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Armes Formel-1-Deutschland: Vettels einsamer Kampf

Jetzt ist es amtlich: Nur noch ein deutscher Fahrer wird 2020 in der Formel 1 antreten. Sein Name: Sebastian Vettel. Das Gute: Er geht im Moment davon aus, dass es nicht seine letzte Saison sein wird.



Ferrari-Pilot
Bestreitet in Brasilien sein 100. Rennen für die Scuderia Ferrari: Sebastian Vettel.   Foto: Nelson Antoine/AP/dpa

Nun muss Sebastian Vettel allein die Formel-1-Ehre eines ganzen Landes retten. Michael Schumacher, Ralf Schumacher, Nick Heidfeld, Timo Glock, Adrian Sutil, Pascal Wehrlein, Nico Rosberg und zuletzt noch Nico Hülkenberg - Vettel sah nicht alle kommen, aber alle gehen.

Die große Ära deutscher Stammfahrer in der Formel 1 ist längst vorbei, im kommenden Jahr erreicht die PS-Talfahrt des Autobauerlandes ihren befürchteten Tiefpunkt. Kein deutsches Rennen, nur ein deutscher Fahrer: Vettel.

Hülkenberg, bereits in diesem Jahr Vettels einziger Mitstreiter aus der Heimat, wird 2020 nicht mehr in der Formel 1 fahren. Die Australian Open im Januar als Tennis-Edelfan, Urlaub außerhalb der Hauptsaison, ansonsten hat der 32 Jahre alte Hülkenberg keine Pläne, seitdem er weiß, dass seine Zeit nach seinem Einstieg 2010 (erstmal) vorbei ist. «Natürlich ist ein Teil von mir auch traurig. Und wenn ich die Rennen am Fernseher verfolge, werde ich noch trauriger sein», meinte Hülkenberg.

Nur ein deutscher Piloten in der Motorsport-Königsklasse, das gab es zuletzt 1993. Sein Name: Michael Schumacher. Mit ihm kam der Hype, mit ihm stiegen die Zuschauerzahlen in Deutschland, mit ihm bekam Deutschland phasenweise sogar zwei Rennen pro Jahr. Vergangenheit.

Die Gegenwart sieht weniger erbaulich aus. Die Formel 1 expandiert weiter, der deutsche Markt wird 2020 aber umkurvt. Junge Fahrer rücken nach, ein Deutscher ist noch nicht dabei.

Die Hoffnungen ruhen auf Mick Schumacher, dem 20 Jahre alten Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher. Wann er den Schritt wagt, ist weiter offen. Für einen PR-Film durfte er jüngst den Weltmeister-Ferrari von Vater Michael aus dem Jahr 2002 auf der Scuderia-Hausstrecke in Fiorano fahren, nicht die erste PR-trächtige Demorunde des Schumacher-Filius in einem Formel-1-Auto. Der Name zieht.

Bis er von der Formel 2 in die höchste Rennserie aufsteigt, muss Mentor Vettel ran. Der gebürtige Heppenheimer gewann seinen ersten WM-Titel 2010. Es war die Saison, in der insgesamt sieben deutsche Piloten mindestens ein Rennen bestritten haben.

Zumindest vorstellbar ist, dass Vettel und Mick Schumacher auch noch in einem Formel-1-Rennen gegeneinander antreten. Vettel sagte, er wisse im Moment nicht, wie seine Zukunft in der Formel 1 nach dem Ende der nächsten Saison aussehe - solange gilt noch sein Kontrakt mit dem italienischen Traditionsrennstall. «Aber ich gehe davon aus, dass ich nach nächstes Jahr noch weiter fahre», sagte Vettel in Interlagos dem TV-Sender Sky.

In Brasilien wird er seinen 100. Grand Prix für Ferrari bestreiten. Ein Sieg täte ihm gut, es wäre erst der zweite in dieser Saison, in der er eigentlich den Titel holen wollte. So wie Vorbild und Kumpel Schumacher einst im fünften Jahr der Zusammenarbeit mit Ferrari. Vettel schaffte es wieder nicht. Er kämpft nur noch um Platz drei im Klassement hinter dem sechsmaligen Champion Lewis Hamilton und dessen Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas.

Vettel fährt in den letzten beiden Rennen auch um die interne Ausgangsposition fürs kommende Jahr. Der höchst ehrgeizige Teamkollege Charles Leclerc ist in einem ersten Ferrari-Jahr 19 Punkte vor Vettel. Ebenfalls noch vor dem Deutschen auf Rang fünf liegt Max Verstappen im Red Bull mit fünf Zählern Vorsprung.

Nach 2016, als Vettel nicht mal einen Sieg im Ferrari geschafft hatte, droht 2019 zum zweitschlechtesten Jahrgang in der Ferrari-Vita des gebürtigen Heppenheimers zu werden. 14 Siege sprangen in seinen bisherigen 99 Rennen im roten Auto erst heraus. Erstmal geht es also noch um Vettels persönliche Ehre.

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 11. 2019
11:52 Uhr

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15. 11. 2019
11:52 Uhr



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