und Freitag fiel das Thermometer auf den Gefrierpunkt. Aber die Hof Regatta wäre nicht die Hof Regatta, wenn nicht auch für so einen Fall ausgesorgt wäre. "Ich habe ihnen am Morgen eine Kanne Kaffee vorbeigebracht", sagt Meyer. Danach stieg auch wieder die Temperatur an. Die Stimmung war ohnehin schon gefühlt auf sommerlichem Niveau, auch wenn die Sprache noch immer zwischen Ukrainern und Deutschen ein Problem bleibt. "Sie sprechen kaum ein Wort Englisch", erzählt Meyer. Immerhin gehört zum Hofer Organisationsteam eine russischsprachige Übersetzerin. "So kommen wir etwas weiter", so Meyer.

Sportlich besteht ohnehin keine Barriere. "Sie feierten tolle Erfolge", sagt Meyer. Die ehemaligen und amtierenden Meister sowie Weltmeister der Ukraine beherrschten und gewannen fast alle Renen in den Seniorenklassen A (32 bis 40 Jahre), Senioren B (40 bis 49 Jahre), Senioren C (50 bis 59 Jahre) und Senioren D (60 bis 65 Jahre). Der jüngste Senioren-Teilnehmer war knapp über 40 Jahre. Die Ukrainer hatten zum Teil ihre Frauen und Kinder dabei, die auch starteten.

Doch wie kommen sie ausgerechnet auf Hof? "Mundpropaganda", meint Meyer. Und dazu gehört auch, dass neben dem Sportlichen am Quellitzsee die Gemeinschaft groß geschrieben wird. Stets ist - unter den Athleten - von der klasse Party zu hören. Dass einige Trainer das nicht so gern sehen, ficht viele Sportler nicht an. Sie kommen trotzdem. "Alle haben sich doch im Griff", sagt Meyer. Allein schon deshalb, weil am Sonntagmorgen nach der Sause wieder Wettkämpfe anstehen. "Und da zeigen alle Top-Leistungen."

Auch die Ukrainer. "Sie haben die Veranstaltung erst kennen und dann lieben gelernt", sagt Meyer - und mit der Regatta auch die Organisatoren. "Sie bringen uns immer Vodka als Geschenk mit", erzählt Meyer. Ein Gegenbesuch in der Ukraine scheint aber im Moment noch ausgeschlossen. "Ich glaube nicht, dass ich genug Hofer überreden kann", sagt Meyer. Oder vielleicht doch? Die Anreise muss ja nicht unbedingt mit dem Zug sein.

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
00:00 Uhr

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
00:00 Uhr



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