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DFL gegen Kollektivstrafen - «Unsere Kurve» verärgert

Die Deutsche Fußball Liga meldet sich im Dauerstreit zwischen DFB und Fans zu Wort. Derweil werfen Fan-Organisationen dem DFB vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben.



Pokalabend
Proteste und Beleidigungen gegen den DFB blieben aber auch in Gelsenkirchen nicht aus.   Foto: Oliver Dietze/dpa

Weitere Proteste im Stadion, neue Machtkämpfe zwischen DFB und Ultra-Szene hinter den Kulissen und deutliche Worte von der DFL.

Die Deutsche Fußball Liga sprach sich gegen Kollektivstrafen aus und forderte, der Drei-Stufen-Plan mit Spielunterbrechungen und -Abbrüchen müsse präzise definiert werden. Derweil sehen sich vor einem geplanten Krisentreffen gewichtige Fanverbände vom Deutschen Fußball-Bund getäuscht. «Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen», hieß es in einer Erklärung, die von den Organisationen «Unsere Kurve» und «Queer Football Fanclubs». Sie reagierten damit auf die Bekanntmachung des DFB zur Einberufung eines runden Tisches.

«Kollektivstrafen haben im deutschen Fußball noch nie ein Problem gelöst», heißt es in einer ausführlichen Erklärung der DFL nach einer Präsidiumssitzung. Als «Ultima Ratio in absoluten Ausnahmefällen» könnten diese aber in sportgerichtlichen Verhandlungen zwischen DFB und Clubs nicht komplett ausgeschlossen werden. Die DFL will auf den DFB zugehen, um das grundsätzliche Gespräch unter anderem bezüglich Transparenz sowie Auslegung und damit auch Akzeptanz von Sanktionen zu suchen.

«Die Meinungsfreiheit, zu der selbstverständlich auch Protest gehört, steht nicht zur Disposition», hieß es weiter. Genauso klar sei aber auch: «Menschen gehören auch auf Plakaten nicht ins Fadenkreuz. Diffamierungen, Hetze und Hass - gleichgültig in welcher Form - sind nicht hinnehmbar. Dies gilt unabhängig von Dietmar Hopp für alle Menschen - jedes Alters, jedes Geschlechts, jeder Religion, sozialen Schicht, Hautfarbe, Nationalität oder sexuellen Orientierung.»

Selbstkritisch erklärte die DFL mit Geschäftsführer Christian Seifert an der Spitze auch, dass es «absolut legitim» sei, zu fragen, warum diese Haltung in dieser Deutlichkeit nicht früher zum Ausdruck gekommen sei. In Fankreisen wurde kritisiert, dass Hoffenheims Mäzen Hopp besonders geschützt werde.

Unterdessen erhielt die DFL nach Informationen der ARD-Sportschau einen von der SpVgg Greuther Fürth initiierten Fragenkatalog der Zweitligisten, wie mit weiteren Fanprotesten am Wochenende umgegangen werden soll. Darin ging es auch um eine genaue Einschätzung, wann Spruchbänder noch von der Meinungsfreiheit abgedeckt sind.

Bei der mit Spannung erwarteten DFB-Pokal-Partie FC Schalke 04 gegen FC Bayern München gab es keine neuen Schmähplakate gegen Milliardär Hopp, der für manche Fans zum Symbol im Kampf gegen Kommerz und die Kollektivstrafe geworden ist. Proteste und Beleidigungen gegen den DFB blieben aber auch in Gelsenkirchen nicht aus. «Dementer Fußball-Bund - Zusage gegen Kollektivstrafe vergessen - versucht ihr nun uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen?», hieß es auf einem Transparent. Und auf einem anderen: «Wenn wir jetzt ein Hurensohn-Plakat zeigen - Hört ihr dann auch auf zu spielen - Und wir schaffen es ins Elfmeterschießen?!»

Eine Spielunterbrechung gab es nach dem turbulenten Wochenende zuvor diesmal nicht. Bei einem Treffen der Clubs mit DFB-Vertretern und Schiedsrichter Tobias Stieler vor der Partie sei eine Strategie festgelegt worden. Laut S04-Mediendirektor Thomas Spiegel ging es vor allem um «Deeskalierung und Augenmaß. Das Ziel war zu sagen: Wie können wir ein Fußballspiel durchführen und zur Normalität zurückkehren?»

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag führten Schmäh-Attacken von Bayern-Fans gegen Hopp fast zum Abbruch der Partie bei der TSG Hoffenheim. Am Dienstag verkündete der DFB, noch in dieser Woche werde es einen runden Tisch der AG Fankulturen geben, in der Vertreter des DFB, der DFL sowie von verschiedenen Fan-Organisationen sitzen.

Dabei ist auch das Bündnis «Unsere Kurve». Diese Fans werfen dem Verband vor, Absprachen zur Vertraulichkeit des Sitzungstermins gebrochen zu haben und nicht wie behauptet selbst Initiator des Treffens gewesen zu sein. Der Vorstoß dazu sei von den Fanorganisationen gekommen - nicht von den Fußballverbänden. «Wir haben den Dialog eingefordert, um auszuloten, ob und wie die Situation deeskaliert werden kann», schrieben die Verfasser. Der DFB vereinnahme bereits vor der Sitzung die Deutungshoheit. «Über den Dialog und über die Inhalte. Das ist keine gute Grundlage für eine Deeskalation», hieß es.

An den Sammelstrafen hatte sich die jüngste Eskalation im Zwist des DFB mit den Fans entzündet. Der Verband hatte diese Form der Sanktion 2017 ausgesetzt. Vor kurzem hatte aber das DFB-Sportgericht Anhänger von Borussia Dortmund unter anderem wegen eines Plakats mit Hopp im Fadenkreuz zu einer Stadionsperre für zwei Jahre in Hoffenheim verurteilt - mit dem Widerruf der Bewährungsstrafe wurde die Kollektivstrafe angewendet.

Veröffentlicht am:
04. 03. 2020
19:59 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 03. 2020
19:59 Uhr



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