Topthemen: "Tannbach"-FortsetzungZentralkauf weicht Hof-GalerieKaufhof-UmbauGerch

Sport

Bin Hammam bestätigt Millionen-Erhalt in Affäre um WM 2006

Ex-FIFA-Vizepräsident Mohamed Bin Hammam bestätigt den Erhalt von 6,7 Millionen Euro in der Affäre um die WM 2006 in Deutschland. Bestochen worden sein will der gesperrte Katari jedoch nicht. Fragen bleiben offen.



Ex-Funktionär
Mohamed bin Hammam hat den Erhalt von 6,7 Millionen Euro im Zuge der WM-Affäre 2006 bestätigt.   Foto: Shamshahrin Shamsudin

Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam bricht in der Affäre um die Fußball-WM 2006 in Deutschland sein Schweigen.

Für entscheidende Aufklärung zur ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus Deutschland über die Schweiz nach Katar sorgt jedoch auch die Aussage des früheren FIFA-Vizepräsidenten nicht. Der katarische Unternehmer bestätigte in der ZDF-«Sportreportage» lediglich, dass er das Geld erhalten habe. Den Zweck der Zahlung ließ Bin Hammam aber offen und bestreitet eine damit verbundene Bestechung aus Deutschland.

«Die 6,7 Millionen Euro sind auf mein Konto geflossen», sagte der inzwischen gesperrte Spitzenfunktionär. «Aber ich würde gerne wissen, warum Deutschland mich hätte bestechen sollen, für etwas, was sie schon erhalten haben. Die Summe ist erst nach der WM-Vergabe auf meinem Konto eingegangen.» Bin Hammam betonte: «Ich schwöre zu Gott, es war nicht für die WM.»

Die 6,7 Millionen Euro und ihre Verwendung sind eine der zentralen offenen Fragen in der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Deutschland im Jahr 2000. Das Geld floss im Jahr 2002 von einem Konto von Franz Beckenbauer und seinem später verstorbenen Manager Robert Schwan über die Schweiz auf ein Konto in Katar, das zu dem Firmengeflecht von Bin Hammam gehörte. Kurz darauf erhielt Beckenbauer diese Summe als Darlehen vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurück, der wiederum sein Geld drei Jahre später vom DFB zurückforderte. 2005 überwies der Verband die 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Weltverbandes FIFA an Louis-Dreyfus. 

Wofür floss das Geld zu Bin Hammam? «Ich weiß es nicht», meinte er lachend im ZDF-Interview und ergänzte dann: «Nein, natürlich weiß ich es. Aber entschuldigen Sie ? das interessiert doch nur Sie, keine anderen.» Mögliche Korruption rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft in seine katarische Heimat bestritt Bin Hammam für seine Person ebenfalls. Die Vorwürfe «betreffen mich alle nicht. Das sind nur Anschuldigungen und bleiben Anschuldigungen», sagte der 68-Jährige.

Wegen wiederholter Verstöße in seiner Zeit als Präsident der asiatischen Konföderation AFC und Mitglied des damaligen FIFA-Exekutivkomitee ist er für jede Tätigkeit im Fußball gesperrt. Dennoch behauptete er mit Blick auf den FIFA-Skandal: «Wenn Sie uns auf einer Skala für Korruption einteilen würden, dann war ich wohl der, der am wenigsten korrupt war.»

DFB-Chef Reinhard Grindel hatte Anfang Dezember in der «Sport Bild» erklärt, er strebe ein persönliches Treffen mit Bin Hammam in Katar an. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hatte eine Anfrage über das Anwaltsbüro des Unternehmers gestellt, allerdings keine Antwort erhalten.

Beckenbauer wies eine Bestechung bei der WM-Bewerbung zurück und argumentierte, dass die WM-Organisatoren mit der Zahlung einen Organisationskosten-Zuschlag des Weltverbandes absichern wollten. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte dem erst vor einem Monat erneut widersprochen: «Das stimmt nicht. Das ist Quatsch. Das habe ich auch vor der Schweizer Bundesanwaltschaft, die mich als Auskunftsperson einlud, gesagt. Dass man zuerst etwas zahlen muss, damit man im Gegenzug Geld bekommt von der FIFA, ist abstrus», sagte Blatter im Dezember der Funke Mediengruppe.

