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Sein großer Kampf

Der Profi-Boxer Etem Bayramoglu steht kurz vor seinem großen Ziel: Er kämpft um die deutsche Meisterschaft. Der Hofer ist aus gutem Grund zuversichtlich.



In der Nachbarschaft des Hofer Rathauses wuchs Etem Bayramoglu auf. Bald könnte er der erste deutsche Profi-Boxmeister aus der Saalestadt werden.   Foto: Marcus Schädlich

Keine 30 Jahre ist es her, als der kleine Etem damals mit seinen Freunden die Gegend rund um das Hofer Rathaus unsicher machte. Wenn Etem Bayramoglu heute durch seine alte Heimat-Nachbarschaft läuft, werden Erinnerungen wach. "Meine Eltern wohnen noch immer hier und ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder da bin", sagt der 33-Jährige, der mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt in Nürnberg hat. Doch im Herzen ist er Hofer geblieben. Das merkt man auch, wenn man mit Bayramoglu durch die Hofer Innenstadt läuft. Keine fünf Meter ist das möglich, ohne dass ein Bekannter ihn anspricht. Und Bayramoglu hat viel zu erzählen. Wenn er auf das zu sprechen kommt, was ihn im Oktober erwartet, endet das Gespräch meist mit den Worten: "Etem, ich wünsche dir viel Erfolg!" Denn Bayramoglu will deutscher Meister werden. Bei der Vogtländer-Fightnight in Plauen tritt er um den Gürtel des Boxverbands GBA an. Im Falle eines Sieges wäre er der erste Hofer Profi-Boxer mit einem deutschen Meistertitel. "Ich habe meinen Freunden versprochen, den Gürtel nach Hof zu holen", sagt er. "Und ich bin kein Mann leerer Versprechen."

Titelverteidigung in Hof?

Wenn alles so läuft, wie Etem Bayramoglu es plant, dann wartet auf die Hofer Boxfans am Samstag, 28. Dezember, ein besonderer sportlicher Leckerbissen: Die Titelverteidigung der deutschen Meisterschaft des ersten Hofer Profi-Boxers. Denn zwischen Weihnachten und Neujahr hat Bayramoglu seine zweite Hofer Fightnight geplant. "Der Termin steht", sagt er. "Und ich freue mich schon jetzt auf die zweite Auflage, auch weil ich alles etwas größer machen möchte." Und mit einem Gürtelkampf wäre der Rahmen nochmals ein größerer. Damit würde er auch ein Versprechen einlösen, das er vor einem Jahr bei der ersten Fightnight gegeben hat. Damals versprach er, dass er einen Titelkampf nach Hof holen würde. "Nun wird es hoffentlich eine Titelverteidigung", lautet der neue Plan. Damit lehnt er sich schon vor seinem Titelkampf am 19. Oktober in Plauen weit aus dem Fenster heraus. "Ich bin in guter Verfassung und daher sehr zuversichtlich, dass ich den Gürtel holen werde." Ihm kommt entgegen, dass er selbst Gegenwind gut wegstecken kann: "Ich bin ganz gut im Nehmen, habe ein hartes Kinn." Doch unbedingt darauf ankommen lassen, will er es nicht.

 

Der Weg dorthin ist allerdings ähnlich steinig wie der des kleinen, schmächtigen Jungen zum Kraftpaket. Denn Bayramoglu hat sich erst im vergangenen Jahr dazu entschlossen, die Karriere als Profi-Boxer zu beginnen. Mit 32 Jahren ging er den Weg. Recht spät. "Aber ich boxe seit 20 Jahren", sagt er. "Die lange Zeit als Amateurboxer sollte man nie vergessen." Seit dem ersten Kampf als Profi hat sich einiges getan: drei weitere folgten. Mit vier Siegen hat er sich nun die Chance zum ganz großen Wurf erarbeitet: die deutsche Meisterschaft.

 

Und der Zufall spielte ihm dabei mit in die Karten. Der GBA-Titel im Cruiser-Gewicht ist derzeit vakant. Und Hofs erster Profi-Boxer warf seinen Hut in den Ring. Allerdings: Um diese Chance zu erhalten, muss er in Vorleistung gehen und einen Qualifikationskampf über acht Runden bestreiten. "Ich stehe noch in Verhandlungen mit Gegnern", sagt Bayramoglu. Noch steht nicht fest, wann und wo der Kampf stattfindet. Es ist nur klar: Er muss vor dem 19. Oktober, dem Titelkampf in Plauen, über die Bühne gehen und Bayramoglu muss gegen einen Gegner, der kein Fallobst ist, gewinnen. "Ich bin aber zuversichtlich, dass ich es bis dahin hinbekomme." Mit der Hürde der Qualifikationsleistung steht er nicht allein da: Noch gibt es für den Gürtel-Kampf keinen Gegner. Daher fällt auch die Einschätzung schwer, wie Bayramoglus Chancen stehen.

