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FC Schalke 04 plant Gehaltsobergrenze für Profis

Die Diskussion über Gehaltsobergrenzen für Fußball-Profis hat sich in der Corona-Krise verstärkt. Nun denkt der FC Schalke über diesen Schritt nach. Die finanziellen Verbindlichkeiten lassen kaum eine andere Wahl.



FC Schalke 04
Der FC Schalke 04 denkt über eine Gehaltsobergrenze nach.   Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Sportlich auf Talfahrt, finanziell unter Druck - in Zeiten der Not geht der FC Schalke offenbar neue Wege. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» führt der Tabellen-Zwölfte als erster Bundesliga-Club eine Gehaltsobergrenze für Profis ein.

Demnach soll kein neuer Spielervertrag 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt überschreiten. Viele Beobachter werten den mutigen Schritt als Demutsgeste, andere als ökonomische Notwendigkeit und manche als Kapitulation im Kampf um sportliche Konkurrenzfähigkeit. Der Verein wollte sich am bisher nicht dazu äußern und verwies auf ein Mediengespräch am Mittwoch.

Die Pläne der Schalker dürften die in der Corona-Krise aufgelebte Diskussion über eine Gehaltsobergrenze verstärken. Angesichts der hohen Einnahmeverluste der Vereine waren Forderungen nach massiven Veränderungen im finanziell überbordenden System Profi-Fußball laut geworden.

Vorstöße von Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann («Darüber müssen wir jetzt dringend nachdenken») oder von DFL-Chef Christian Seifert und DFB-Präsident Fritz Keller stießen vielerorts jedoch auf Skepsis. So bezeichnete Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß diese Diskussion am Sonntag als «scheinheilig» und bezweifelte, dass eine solche Maßnahme für mehr Ausgeglichenheit im Fußball sorgen könnte. Karl-Heinz Rummenigge, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern, begründete seine Zweifel mit einem Verweis auf das Wettbewerbsrecht der EU.

«Als Spielergewerkschaft haben wir uns schon vor der Covid-19-

Pandemie dafür stark gemacht, den Profifußball krisenfester aufzustellen», kommentierte Ulf Baranowsky. Allerdings verwies der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV auf juristische Zwänge: «Die Clubs sind selbst für ihre Ausgaben verantwortlich. Das gilt auch für die Höhe der Spielergehälter. Eine für die Clubs verbindliche Salary-Cap-Lösung ließe sich in Deutschland gegenwärtig nur auf tarifvertraglicher Grundlage umsetzen.»

Doch ein solch eher ideologischer oder juristischer Diskurs dürfte den FC Schalke nur bedingt inspiriert haben, als erster Club den Schritt zu wagen. Schließlich hatte der Verein schon vor der Corona-Krise für das Geschäftsjahr 2019 Verbindlichkeiten in Höhe von 197 Millionen Euro vermeldet. Seither wird intensiver denn je über Einsparmöglichkeiten nachgedacht. Der gescheiterte Versuch, sich für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, erhöhte den Handlungsdruck. Schon länger standen die Ausgaben für Gehälter in keinem effektiven Verhältnis mehr zu den sportlichen Ergebnissen.

Zudem ist der Club nach zuletzt 16 Spielen ohne Sieg, der anhaltenden Diskussion um die Zukunft von David Wagner und dem Trubel rund um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies intensiv um eine Imageverbesserung bemüht. Noch am vergangenen Samstag hatten rund 1000 Fans am Vereinsgelände Berger Feld ihren Unmut bekundet, während das Team beim 0:4 in Freiburg die sportliche Talfahrt fortsetzte. In dieser Gemengelage kommt ein Zeichen, dass es der Verein ernst meint mit dem Wunsch nach mehr Bodenständigkeit und Balance, gerade recht.

Die erste Reaktion der Demo-Organisatoren auf die Medienberichte über einen Gehaltsverzicht fiel jedoch verhalten aus und deutet darauf hin, dass es damit nicht getan ist. «Die Entscheidung ändert nichts an dem Protest, es geht um das System Tönnies», sagte Stefan Barta der Deutschen Presse-Agentur.

Die Diskussion über Tönnies dürfte dem Verein erhalten bleiben. Er steht als Firmenchef und als Chef des Bundesligisten weiter massiv unter Druck. Im Stammwerk des Tönnies-Fleischkonzerns im Kreis Gütersloh hatten sich weit über 1000 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Deshalb gab es heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Unternehmen. Viele Schalke-Fans fordern einen Rücktritt von Tönnies bei den Königsblauen.

Auch die Kaderplanung dürfte sich als schwierig erweisen. Denn eine Gehaltsobergrenze schreckt nicht nur potenzielle neue Spieler ab, sondern könnte auch den Verbleib arrivierter Kräfte wie Nationalspieler Suat Serdar gefährden. Keine Änderungen soll es auf der Trainerposition geben. Ungeachtet der kniffligen Bedingungen und der anhaltenden Spekulation über seine Zukunft gab sich Wagner am Wochenende kämpferisch: «Ich bin Schalker - Schalker kämpfen, Schalker wissen, dass es harte Zeiten gibt.»

© dpa-infocom, dpa:200629-99-605306/3

Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
15:56 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 06. 2020
15:56 Uhr



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