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Hochfrankenturnier: Rehauer Oldies lassen alle alt aussehen

Das ist Hallenfußball: Eigentlich will der FC Rehau beim Hochfrankenturnier nur Spaß haben. Dann läuft plötzlich alles wie am Schnürchen - und der Außenseiter holt den Cup. Ein Mann spielt eine wichtige Rolle.



Viele Entscheidungen fielen vom Neunmeterpunkt - wie hier im Achtelfinale zwischen Kickers Selb und dem FC Eintracht Münchberg.
Viele Entscheidungen fielen vom Neunmeterpunkt - wie hier im Achtelfinale zwischen Kickers Selb und dem FC Eintracht Münchberg.   Foto: Michael Ott

Selb - Ein entspannter Nachmittag mit dem Besuch aus Österreich sollte es werden. Isak Zahirovic wollte das alte Jahr in aller Ruhe ausklingen lassen. Daraus wurde nichts. Das Telefon klingelte. Wer war dran? Giorgio Arancino, der Trainer des FC Rehau. "Isak, wir haben keine Spieler. Du musst mit nach Selb." So lautete die Ansage des Deutsch-Italieners an den Trainer der zweiten Mannschaft. Hallenfußball statt Shopping-Tour stand daher für den 46-Jährigen an. Und es war - womöglich nicht nur für den Geldbeutel - eine weise Entscheidung. Denn das, was Zahirovic am Samstag in der Selber Roland-Dorschner-Halle erlebte, passiert nur alle zehn Jahre: Ein krasser Außenseiter gewinnt - letztlich souverän - das prestigeträchtigste Hallenturnier der Region.

Vor 700 Zuschauern feierte der tiefklassigste Verein - neben Gastgeber SpVgg Selb 13, dem VfB Arzberg und dem FC Trogen - die große Sensation. Ohne eine Niederlage marschierte Rehau zum Pokal. Mittendrin: Isak Zahirovic, der es erst zum zweiten Gruppenspiel überhaupt in die Halle schaffte. Und nicht nur ihm flossen die Sympathien der meisten Aktiven und Fans in der Halle zu, sondern auch seinen Mitspielern. "Hut ab vor so einer Leistung. Daran können wir uns alle ein Beispiel nehmen", sagte Waldemar Schneider. Den Röslauer hatten die Zuschauer zum Spieler des Turniers gewählt. Er nahm die Wahl nicht an - und übergab stattdessen mit eben jenen Worten seinen Preis an den Rehauer Ekrem Cehadarevic. Auch er hat die 40 schon längst überschritten. Auch er stand beim Turnier wie ein Fels in der Brandung. An ihm prallten so manche Angriffe der höherklassigen Gegner - wie Bayern Hof oder Selbitz - ab. Und der 44-Jährige verpasste kaum eine Sekunde auf dem Parkett.

Daher war es ein wenig schade, dass diesen emotionalen Moment kaum jemand mitbekam. Schneiders Worte blieben ungehört, weil die Lautsprecher-Anlage in Selb nicht funktionierte. So kam auch während des Turniers ohne hörbare Durchsage und Musik nicht die unverwechselbare Stimmung auf, die Hallenfußball ausmacht. Das einzige Manko des Turniertags. Denn ansonsten sahen die Fans reichlich Tore - und vor allem auch viele Emotionen und unerwartete Wendungen. Denn wer hätte gedacht, dass sich in der Hammergruppe mit zwei Bezirksligisten (Kickers Selb, SG Regnitzlosau) und zwei Landesligisten (Röslau, Mitterteich) ausgerechnet die Oberpfälzer verabschieden. Kraftlos sei sein Team gewesen, sagte Mitterteichs Coach Andreas Lang zur größten Turnierenttäuschung. Dass Arzberg, Trogen und Thiersheim nach der Vorrunde die Segeln streichen mussten, war nicht überraschend.

Doch schon in der Vorrunde war schon zu spüren, dass ein Team einen besonders guten Tag erwischt hatte: der FC Rehau. Mit voller Punktzahl gewann der Kreisligist seine Gruppe - genau wie die SpVgg Bayern Hof und mit Abstrichen der FC Vorwärts Röslau (2:2 gegen Kickers Selb). Die Karten schienen damit gemischt: Röslau gegen Hof - so lauteten wohl die meisten Tipps für das Finale.

Doch die zwei Favoriten patzten. Röslau bereits im Viertelfinale gegen Liga-Konkurrent SpVgg Selbitz. "Natürlich wollten wir das Turnier gewinnen", sagte Vorwärts-Coach Ali Sener. "Spielerisch haben wir auch überzeugt, aber im Neunmeterschießen ist es immer Glückssache." Denn in der regulären Spielzeit erzielte keiner der beiden Landesligisten eine entscheidenden Hauch Vorsprung. So entschied das Nervenspiel aus neun Metern. Die Nerven hielten - bis auf die von Sebastian Blechschmidt. "Ihm hat etwas die Ruhe gefehlt", sagte Sener. Sein Keeper verschoss, der Selbitzer Andreas Schall traf - und die SpVgg Selbitz setzte ihren Aufwärtstrend auch mit einem verdienten Erfolg im Halbfinale gegen Titelverteidiger Kickers Selb fort (3:2).

Und was machte der Turnierfavorit? Die SpVgg Bayern Hof erlitt genau den entgegensetzten Trend: Als es darauf ankam, patzten die Hofer. Nach dem souveränen 3:1 gegen Regnitzlosau lieferte der Bayernligist das schwächste Spiel gegen Rehau ab. "Wir liefern ein schwaches Spiel ab - und das bricht uns das Genick", sagte Hofs Coach Alexander Spindler. Gegen den Kreisligisten fing sich Hof ein frühes Gegentor - und fand danach zu keiner Ordnung mehr. "Das war zu hektisch, nur noch mit Brechstange", sagte Spindler. "Ich habe den Jungs auch gesagt: So geht es nicht." Sein Team fing sich immerhin noch gerade rechtzeitig, um einer kompletten Blamage aus dem Weg zu gehen. Bis 45 Sekunden vor Schluss führte Kickers Selb im Spiel um Platz 3 gegen Hof. Doch dann drehte Andreas Knoll noch die Partie. Treppchenplatz gerettet.

Die anderen drei Teams unter den Top 4 waren durchaus zufrieden. Während Kickers Selb nach holprigem Start doch noch gut ins Laufen kam (Trainer Jakob Schleicher: "Am Ende war es okay. Wir haben eine junge Mannschaft. In der Halle entscheiden Nuancen.") feierten Selbitz und vor allem Rehau. Beim neuen Titelträger feierten sie vor allem einen Mann: Torhüter Matthias Karnitzschky. Er hatte nicht nur den Siegtreffer im Halbfinale gegen Hof erzielt, sondern auch das 1:0 im Finale gemacht, ehe Murat Salioglu den Sack zumachte. "Jetzt haben wir uns den Jackpot geholt", sagte Coach Giorgio Arancino. Seine Entscheidung, auf Routiniers zu setzen, die mit viel Ruhe am Ball und ohne Erfolgsdruck die Jüngeren alt aussehen ließen, ging auf. "Das Team hat es taktisch clever gemacht - und ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu", sagte er. Und auch das goldene Händchen des Trainers, doch noch einen alten Recken wie Isak Zahirovic von der Shoppingtour abzuhalten und mitten ins Hallengeschehen zu werfen.

 

 

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
29. 12. 2018
19:49 Uhr

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Marcus Schädlich

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29. 12. 2018
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