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DSV-Springer wollen endlich den Tourneesieg

Schon 17 Jahre ist der letzte deutsche Gesamtsieg bei der Tournee her. Das wollen Wellinger und Co. in diesem Jahr ändern. Trainer Schuster ist optimistisch, die Top-Favoriten sind diesmal andere.



Erfolgscoach
Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster zählt aktuell Japaner und Polen zu den Favoriten der Tournee.   Foto: Daniel Karmann

Karl Geiger und Stephan Leyhe als Geheimfavoriten für die Vierschanzentournee, Andreas Wellinger als Vorjahreszweiter und Richard Freitag als völlig unbekannte Größe.

Mit einem breit aufgestellten Team und mehreren Trümpfen wollen die deutschen Skispringer ihre Durststrecke bei der Vierschanzentournee beenden und für den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2001/2002 sorgen. «Vielleicht können wir in der kommenden Tournee selbst einen Überflieger stellen. Der Erfolgshunger ist groß, aber wir haben gelernt, nichts zu erzwingen», sagte Trainer Werner Schuster vor dem Beginn des Traditionsevents am Sonntag in Oberstdorf.

Ganze 17 Jahre warten die Deutschen nun seit Hannawald auf einen Gesamtsieg, der letzte Erfolg bei einem der vier Einzelspringen ist auch schon über 1000 Tage her. «Wir haben die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Abschneiden unserer Sportler bei der Tournee über die letzten Jahre kontinuierlich verbessern können», sagte Schuster. In seinem Team sehe er trotz stark veränderter Konstellation «eine Riesensubstanz», stellte der Trainer in der Oberstdorfer Idylle am Freitag gut gelaunt fest. Auch seine Schützlinge Freitag und Geiger lachten und scherzten einen Tag vor der Bewährungsprobe bei der ersten Quali am Schattenberg im Allgäu.

Ein Team ohne klaren Kapitän und ohne eine Nummer eins, das gab es im deutschen Lager länger nicht mehr. Viel mehr ist die mannschaftliche Geschlossenheit immer mehr gewachsen. «An so eine Situation kann ich mich nicht erinnern. Ich habe mich unheimlich gefreut, dass fünf Starter wirklich anbieten, diese Führungsrolle zu übernehmen. Karl und Stephan sind derzeit die stabilen Leistungsträger, das ist so», sagte Hannawald vor dem Tournee-Auftakt der Deutschen Presse-Agentur. Die absoluten Favoriten sind dieses Jahr aber nicht die Deutschen, sondern Japans Überflieger Ryoyu Kobayashi sowie die beiden Polen Kamil Stoch und Piotr Zyla.

Unmittelbar vor dem Vier-Schanzen-Spektakel in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen bahnt sich im deutschen Team eine Wachablösung an. «Andreas Wellinger, Richard Freitag und Severin Freund, die in der Vergangenheit die Speerspitze des Teams bildeten, konnten sich im bisherigen Saisonverlauf noch nicht in gewohnter Art und Weise in Szene setzen», analysierte Schuster. Dafür sind plötzlich Geiger und Leyhe da und springen ganz vorne mit um Siege und Podestplätze. Das soll auch bei der Tournee gelingen.

«Selten hat mir das Skispringen so viel Spaß gemacht, wie in den letzten Monaten», erklärte ein euphorisiert wirkender Stephan Leyhe, der zum Auftakt im polnischen Wisla im November gleich auf Rang zwei gesprungen war. Teamkollege Geiger gewann in Engelberg sogar und absolvierte danach einen Großteil der Medienarbeit, den bisher eher die Olympiasieger Wellinger und Freund leisteten.

«Ich bin ziemlich entspannt. Die Aufmerksamkeit ist ein bisschen auf mich gewandert, das habe ich so auch noch nicht gekannt», sagte Lokalmatador Geiger, der seine Reisezeit zur Pressekonferenz auf «11:27 Minuten» bezifferte, am Freitag. «Ich mache das und ich mache das auch gerne», sagte er mit Bezug auf die vielen Interviews, die plötzlich er geben muss. Langjährige Konstanten, plötzliche Topspringer und potenzielle Spitzenathleten mit Formschwankungen: Selten war vor einer Tournee so wenig abzusehen, welcher Deutsche am ehesten für einen Erfolg gut sein kann.

Die ungewöhnlich lange Pause zwischen der Generalprobe am dritten Adventswochenende in Engelberg und dem Start in Oberstdorf hat das DSV-Team noch einmal für einen Kursus im norwegischen Lillehammer genutzt. Und die größten Sorgenkinder heißen in diesem Jahr tatsächlich Freitag und Freund: Der 27 Jahre alte Sachse Freitag hatte nach einem Sturz wieder Hüftprobleme, der langjährige Team-Kapitän Freund ist nach seinem Comeback nach zwei Kreuzbandrissen noch nicht wieder richtig in Schuss gekommen.

Zwar habe er in Lillehammer an seiner Technik feilen und Fortschritte erzielen können, sagte Freund. «Trotzdem kann es sein, dass die Tournee für mich in diesem Jahr einen Ticken zu früh kommt. Sollte das der Fall sein, werde ich mich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Schließlich habe ich mich nicht zwei Jahre zurückgekämpft, um dann beim ersten Widerstand abzubiegen.»

Sein Teamkamerad Freitag war im Vorjahr auf Platz zwei liegend von einem Sturz in Innsbruck ausgebremst worden und musste alle Träume vom Gesamtsieg vorzeitig begraben. «Ich komme jetzt völlig frei daher, von daher lasse ich mich zielgerichtet überraschen», sagte Freitag nach seiner verletzungsbedingten Zwangspause. An eine Tournee-Absage hätte er auch nach den jüngsten Problemen aber nie gedacht.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2018
16:03 Uhr

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