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"Wir brauchen jetzt den Frost"

Der warme Winter bedroht den Motorsport-Eispokal. Organisator Raphael Kohlhofer blickt bange auf die Wetterprognosen. Aber nicht nur der Klimawandel verändert seinen Sport.



Interview: mit Raphael Kohlhofer, Leiter Eispokal Oberfranken
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Herr Kohlhofer, auch wenn es mittlerweile auch bei uns geschneit hat: Schauen Sie etwas neidisch in die Alpen? Dort gibt es viel Schnee, in Oberfranken - zum Start des Eispokals - hingegen kaum.

Neuer Eispokal-Leiter

Raphael Kohlhofer (MSC Marktredwitz) hat dieses Jahr die Leitung des Eispokals übernommen. "Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kinde", sagte er. Nach dem Rücktritt des bisherigen Organisators Oliver Wirth (MSC Naila) aus privaten Gründen übernahm Kohlhofer Verantwortung. "Ich bin in den letzten drei Jahren beim Eispokal mitgefahren und habe mich dann dazu bereiterklärt, die Organisation zu übernehmen." Kohlhofer organisiert die Rennreihe, die Vereine bleiben die Veranstalter. Den Auftakt macht 2019 der AC Hof am Sonntag. Danach folgen im sonntäglichen Wochen-Rhythmus der MSC Marktleuthen (20. Januar), der MSC Fichtelberg (27. Januar), der MSC Sparneck (3. Februar) und der AMC Naila am 17. Februar. Der offene Termin am 10. Februar dient als optionaler Ausweichtermin. Einer der Favoriten ist Markus Bächer vom MSC Marktredwitz.


Start in Hof

Ob der Auftakt des Eispokals am Sonntag in Hof stattfindet, ist noch ungewiss. "Wenn das Wetter so bleibt, dann fahren wir garantiert", sagt Karlheinz Bauer, der Organisator des AC Hof. Da für das Wochenende Plusgrade und Regen vorhergesagt sind, steht der Start in die Eispokal-Serie noch in den Sternen. "Es wird nur klappen, wenn es länger Minusgrade gibt", sagt Bauer. Eine endgültige Information darüber, ob die Veranstaltung stattfindet oder nicht, gibt es erst kurzfristig. Der AC Hof informiert auf seiner Webseite und der Facebook-Seite darüber. Sollte es grünes Licht für den Eispokal-Auftakt geben, dann findet von 10 Uhr an auf dem Gelände der Spedition M & M in Hof hinter dem Obi-Baumarkt der Wettbewerb statt, bei dem heck-, front und allradgetriebene Fahrzeuge sowie Jeeps und Quads an den Start gehen werden. Das Startgeld beträgt zehn Euro.


Schnee ist nicht gleich Eis. Wir brauchen zwar immer etwas Schnee für den Untergrund, aber ich denke, wir sind alle froh, dass wir nicht die Menge Schnee haben wie in den Alpen derzeit.

Am Sonntag soll mit der Veranstaltung in Hof das erste Rennen des Eispokals sein. Die Wettervorhersagen lassen allerdings nichts Gutes ahnen?

Noch ist es zu warm. Es kühlt zwar nachts immer ab, aber der Boden muss tiefgefroren sein, um das Rennen stattfinden zu lassen. Mal sehen, was die nächste Tage bringen.

Technische Hilfsmittel gibt es nicht?

Der MSC Fichtelberg hat sich schon mal überlegt, in Mehlmeisel vom Skilift eine Schneekanone abzuziehen. Aber auch das bringt nichts, denn die Schneekanone kann zwar die Strecke beschneien, aber die Piste wird nicht hart. Dann brechen die Autos ein und liegen auf. Technische Hilfsmittel sind also keine Lösung. Wir brauchen einfach nur Kälte. Es ist schon ungewöhnlich, dass wir in diesem Winter keine Kälte haben.

Der Klimawandel trifft den Eispokal hart, oder?

Das kann man so sagen. Generell wird es einen Tick wärmer. Und wir waren schon immer an der Grenze dazu, dass der Pokal überhaupt stattfinden kann.

Gab es schon einmal solche Extremjahre beim Eispokal?

In den letzten Jahren mussten schon viele Läufe ausfallen: Letztes Jahr gab es ein Rennen, vor zwei Jahren nur zwei. Die letzten Jahre sind schon anstrengend, dass der Eispokal überhaupt stattfindet. Hinzu kommt, dass immer weniger Vereine Veranstaltungen ausrichten wollen.

