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Eisenbichler genießt die Ruhe - «Noch besser skispringen»

Vollkommen unerwartet greift Markus Eisenbichler bei der Tournee nach seinem größten Triumph. Zur Halbzeit ist er auf Augenhöhe mit Überflieger Kobayashi - und nimmt sich erstmal einen Tag Auszeit.



Schuster und Eisenbichler
Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster (l) und der Zweitplatzierte, Markus Eisenbichler.   Foto: Daniel Karmann

Den einzigen Ruhetag der Vierschanzentournee genoss der neue deutsche Hoffnungsträger Markus Eisenbichler ganz entspannt.

Vor der Fortsetzung des intensiven Schanzenduells mit Japans Überflieger Ryoyu Kobayashi verzichtete der Bayer am Mittwoch mal auf Sprünge, Interviews und den großen Medienrummel, die er in den vergangenen Tagen zu meistern hatte. Sein Ziel: «Etwas Abstand von dem ganzen Trubel.» Den kann Eisenbichler gut gebrauchen, denn nach zwei zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen geht es für ihn um nicht weniger als den ersten deutschen Tournee-Gesamtsieg seit 17 Jahren.

«Ich bin extrem glücklich und hätte gar nicht gedacht, dass es so geil funktioniert», sagte der 27 Jahre alte Siegsdorfer, der sich auf der Großen Olympiaschanze erneut nur äußerst knapp Gelb-Träger Kobayashi geschlagen geben musste und nun in der Gesamtwertung 2,3 Punkte hinter diesem liegt. Nach zwei von vier Stationen läuft bei dem Traditionsevent also schon ab der Qualifikation in Innsbruck am Donnerstag (14.00 Uhr/ARD und Eurosport) alles auf ein Duell zwischen dem Japaner und dem derzeit besten DSV-Adler hinaus.

«Markus zeigt jetzt sein Niveau, er ist aber der Herausforderer. Es führt der dominierende Mann», befand Bundestrainer Werner Schuster nach dem Neujahrsspringen, bei dem außer Eisenbichler kein Deutscher in Podest-Nähe kam. «Er gibt die Pace vor. Er wird mit jedem Sprung selbstsicherer. Es ist sehr erfreulich, dass Markus sehr nah dran ist», fügte der Österreicher, der schon häufiger vom großen Potenzial seines Schützlings geschwärmt hatte, an.

Wenn man sich Eisenbichlers Resultate in diesem Winter ansieht, kann man angesichts der fehlenden Konstanz eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Er landete auf den Rängen 15, 15, 25, 32, 10 und 48, bevor er die Tournee-Generalprobe in Engelberg als Sechster meisterte und plötzlich Auftrieb bekam. «Er hat genau zum richtigen Zeitpunkt den Schlüssel gefunden, auch zwei sehr gute Sprünge zu machen. Er macht es absolut grandios», lobte der langjährige Topathlet Severin Freund, für den nach zwei schwachen Wettkämpfen die Tournee vorbei ist.

Das Spannungsfeld im leistungsstarken deutschen Team war vor dem Tournee-Auftakt riesig. Karl Geiger und Stephan Leyhe galten als Mitfavoriten, Andreas Wellinger hatten als Vorjahreszweiter viele auf der Rechnung und Richard Freitag war immer für eine Überraschung gut. Wie so oft im Skispringen kam nun doch wieder alles anders: Geiger, Leyhe, Wellinger und Freitag tummelten sich an Neujahr zwar alle im Auslauf - allerdings nur, um auf Eisenbichler zu warten und ihm sofort für seinen zweiten Podestplatz nacheinander zu gratulieren.

«Eine kleine Sekunde war Enttäuschung da», erklärte Eisenbichler, der sich dem 22 Jahre alten Japaner Kobayashi nach dem Herzschlagfinale im Allgäu diesmal um gut einen Meter geschlagen geben musste. Gelöst herzte er im Auslauf seinen Bruder und seine Mutter, dann spulte er mit strahlender Miene den Interview-Marathon ab, auf den er am Ruhetag so gerne mal verzichtet.

«Ich freue mich, dass ich da vorne mitspringen darf. Ich werde warten, bis er vielleicht mal einen Fehler macht. Oder, was einfacher ist: Dass ich noch besser skispringe», kündigte Eisenbichler mit Blick auf Kobayashi an. Der immer wieder wortkarge Japaner bestätigte seine Erfolgsserie aus dem Weltcup und fuhr die Saisonsiege fünf und sechs ein. «Ich war sehr aufgeregt, weil er so gut war. Das hat mich schon beeindruckt», sagte Kobayashi über Eisenbichler.

Es ist ein sportlich hochwertiges Duell um einen der größten Titel des Skispringens. Und es kämpfen zwei Athleten darum, die in der Vorsaison in der absoluten Weltspitze noch keine Rolle spielten. «Die zwei werden die Pace vorgeben, aber da kommen schon noch andere zu. Markus kann echt gut springen in Innsbruck, Kobayashi ist in einer absoluten Überform. Wir müssen den Druck aufrecht erhalten», forderte Trainer Schuster. Für ihn stand die Chance auf den ersten Tournee-Gesamtsieg in elf Weltcup-Jahren vielleicht nie so gut wie jetzt.

Was nimmt sich Eisenbichler vor für den zweiten Tournee-Teil in Innsbruck und Bischofshofen? «Natürlich ist viel drin. Aber ich schaue nicht auf die Gesamtwertung, ich konzentriere mich auf Innsbruck. Ich will entspannt und locker bleiben. Am Ende rechnet das eh der Computer aus», kündigte der Bayer mit seinem markanten Dialekt an. Vom großen Tournee-Triumph und der Nachfolge von Sven Hannawald spricht er nicht. Er sagt: «Mir ist egal, wo es passiert, aber ich möchte mal einen Weltcup gewinnen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 01. 2019
10:38 Uhr

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