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Bundesliga vor Sommer der Ungewissheit

So wenig Planungssicherheit hatten die Bundesligaclubs am Ende einer Saison noch nie. Wegen der anhaltenden Corona-Krise gibt es viele offene Fragen, wie es nach der Sommerpause weitergeht.



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Die Bundesliga steht vor einem Sommer voller Ungewissheit.   Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa

Erst kommt der Urlaub - und dann? Nach dem Ende der Corona-Saison steht die Fußball-Bundesliga vor einem Sommer der Ungewissheit. Niemand weiß, wann die Spielzeit 2020/21 startet und unter welchen Rahmenbedingungen. Geisterspiele als Normalbetrieb?

«Natürlich muss sich ein Betrieb wie die Bundesliga Gedanken über die nächste Saison machen», sagte Taskforce-Leiter Tim Meyer im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben das Konzept im April in Kenntnis der damaligen Pandemielage entwickelt. Wir wissen aber nicht, wie sie sich weiter entwickeln wird, Stichwort zweite Welle. Es muss ein Konzept mit Szenarien geben, das die Aktivität der Covid-19-Pandemie berücksichtigt und auf sie entsprechend reagiert.»

Wie DFL-Boss Christian Seifert rechnet auch der DFB-Chefmediziner nicht mit einer schnellen Rückkehr zu der Normalität vor Corona. Geisterspiele auf lange Sicht hält der 52-Jährige allerdings nicht für wahrscheinlich und machte den Fans damit zumindest ein klein wenig Hoffnung auf eine Rückkehr in die Arenen. «Ich bin schon zuversichtlich, dass wir einen Impfstoff bekommen werden, der wieder volle Stadien erlaubt. Aber das wird noch dauern», sagte Meyer.

Bei der schrittweisen Öffnung müsse vor allem der Aspekt des Infektionsschutzes für die gesamte Bevölkerung beachtet werden. «Es ist klar, dass am Anfang keine vollen Stadien denkbar sind. Die Frage lautet: Wie kann man das abstufen? Da gibt es dann viele organisatorische Faktoren zu berücksichtigen», sagte Meyer und betonte: «Es muss alles machbar bleiben. Ein Konzept mit dem Aufwand, wie es jetzt für diese neun Spieltage in der Bundesliga gefahren wurde, kann man keine Saison lang durchhalten.»

Das gilt auch für die Umsetzung der strengen Verhaltensregeln für die Profis, bei der wohl nicht nur Union Berlins Geschäftsführer Oliver Ruhnert Probleme erwartet. «Wir werden die Jungs nicht anhalten können, sich so zu verhalten. Wir können sie nicht einsperren. Platz, Wohnung, Platz wird nicht funktionieren. Das kannst du über eine Saison von Spielern nicht verlangen», sagte der 48-Jährige.

Schon der Sommerurlaub wird Aufschluss darüber geben, wie die Profis mit den neuen Freiheiten umgehen. «Wir haben Verhaltensregeln ausgegeben. Wenn jemand die Vorbereitung mit 14 Tagen Quarantäne anfangen muss, wäre das ungünstig», sagte Trainer Uwe Neuhaus vom Aufsteiger Arminia Bielefeld.

Immerhin sind Reisen wieder erlaubt, weshalb die ausländischen Spieler erstmals seit Monaten wieder zu ihren Familien in die Heimat fliegen dürfen. «Wir haben Empfehlungen von der DFL für unser Verhalten, unseren Alltag, für Reisen. Damit gehen wir pflichtbewusst um», sagte Freiburgs Trainer Christian Streich. «Die Jungs jetten nicht um die Welt.» Das gilt aber längst nicht für die gesamte Liga.

Konkrete Sommerfahrpläne gibt es bisher vor allem bei den fünf Clubs, die im August die internationalen Wettbewerbe der abgelaufenen Saison zu Ende spielen müssen. Rekordmeister Bayern München und RB Leipzig wollen dann in der Champions League nach dem Pott greifen, in der Europa League sind Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg noch dabei.

Die Auswirkungen sind allerdings höchst unterschiedlich. Die Bayern, die am kommenden Samstag im Pokalfinale gegen Leverkusen noch das 13. Double der Vereinsgeschichte perfekt machen können, wollen sich auf der Jagd nach dem Triple nur eine kurze Auszeit von zwölf Tagen gönnen. Eintracht-Trainer Adi Hütter entließ seine nach 54 Saisonspielen ausgelaugten Frankfurter Marathon-Männer dagegen in einen vierwöchigen Urlaub. Die Hessen haben in der Europa League nach einem 0:3 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Basel keine Ambitionen mehr.

Schwieriger gestalten sich die Planungen der anderen Vereine. «Wir müssen weiterhin wie seit drei Monaten improvisieren», sagte Herthas Bruno Labbadia stellvertretend für viele Trainer. Das gelte sowohl für den Urlaub als auch die Vorbereitung. «Wir haben noch keine einzige Planung, gegen wen wir wann spielen können. Wie sollen wir das machen, wenn wir noch nicht mal wissen, wann Spielstart ist?», klagte der 54-Jährige.

Viele Fragezeichen stehen auch hinter der Kaderplanung. «Da sind viele Wenns dabei, weil es in diesem Jahr eine ganz spezielle Konstellation auf dem Transfermarkt gibt», sagte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic. Kleiner Trost: Wegen der Corona-Krise wird die Sommer-Transferperiode auf Empfehlung der UEFA statt Ende August ausnahmsweise wohl erst Anfang Oktober enden.

© dpa-infocom, dpa:200629-99-604334/2

Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
13:26 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
13:26 Uhr



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