Warum?

Es ist oft viel Aufwand ohne Ertrag. Man muss sich vorstellen: Die Organisatoren in Mehlmeisel haben am Samstag mit der Vorbereitung auf den Lauf am 27. Januar angefangen. Dahinter steckt viel Aufwand, tauschende Liter Wasser kommen auf die Strecke. Die Vereine sind zwei Wochen mit der Vorbereitung beschäftigt - und dann wird es doch wieder zu warm und es fällt alles ins Wasser. Das ist frustrierend. Aber nicht nur das belastet uns.

Was noch?

Die Behördenauflagen. Sobald ein Landratsamt Motorsport liest, flippen sie fast aus. Die denken, wir fahren mit 200 Stundenkilometern über die Piste. Entsprechend hoch sind die Auflagen.

Ist es anders?

Wir tuckern mit Schrittgeschwindigkeit über den Parcours! Der Eispokal ist ein Geschicklichkeitsrennen. Bei einem Radrennen kann mehr passieren als bei uns. Was soll denn passieren, wenn du mit acht Stundenkilometern in einen Schneehaufen rutschst? Da kann nichts passieren.

Wie schwer ist der Parcours denn? Ist es trainierbar?

Man kann das gar nicht trainieren. Die Vereine probieren zwar am Abend vor dem Lauf alles aus. Aber jeden Tag ist die Strecke anders: Wenn die Heckklasse gefahren ist und den Schnee weggeschoben hat, wird es für die anderen noch glatter. Die Strecke ist schwer vorher einzuschätzen. Das macht den Reiz aus.

Was ist für Sie noch die Herausforderung beim Eispokal?

Die Strecken sind sportlich und eng gesteckt. Wer auf Schnee einigermaßen fahren kann, der hat ein Gespür, wie es auf dem Eis sein könnte.

Sie sind erst seit diesem Jahr der Organisator. Was wollen Sie neu machen?

Wir laden dieses Jahr Laien zu einer Fahrt ein. Wir werden Autos vom Autohaus Brucker stellen, mit denen jeder dann auf dem Parcours fahren kann. Dann kann jeder mal spüren, wie sich das Auto schon bei kleinster Geschwindigkeit auf Eis verhält. Ein bisschen Geschick ist nötig. Aber jeder Laie hat die Möglichkeit, ohne Training und jahrelange Erfahrung mitzufahren und erfolgreich abzuschneiden. Es ist ein guter Einstieg in den Motorsport. Aber das ist noch nicht alles, was wir neu machen wollen.

Was noch?

Wir möchten auch E-Fahrzeuge zulassen. Diese Klasse gibt es im Moment noch nicht. Die Fahrzeuge sind im Kommen - ob wir das richtig heißen oder nicht. Wir möchten den Fahrern solcher Fahrzeuge aber die Teilnahme ermöglichen.

Wie sehen die Motorsportler die Entwicklung hin zu E-Fahrzeugen?

Relativ kritisch. Ich glaube, es macht alles langweiliger. Im Moment kann jeder sein Fahrzeug im Motorsport individuell einstellen - deshalb werden auch überwiegend ältere Autos gefahren. Das Setup kann ich mir als Fahrer da noch individuell festlegen. Beim E-Auto fällt das komplett weg. Denn welcher Laie soll da etwas verändern können? Am Elektromotor kannst du nichts verstellen. Da müsste man ein komplettes Motor-Setup neu programmieren. Das betrifft auch den Rallyesport. Aber das ist bei den neueren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auch nicht anders. Alles, was neu auf den Markt kommt, ist immer schwerer zu ändern. Die Helfersysteme werden immer mehr. Da bleibt nur, mit älteren Fahrzeugen zu fahren. Wir haben nicht nur den Klimawandel, sondern auch einen technischen Wandel.

Zum Schluss ein Tipp vom Experten für die Laien: Was hilft bei Glätte auf der Straße?

Nicht hektisch lenken, Lenkrad ruhig halten und probieren, das Fahrzeug zum Stillstand zu bringen - vielleicht am Fahrbahnrand auf Schotter oder leicht aufgerauter Wiese. Jede hektische Lenkbewegung bedeutet auf der Hinterachse viel Turbulenzen.

Das Gespräch führte Marcus Schädlich

—————

Mehr Informationen zum Eispokal Oberfranken gibt es unter www.eispokal.com

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Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
00:00 Uhr

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