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Biathlon-Weltcup: Oberhof und die Klimadebatte

Für den Weltcup in Oberhof musste Schnee vom Biathlon-Spektakel auf Schalke herangekarrt werden. Der Standort will auf jeden Fall wieder eine Topadresse des weißen Sports werden.



In Oberhof liegt nur auf der Biathlonstrecke richtig viel Schnee. Foto: imago/Gerhard König
In Oberhof liegt nur auf der Biathlonstrecke richtig viel Schnee. Foto: imago/Gerhard König  

Oberhof - Bodo Ramelow ist zwar immer noch Ministerpräsident von Thüringen, am Wochenende hätte der 63-Jährige aber auch problemlos als Oberhofer Tourismus-Manager durchgehen können. Da erzählte der Politiker der Linken ganz offiziell davon, wie er am Samstagmorgen in der obersten Etage des örtlichen Panorama-Hotels beim Aufwachen die Sonne über den Wipfeln des Thüringer Waldes habe aufgehen sehen. "Da geht einem das Herz auf", strahlte Ramelow - der für ähnliche Schwärmereien einen Tag später allerdings sehr viel Fantasie gebraucht hätte. Denn bei den abschließenden Massenstartrennen fegten stürmische Winde durch die Arena am Grenzadler. Zudem umwaberte der berühmt-berüchtigte Oberhofer Nebel die Skijäger mal wieder.

Peiffer wird Zweiter

Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer hat sich zum Abschluss des Biathlon-Weltcups in Oberhof Platz zwei im Massenstart erkämpft. Seinen ersten Einzel-Podestplatz in diesem Winter sicherte sich der 32-Jährige aus dem Harz am Sonntag trotz dreier Strafrunden. Im Ziel landete der Einzel-Weltmeister 20,1 Sekunden hinter dem siegreichen Franzosen Martin Fourcade (zwei Fehler). Bereits am Samstag waren die deutschen Biathleten in der Staffel aufs Podest gelaufen. Philipp Horn, Kühn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll belegten über 4x7,5 Kilometer einen guten dritten Rang. Bei den Frauen mussten sich Vanessa Hinz, Debütantin Janina Hettich, Maren Hammerschmidt und Denise Herrmann nach einer Strafrunde und elf Nachladern mit Rang vier zufriedengeben.

 

Bei den ersten Wettkämpfen am Donnerstag und Freitag hatten warme Temperaturen und der viele Regen, der die mühsam präparierte Kunstschneedecke zu großen Teilen wegspülte, den Weltcup-Machern noch eine neue Klimadebatte beschert. Weil von Naturweiß auf Thüringens Höhen nichts zu sehen war und auch die 37 Schneekanonen vor Ort nicht ausreichten, musste künstlicher Untergrund vom Biathlon-Spektakel auf Schalke herangekarrt werden. Über 400 Kilometer, auf über 30 Lkw.

 

In Zeiten des Klimawandels und Fridays for Future sei das nicht mehr zu verantworten, kritisierten Umweltschützer. Doch weil das Thema warme Winter ein alter Hut ist, fordert Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner, zunächst müsse eine grundsätzliche Entscheidung getroffen werden: Will man weiterhin Wintersport auf Spitzenniveau betreiben, oder nicht. Egal, ob auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene.

In Thüringens Biathlon-Mekka ist die Lage klar: In drei Jahren kommt die Skijäger-Elite dort zur WM zusammen - ein Prestige-Event, für das aktuell ordentlich geklotzt wird. "Wir wollen Oberhof in der Dimension um mehrere Stufen nach oben bringen, damit es unter den Weltentscheidungsdestinationen wieder ganz vorne mit dabei ist", betont etwa Bodo Ramelow.

Rund um die Biathlon-WM - 2023 finden in Oberhof auch die Titelkämpfe der Rodler statt - rechnet der gebürtige Niedersachse mit Geldmitteln von 80 Millionen Euro aus Bundes-, Landes- und europäischen Etats. Gleichzeitig bekräftigten Politiker und Organisatoren am Wochenende ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit bei der WM-Planung. "Unsere Zielstellung ist es, die CO2-Neutralität zu wahren. Wir wollen eine Wärme-Kälte-Kopplung ermöglichen - auch mit anderen Nutzern in Oberhof", so Ramelow.

Das Verkehrskonzept beim gerade beendeten Weltcup zeigte bereits deutliche Fortschritte: Wo früher speziell vor den Rennen die Straßen hinauf in das Landstädtchen mit seinen 1600 Einwohnern verstopft waren, gibt es nun kaum noch Staus. Weil das ausgeklügelte System mit Shuttlebussen dafür sorgt, dass die Zuschauer bereits 15 bis 20 Kilometer vor Oberhof an verschiedenen Standorten aufgenommen werden.

Andererseits läuft bei den Protagonisten immer auch das schlechte Gewissen mit. Schon zu Saisonbeginn bezeichnete Olympiasieger Arnd Peiffer die gesamte Branche der Vielflieger und Vielautofahrer tendenziell als Umweltsünder. Doch weil genug auch im Biathlon nicht genug ist, soll dem traditionellen Weltcupauftakt im schwedischen Östersund im nächsten Winter noch eine Station vorangestellt werden. In Kontiolahti, Finnland. "Das wäre dann mal wieder eine Extrareise", kommentiert der Oberhofer Erik Lesser im Gespräch mit dieser Zeitung lakonisch - und findet: "Da muss man überlegen: Was geht vor? Die Action, oder einfach mal zu sagen: Leute, wir gehen nicht jeden Hype mit."

Eine gute Frage - die Antwort scheint beim aktuellen Trend zu reiseintensiven Großveranstaltungen in gleich mehreren Ländern jedoch längst festzustehen. Dass der kritische Kopf Erik Lesser in den letzten Tagen aber nicht einfach aus seinem Wohnzimmer zu den Rennen marschierte, sondern zur Arbeit bis ins slowakische Osrblie reiste, war dagegen selbstverschuldet: Der Verfolgungsweltmeister von 2015 war bei den Dezember-Weltcups so schwach, dass er sich jetzt erst mal im IBU-Cup, der zweiten Biathlon-Liga, beweisen musste.

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Andreas Morbach
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Veröffentlicht am:
13. 01. 2020
08:46 Uhr

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Andreas Morbach

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13. 01. 2020
08:46 Uhr



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