Der DFB verschleierte das Geld nach Ansicht der Finanzbehörden in seiner Steuererklärung für 2006 als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala, die am Ende nie stattfand. Der Verband hat die falsche Deklarierung eingeräumt, aber auch erklärt, Louis-Dreyfus habe Beckenbauer das Geld gegeben, um einen Organisationskosten-Zuschuss von der FIFA abzusichern. Die 6,7 Millionen stünden deshalb in einem direkten Zusammenhang mit der WM und seien daher steuerlich als Betriebsabgabe zu sehen. Das Finanzamt sieht darin indes einen schweren Fall von Steuerhinterziehung und fordert eine Nachzahlung von 19,2 Millionen Euro. Die DFB-Spitze hatte angekündigt, diese Entscheidung anfechten zu wollen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 01. 2018
16:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Bestechung Bundesanwaltschaft Deutscher Fußball-Bund FIFA Franz Beckenbauer Fußball-WM 2006 Millionen Euro Reinhard Grindel Sepp Blatter Skandale und Affären ZDF
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Felix Neureuther

14.01.2018

Ski-Ass Neureuther macht gute Fortschritte in der Reha

Felix Neureuther kommt in der Reha nach seinem Kreuzbandriss nach eigenen Angaben gut voran, will sich aber genug Zeit lassen vor dem Comeback auf Ski. » mehr

Miroslav Klose

10.01.2018

Klose über DFB-Elf: «Müssen wieder Teamspirit entwickeln»

Für den früheren Stürmer Miroslav Klose ist bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Zusammenhalt bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Russland ein entscheidender Faktor. » mehr

DFL-Geschäftsführer

vor 13 Stunden

Zu schwach: DFL-Chef rechnet mit Bundesliga-Clubs ab

Nur die Bayern in der Champions League. Nur Dortmund und Leipzig als Königsklassen-Absteiger in der Europa League. Die miserable Bilanz im Europacup hat DFL-Boss Seifert alarmiert. In einer Grundsatzrede warnt er vor Sel... » mehr

Heiko Herrlich

09.01.2018

12 000 Euro Geldstrafe für Herrlichs theatralischen Sturz

Der theatralische Sturz im DFB-Pokalspiel in Mönchengladbach hat für Bayer-Trainer Herrlich finanzielle Konsequenzen: 12 000 Euro Strafe muss er zahlen. Der Coach und der Verein akzeptieren das Urteil des DFB-Sportgerich... » mehr

Videobeweis

08.01.2018

Bundesliga-Funktionäre für Videobeweis: «Aus Fehlern lernen»

Testphase Teil 2: In der Bundesliga-Rückrunde soll sich der umstrittene Videobeweis einspielen. Auch die Entscheidung, wie es international weitergeht, naht. » mehr

Bibiana Steinhaus

05.01.2018

Schiedsrichterin Steinhaus: Mit Gänsehaut am Anstoßkreis

Bibiana Steinhaus hat sich auch in der Männer-Bundesliga als einzige Schiedsrichterin bislang bewährt. «Ich genieße jeden Einsatz», sagt sie. Sie verteidigt den Videobeweis: Es sei nicht so, dass da der Videoassistent in... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

"Arthurs Gesetz": Dreharbeiten in Hof Hof

"Arthurs Gesetz" Dreharbeiten in Hof | 16.01.2018 Hof
» 5 Bilder ansehen

VLF-Ball in Münchberg

VLF-Ball in Münchberg | 14.01.2018 Münchberg
» 23 Bilder ansehen

Blue Devils Weiden - Selber Wölfe 5:10

Blue Devils Weiden - Selber Wölfe 5:10 | 14.01.2018 Weiden
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 01. 2018
16:07 Uhr



^