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Nur ein paar Augenblicke fehlen für Hawaii

Thomas Putzier vom TSV Hof liegt beim Ironman Hamburg auf Kurs, die Qualifikation für die WM auf Hawaii zu schaffen. Dann erleidet er einen Leistungseinbruch.



Auf der 180-Kilometer langen Radstrecke fühlte sich Thomas Putzier noch gut. Foto: privat
Auf der 180-Kilometer langen Radstrecke fühlte sich Thomas Putzier noch gut. Foto: privat   » zu den Bildern

Wer ein Gefühl dafür bekommen möchte, wie knapp der Hofer Thomas Putzier an seinem großen Ziel vorbeigeschrammt ist, der sollte die Zeit stoppen, wie lange es dauert, diesen Artikel zu lesen. Ganz schnelle Leser werden die Text knapp unter zwei Minuten überfliegen, durchschnittliche Leser brauchen länger als drei Minuten. Nur 140 Sekunden fehlten Thomas Putzier beim Ironman in Hamburg. 140 Sekunden bei einer Gesamtzeit von 8:57 Stunden. Das ist wahrlich nur ein Augenblick, ein Lidschlag im Triathlon. Eine bittere Erfahrung? Putzier wiegelt ab. "Das ist keine Tragödie", sagt er. "Es ist nur schade, dass es nicht geklappt hat." Denn er hatte sich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf Hawaii vorgenommen.

Hawaii - der Sehnsuchtsort jedes Triathleten. Die legendären Ironman-Weltmeisterschaften unter Extrem-Bedingungen ziehen jedes Jahr die Elite der Extremsportler an - und sind fest in deutscher Hand. Vier Jahre in Folge haben Superstar Jan Frodeno, Sebastian Kienle und vergangenes Jahr Patrick Lange das Rennen gewonnen. Dieses Jahr im Oktober wollte auch Thomas Putzier mit dabei sein, wenn es 3,86 Kilometer Schwimmen durchs warme Meerwasser geht, dann 180 Kilometer Radfahren und anschließend einen Marathon (42,195 Kilometer) durch die hawaiianische Lavawüste geht. Das Rennen fordert die Athleten bis an ihre physischen und psychischen Grenzen. Es ist das anspruchsvollste Rennen im Triathlon-Zirkus.

Im vergangenen Jahr erreichte Alexander Blank nach knapp neuneinhalb Stunden das Ziel - als schnellster hochfränkischer Starter aller Zeiten. Nun wollte es ihm Thomas Putzier nachmachen. Er nahm sich Blanks Trainer, Swen Sundberg, und begann im Januar die Vorbereitung auf den Ironman in Hamburg. Denn dort wollte er sich den Startplatz für Hawaii holen. Beim Wettkampf auf der US-Insel kann nicht jeder einfach so teilnehmen. Bei jedem Rennen der Ironman-Serie gibt es für jede Altersklasse eine gewisse Anzahl an Startplätzen für Hawaii. In Hamburg waren es in Putziers Altersklasse (50) vier. Putzier wurde Siebter, da allerdings ein Starter aus den Top-4 auf sein Startrecht verzichtete, erhielt der Fünftplatzierte das Startrecht auf Hawaii. Und dieser lag nur knapp über zwei Minuten vor dem TSV-Triathleten. Der sechste Platz hatte gar nur 33 Sekunden Vorsprung auf ihn. "Shit happens", sagt er. Dumm gelaufen. "Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe." Denn immerhin war der Ironman in Hamburg die deutsche Meisterschaft - und Putzier wurde in seiner Altersklasse Fünfter. In der Gesamtwertung war er 175. von knapp 2000 Startern. "So viele Profi-Frauen waren am Start - und nur drei sind vor mir gelandet. So schlecht kann es also gar nicht gewesen sein."

Auch wenn Putzier es nicht zugibt, aber die 140 Sekunden dürften ihn schon geärgert haben. Doch woran lag es? Wo hat er die entscheidenden Sekunden verloren? Zwei Möglichkeiten bestehen. Der Ironman in Hamburg musste dieses Jahr - aufgrund der Hitze - als Duathlon ausgetragen werden. Aufgrund der erhöhten Blaualgenkonzentration in der Alster fiel das Schwimmen aus. "Ich bin kein schlechter Schwimmer", sagt Putzier. Allerdings schwimmen in seiner Altersklasse die Besten die Strecke in 57 Minuten. Er braucht zwischen 1:03 bis 1:05 Stunden. "Selbst wenn das Schwimmen stattgefunden hätte, wäre es kein Garant dafür gewesen, dass ich es geschafft hätte." Denn vielleicht hätte er einen Konkurrenten, der nun vor ihm lag, überholt. Allerdings waren die Abstände nach hinten ebenfalls eng. "Vielleicht wäre da einer schneller gewesen." Alles hypothetisch.

Also muss es etwas anderes gewesen sein. Der Marathonlauf. Putzier hatte sich 3:35 Stunden vorgenommen - und lag auch gut im Rennen, bei Kilometer 32 war er noch Vierter. "Dann habe ich einen Leistungseinbruch bis Kilometer 36 erlebt." Er verlor gut fünf Minuten. "Es ging überhaupt nichts mehr vorwärts", erinnert er sich. "Es ist unfassbar, was da im Kopf abgeht: Engelchen und Teufelchen führen Zwiegespräche." Das Engelchen gewann. Die letzten sechs Kilometer wurde Putzier nochmals schneller. Aber nicht schnell genug, um sich den Startplatz für Hawaii zu sichern.

Doch auch der Leistungsabfall ist erklärbar. "Es ist der langen Belastung geschuldet", sagt er. Für die 180 Kilometer auf dem Rad brauchte er 4:46 Stunden - zunächst gegen den Wind, dann mit Rückenwind. "Es waren optimale Bedingungen", sagt Putzier. Auch die Temperaturen passten - sie lagen deutlich unter der beinahe unerträglichen Hitze auf Hawaii. "Beim Radfahren merkt man die Hitze nicht. Beim zweiten Lauf wurde es dann aber schon warm."

Doch daran muss er sich gewöhnen. Denn Hawaii bleibt das Ziel des Angestellten beim bayerischen Genossenschaftsverband. "Das kann nicht das Ende der Reise gewesen sein", sagt er. Jetzt habe er ein Jahr lang Zeit, sich auf die Qualifikationsrennen vorzubereiten. Nächstes Jahr startet er aber nicht in Hamburg, sondern in Frankfurt. "Dort gibt es mehr Startplätze für Hawaii." Sein Coach traut ihm dort die Qualifikation zu. "Dann habe ich eine ganz andere Grundlagenausdauer und Kraft", sagt er. Und vielleicht kann er deshalb den Leistungseinbruch wie beim Marathon umgehen. Und die 140 Sekunden vergessen machen.

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Veröffentlicht am:
10. 08. 2018
20:04 Uhr

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