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Kein Platz für Ferrari-Fehler beim Highspeed-Gänsehautrennen

Zum 90. Geburtstag ein Ferrari-Sieg. Das wär's. Aber wer macht es: Vettel oder Leclerc? Oder verdirbt Monza-Spezialist Hamilton den Tifosi die rote Party? Es wird aber nicht nur laut und feierlich. Der Unfalltod von Anthoine Hubert ist noch lange nicht verarbeitet.



Sebastian Vettel
Würde seine sieglose Zeit in Monza gern beenden: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Foto: Nicolas Lambert/BELGA   Foto: dpa

Nach dem Trauer-Wochenende von Spa wartet auf die Formel 1 und Belgien-Triumphator Charles Leclerc ein emotionales Rennen ganz anderer Art: Der 90. Große Preis von Italien im 90. Jahr von Ferrari.

Mehr geht kaum, nur ein Sieg von Sebastian Vettel oder Leclerc kann das noch toppen. «Es gibt keinen Raum für Fehler. Unser Heimrennen ist immer wichtig, aber diesmal ganz besonders», betonte Teamchef Mattia Binotto mit Blick auf den Ferrari-Geburtstag.

Seit 2010 warten die Tifosi, die den Königlichen Park von Monza für gewöhnlich in einen einzigen Roten Teppich für ihre Superstars verwandeln, nun schon auf einen Sieg der berühmten Scuderia. Für das Gänsehautrennen hat das Team noch mal eine neue Ausbaustufe des ohnehin schon kräftigsten Motors im Feld angekündigt. Um sich weiter einzustimmen, sollte am Mittwoch vor dem Mailänder Dom zudem eine große Ferrari-Party steigen. Mit Leclerc, mit Vettel.

2008 gewann Vettel dort sein erstes Formel-1-Rennen, am Steuer eines Toro Rosso mit Ferrari-Motor. Kein Ort könnte besser sein, um die über ein Jahr währende sieglose Zeit des viermaligen Champions an diesem Sonntag (Start 15.10 Uhr/Sky und RTL) zu beenden. «Es sollte gut werden. Der Speed stimmt für solche Arten von Strecken», betont Vettel. Speed ist, was zählt auf dem knapp sechs Kilometer langen Kurs: Höchstgeschwindigkeiten bis zu 360 Stundenkilometer, 70 Prozent Vollgas.

Auch deswegen war Monza in den vergangenen Jahren fest in Hand der Silberpfeile, angeführt von mittlerweile fünfmaligen Italien-Gewinner Lewis Hamilton, dominierte Mercedes dank Antriebsüberlegenheit. Der letzte Sieg eines Nicht-Mercedes-Piloten datiert aus dem Jahr 2013 - es war Vettel im Red Bull. Pfiffe auf dem Podest inklusive, aber die muss praktisch jeder ertragen, der das Rennen gewinnt und nicht in einem Ferrari sitzt.

Kostproben von der Euphorie bekam Vettel zumindest als Zweiter 2015 und Dritter 2016 und 2017. «Wir sind in den vergangenen Jahren näher gekommen, der letzte Schritt fehlt aber noch», betont Vettel. Er wäre nur allzugern derjenige, der Ferrari den 19. Heimsieg beschert.

Vettel würde damit auch die eigene Position im Team wieder stärken, nachdem er beim Leclerc-Erfolg in Belgien zum Helfer degradiert wurde. Er würde den Angriff des zwölf Jahre jüngeren Teamkollegen in der Gesamtwertung abwehren. Zwölf Punkte beträgt nur noch der Vorsprung des viertplatzierten Vettel auf den Fünften Leclerc. Im Kampf um den so ersehnten fünften WM-Triumph muss Vettel dagegen auf eine anhalten Schwächephase von Hamilton hoffen - 99 Punkte beträgt der Vorsprung des 34 Jahre alten Briten.

Beendet Leclerc aber die Siegesserie von Mercedes im Land des größte Konkurrenten, dürfte die Wachablösung bei Ferrari endgültig vollzogen und sich der smarte Monegasse mit den großen Zukunftsaussichten in den Herzen der Fans zementiert haben. «Wir werden unser Bestes geben, um die Tifosi stolz zu machen», kündigte Leclerc an.

Aufgrund des in diesem Jahr stärkeren Motors gelten die beiden Ferrari-Rennwagen als favorisiert auf dem schnellsten Kurs im Rennkalender. Mercedes-Teamchef Toto Wolff selbst prophezeite seinen Silberpfeil-Piloten kein einfaches Wochenende. «Monza ist 'die' Power-Strecke in der Formel 1, auf der viel Leistung und wenig Luftwiderstand belohnt werden.»

Dennoch herrscht auch bei Wolff Vorfreude auf das Italien-Rennen. «Man muss kein Ferrari-Fan sein, um die riesige Leidenschaft der Tifosi zu schätzen zu wissen. Sie mögen ein anderes Team anfeuern, aber letztlich treibt sie die gleiche Liebe für den Rennsport an wie uns alle», sagte Wolff, der unter anderem auch fließend italienisch spricht.

Bei allem Enthusiasmus, bei aller Euphorie: Momente des Schwermuts und der Trauer dürften auch kommen. Spätestens, wenn die Formel 2 mit Mick Schumacher im Rahmenprogramm auf die Strecke geht. Ohne Anthoine Hubert, der am vergangenen Samstag nach einem schrecklichen Unfall in Spa gestorben war.

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 09. 2019
10:53 Uhr

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