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Ein «Pulverfass»: Grindel befeuert Debatte um «autarken» Löw

Joachim Löw will 2019 zum Jahr der großen Erneuerung machen. Doch die brisante Ausmusterung von Müller und Co. aus der Nationalmannschaft löst weiter Emotionen und Diskussionen aus - bis in die DFB-Spitze. Mehr denn je braucht Löw zum Länderspielstart Erfolgserlebnisse.



Reinhard Grindel
Reinhard Grindel ist der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.   Foto: Federico Gambarini

Eine Warnung von Vorgänger Jürgen Klinsmann und kritische Worte von DFB-Boss Reinhard Grindel: Joachim Löw braucht zum Jahresstart der Nationalmannschaft dringend Siege.

Wenn der Bundestrainer am 18. März m Ritz Carlton Hotel in Wolfsburg den nächsten Neuanfang nach dem WM-Desaster einläutet, steht er nach seinen umstrittenen Personalentscheidungen unter einem bislang nicht gekannten Ergebnisdruck. Ausgerechnet Verbandspräsident Grindel befeuerte mit Aussagen im fernen Florida die Stil-Debatte um den Fußball-Bundestrainer, die nach der heiß diskutierten Ausmusterung von Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller entbrannt ist.

Zwar ruderte der DFB-Chef am Sonntag zurück und fühlte sich mit seinen eindeutigen Anmerkungen zu Löws Kommunikationspolitik falsch verstanden. Klar ist aber unabhängig von diesem präsidialen Schlingerkurs: Die auch nach dem WM-Debakel und dem Abstieg in der Nations League demonstrierte Nibelungentreue zu Löw und Direktor Oliver Bierhoff ist vor dem Länderspielauftakt am 20. März im Test gegen Serbien und dem Hammerstart in die EM-Qualifikation in Holland am Sonntag darauf brüchig geworden.

Auch bei zwei Niederlagen zum Jahresstart wolle man sicher nicht sofort wieder eine Personaldebatte um den Bundestrainer starten, hieß es aus höchsten DFB-Kreisen. Erst zum Ende der EM-Ausscheidungsrunde werde im Herbst Bilanz gezogen, ob die hohen Ansprüche beim Turnier 2020 auch zu erfüllen sind. Ein Fehlstart gegen die gefährlichen Serben und ein erneutes Ergebnis-Desaster wie beim 0:3 im Herbst in Amsterdam würde den öffentlichen Druck jedoch wieder enorm erhöhen.

Klinsmann, der als Tribünen-Nachbar von Löw in Berlin das 3:2 des BVB bei Hertha BSC sah, brachte die im 13. Bundestrainer-Jahr schwierige Lage für seinen einstigen engen Vertrauten auf den Punkt: «Das erhöht natürlich den Druck und die Diskussionen. Du musst Erfolg haben, egal was du tust. Jetzt noch viel mehr», mahnte der Ex-Bundestrainer bei der Vorstellung als neuer RTL-Experte. Mit seiner brisanten Personalentscheidung um das prominente Bayern-Trio hat Löw sich in schwierigen Zeiten angreifbar gemacht.

«Nicht nur als Nationalmannschaft bist du am Boden. Sondern der gesamte deutsche Fußball ist auf niedrigem Niveau. Das ist ein Pulverfass», sagte Klinsmann. «Fußball-Deutschland will wieder zur Crème de la Crème gehören. Da hast du immer eine Trainerdiskussion. Das weiß auch Jogi», fügte der neue TV-Kritiker an.

Löw weiß auch, dass seine jahrelang zur Schau gestellte Priorisierung «Erkenntnisse statt Ergebnisse» jetzt nicht mehr vermittelbar ist. «Jetzt brauchen wir zwar eine gute Spielweise mit viel Enthusiasmus. Aber wir brauchen vor allem auch wieder gute Ergebnisse», sagte er in einem Interview der «Welt am Sonntag» und fügte als Erklärung für seinen radikalen Kader-Umbruch an: «Und dazu brauchen wir den Mut zu Veränderungen.»

Als Neulinge werden Niklas Stark (Hertha BSC), Maximilian Eggestein (Werder Bremen) und Lukas Klostermann (RB Leipzig) in Wolfsburg erwartet. In Kapitän Manuel Neuer und Real-Star Toni Kroos sind nur noch zwei Stammkräfte vom WM-Sieg 2014 dabei.

Schon am 15. März hatte Löw bei einer offenbar auf Druck von oben außerplanmäßig einberufenen Pressekonferenz zur Kadernominierung ein anderes Dogma deutlich gemacht. «Für mich war es so gut, und deswegen habe ich es so gemacht», beschrieb er seine Denkweise bei der Ausmusterung von Müller, Hummels und Boateng. Und: Er handele im DFB-Orbit grundsätzlich absolut «autark».

Diese in den jahrelangen Erfolgszeiten widerspruchslos hingenommene Haltung funktioniert nun nicht mehr. Genau dies demonstrierten die klaren Grindel-Worte am Rande der FIFA-Sitzung in Miami - nur wenige Stunden nach Löws Presseauftritt. «Klug» wäre es gewesen, schon am Dienstag, am Tag der Entscheidung, eine Pressekonferenz abzuhalten, stellte der Verbandsboss fest. «Wenn man das gleich gemacht hätte, wären, glaube ich, sehr viele Fragen beantwortet und damit sehr viele Missverständnisse vermieden worden», sagte Grindel dem ZDF.

Den Donnerhall, den er damit auslöste, wollte Grindel dann nach der Rückkehr aus den USA ungeschehen machen und räumte auch eigene Versäumnisse ein. «Schließlich hätte ich selbst auch auf die Idee kommen können, eine solche Pressekonferenz anzuregen, als ich informiert wurde», sagte Grindel der Deutschen Presse-Agentur. Seine Worte als Kritik an Löw zu verstehen, sei eine Fehlinterpretation.

Unabhängig von dieser Relativierung wird das Thema den Jahresauftakt der Nationalmannschaft überlagern. Bierhoff wird sich im Kreise der DFB-Delegation in Wolfsburg erklären müssen, warum Grindel erst wenige Stunden vor der Demission des Bayern-Trios informiert wurde, die brisante Nachricht andere hohe DFB-Würdenträger wie Ligapräsident Reinhard Rauball sogar noch viel später erreichte.

Qua Amt als zuständiger Direktor für den Leistungsfußball ist Bierhoff das Bindeglied zwischen Grindel und Löw. Schon nach dem WM-Aus war kritisch hinterfragt worden, ob das Nationalteam ein zu großes Eigenleben im Verband führe. «Ich bin am Vormittag angerufen und umfassend informiert worden. Es wäre möglicherweise richtig gewesen, und darüber sprechen wir auch noch einmal im Rahmen der Delegation, umfassend alle Mitglieder der Delegation zu informieren», berichtete Grindel von jenem offenbar teilweise konfus abgelaufenen Tag der Ausmusterung in München.

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 03. 2019
13:25 Uhr

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17. 03. 2019
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