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«Kein Anführer»: Debatte um Schröder-Rolle bei WM

Bei den entscheidenden WM-Auftritten der deutschen Basketballer um einen Platz für die Olympia-Qualifikation steht Dennis Schröder im Fokus. Kann der NBA-Profi dem selbsterklärten Führungsanspruch gerecht werden? Aus Deutschland kommt deutliche Kritik.



Dennis Schröder
Steht nach der schwachen WM-Leistung in der Kritik: Dennis Schröder.   Foto: Swen Pförtner » zu den Bildern

Laut lachend rannte Dennis Schröder nach dem gewonnenen Eins-gegen-Eins-Duell mit seinen Teamkollegen zum Ende des ersten Trainings in Shanghai Richtung Kabine.

Bevor die deutschen Basketballer ihren Olympia-Traum mit guter Laune auf den bitteren WM-Umweg durch die Platzierungsrunde retten wollen, kam aus Deutschland die deutlichste Schelte für das Vorrunden-Scheitern in China - und am Status des selbsterklärten «Leaders». «Ich bin der Meinung, dass er kein Anführer ist. Er ist der beste Spieler, aber kein Anführer», sagte Ex-Nationalspieler Marko Pesic im TV-Studio von Magentasport über Schröder. «Um Anführer zu sein, ist die wichtigste Voraussetzung: Leute müssen dir folgen.»

Vor den entscheidenden Auftritten gegen Senegal am Samstag und Kanada am Montag (jeweils 14.00 Uhr/Magentasport) im Kampf um einen Platz bei einem Quali-Turnier für Olympia 2020 befeuert der Geschäftsführer des FC Bayern damit eine Debatte. Diese begleitet das Nationalteam schon seit mehreren Jahren und ist durch das Debakel gegen die Dominikanische Republik neu aufgekocht: Hemmt die dominante Rolle des derzeit stärksten deutschen Basketballers die restliche Mannschaft? Man müsse analysieren, warum die anderen Spieler ihre Leistung nicht gebracht haben, betonte Pesic.

«Ich spiele mein Spiel. Entweder ich spiele mein Spiel oder ich spiele gar nicht. Ich versuche, meine Spieler in Szene zu setzen», sagte Schröder noch vor den Pesic-Aussagen über die öffentliche Missbilligung seiner Auftritte. «Kritik wird es immer geben. Ich bin dafür gebaut, kein Problem für mich.»

«Es ist immer leicht etwas zu sagen, wenn es nicht gut läuft. Dennis hat sich hier unglaublich gut verhalten, hat versucht die Mannschaft zu führen», sagte Bundestrainer Henrik Rödl am späten Freitagabend im Shanghai Oriental Sports Center zu den Aussagen von Pesic.

Beim zunächst befreienden 96:62 gegen Außenseiter Jordanien fand Schröder erstmals bei dieser WM die richtige Mischung aus eigener Initiative und dem Einsatz seiner Mitspieler. Dabei hielt sich der 25 Jahre alte Aufbauspieler sogar so weit zurück, dass er mit nur zehn Punkten eine so niedrige Ausbeute wie seit mehr als fünf Jahren im Nationaltrikot nicht mehr erreichte.

Bei der Niederlage gegen Frankreich und der Pleite im Duell mit dem Karibikstaat hatte Schröder dagegen keinen offensiven Alternativplan erkennen lassen, mit niedriger Trefferquote geworfen, defensive Lücken erlaubt - war aber auch häufig alleingelassen worden.

«Ich glaube, wir haben uns alle zu sehr auf Dennis verlassen, ihm zu viel auf die Schultern gepackt», kritisierte Bayern-Kapitän Danilo Barthel sich und die weiteren Spieler mit Führungsanspruch. «Es ist ein schleichender Prozess. Es ist schwer, wenn Dennis beim Supercup einfach scoren kann, seine Würfe gut trifft, im Rhythmus ist, dann gibst du ihm wieder den Ball. Wenn er dann im Turnier die ersten zwei, drei Würfe nicht trifft, kommt vielleicht der Kopf hinzu.»

Auf dem Weg zur WM hatte Schröder mehrfach Partien fast im Alleingang entschieden. Diesen Sommer war er erst beim Supercup in Hamburg zweieinhalb Wochen vor WM-Start zum deutschen Team gestoßen. Nach Verbandsangaben hatte der Profi des NBA-Clubs Oklahoma City Thunder in den USA noch «wichtige persönliche Dinge» zu erledigen gehabt.

«Das ist unglaublich schwierig, dann das Spiel so einzustellen mit Dennis», sagte Pesic. «Aber dann muss man Schröder auch helfen. Man muss ihm auch erklären: "Pass auf, du bist Teil der Mannschaft. Mach das, was du machen kannst, aber es gibt uns auch."»

Der heutige Bundesliga-Manager verglich die Situation mit dem früheren Superstar Dirk Nowitzki, der auch «nicht DER Anführer» gewesen sei. «Er war der beste Mann auf dem Feld, war immer der erste beim Training. Er war bei jedem Abendessen, bei jedem Mittagessen da, er hat immer die Mannschaft unterstützt, er war auf einem Doppelzimmer», zählte der 42-Jährige, der mit Nowitzki zusammen WM-Bronze 2002 gewonnen hatte, auf. «Aber er hat verstanden, dass die anderen verschiedene Rollen spielen.»

Er sei «richtig sauer», dass die Mannschaft bei der WM «eine Riesen-Chance» verpasst habe, schimpfte Pesic. Bis zum kommenden Sommer bietet sich aber auch Schröder die Chance für Rehabilitation. Mit zwei Siegen in den letzten beiden WM-Spielen lebt die Hoffnung auf Olympia sicher bis zum kommenden Sommer weiter. Dann würde es um ein Ticket für Tokio gehen. Es wäre die erste Teilnahme einer deutschen Mannschaft seit 2008 in Peking - seit Dirk Nowitzki.

Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
16:05 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
16:05 Uhr



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