Doch davon lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Im Vergleich zum Vorjahr, als Bayramoglu die erste Hofer Fightnight im Alleingang organisierte und über 500 Fans in der Freiheitshalle begeisterte, wirkt er entspannter. Ein lockerer Typ schlendert durch die Hofer Altstadt. Er kann sich Zeit nehmen für die Gespräche mit seinen alten Freunden, ist nicht mehr der von Termindruck Gehetzte. Seine Entspanntheit hat einen Grund: Bayramoglu ist mittlerweile ein echter Profi-Boxer. Also Profi im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat seinen Job als Feinwerkmechaniker hingeschmissen. Er konzentriert sich nur noch aufs Boxen. "Ich bin nicht mehr der Jüngste", sagt er. "Und wenn ich mir jetzt nicht diesen Traum erfüllt hätte, mich voll aufs Boxen zu konzentrieren, dann würde ich mir vielleicht später Vorwürfe machen, weshalb ich es nicht ausprobiert habe."

Der Schritt zahlt sich bereits aus: Bayramoglu wirkt austrainiert. "Ich wiege jetzt 90 Kilo mit geringem Körperfettanteil - das war genau mein Ziel, weil es das Gewicht ist, mit dem ich mich am besten fühle." Dieses Kampfgewicht will er nun halten - und im Oktober den Gürtel nach Hof holen. Das Gewicht - und vor allem auch die sportliche Form - bis dahin zu halten, fällt ihm als Vollprofi leichter. "Ich muss jetzt nicht mehr früh stempeln gehen und abends nach der Arbeit zum Training." Nun hat er nur noch die Trainingsbelastung. "Ich merke den Unterschied deutlich: Heute kann ich doppelt oder dreifach so hohe Werte leisten."

Allerdings liegt sein letzter Kampf auch schon fast ein halbes Jahr zurück. Mit einem K.o. besiegte er im Februar Reda Amine in Landau. Sein Leben finanziert der Familienvater über Sponsoren. Sein großer Bekanntenkreis hilft dabei. Ein Kölner Speditionsunternehmer, Enes Dilekci, ist mittlerweile als Hauptsponsor eingestiegen. Ein weiterer Freund, der gebürtige Hofer Ali Demir, hat die Organisation des Profi-Boxers übernommen. Denn Bayramoglu ist noch immer Einzelkämpfer - ohne ein Management, das ihm alles abnimmt. "Ich manage alles selbst", sagt er, "auch weil ich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gesammelt habe." Nun vertraut er - genau wie im Ring - nur auf die eigenen Stärken.

Dieses Konzept hat den Vorteil, dass Bayramoglu selbst wählen kann, wann er welchen Kampf bestreitet und nicht von Entscheidungen anderer abhängig ist. So auch im Falle des Kampfes um die deutsche Meisterschaft. Kommt der Titelfight aber nicht zu früh nach nur vier Profi-Kämpfen? Bayramoglu verweist auf seine lange Erfahrung als Amateurboxer. Ein Gürtelkampf sei ohnehin für dieses Jahr geplant gewesen. Jetzt kommt der Kampf um alles oder nichts schon im Oktober. "Ich kann mit fast 34 Jahren auch nicht mehr lange warten. Ich will jetzt den nächsten Schritt in meiner Karriere machen." Und seine Hoffnung: Mit einem Gürtel um die Taille besteigt er dann auch die nächste Karrierestufe.

Allerdings zeigt der ehrgeizige Plan auch, dass sich Bayramoglu trotz aller Entspanntheit viel Druck macht. "Von außen ist der Druck nicht so groß", meint er. "Ich gehe auch in den Kampf im Oktober als Underdog. Aber ich selbst setze mich natürlich unter Druck." Aber vielleicht hilft ihm dann auch die Erinnerung daran, wo er herkommt, Ruhe zu bewahren. Vom kleinen, schmächtigen Jungen zum Profi-Boxer.

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
20:18 Uhr

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Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
20:18 Uhr



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