Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Sport

Löw gerät unter Zeitdruck - Gnabry trifft immer

Beim Bundestrainer kommt gegen Argentinien ein Confed-Cup-Gefühl zurück. Die junge Not-Elf um Nobody Koch, Talent Havertz und einen Erfolgsgaranten macht erst Spaß - und knickt dann ein. Juniorchef Kimmich erkennt ein Muster, das Richtung EM 2020 Zweifel schürt.



DFB-Elf
Gang in die Kurve: Die DFB-Elf bedankt sich bei den Fans in Dortmund.   Foto: Marius Becker/dpa

Am Ende einer aufregenden Achterbahnfahrt zwischen Fußball-Lust und Ergebnis-Frust posierte Joachim Löw noch geduldig für Fotos.

Die Geduld des Bundestrainers beim Entwicklungsprozess der radikal erneuerten Fußball-Nationalelf wird dagegen gerade arg strapaziert, auch wenn der 59-Jährige aus dem schwungvollen 2:2 (2:0) seiner Not-Elf gegen Argentinien «persönlich viele positive Erkenntnisse» zog. «Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen, mit welchem Mut, mit welchem Herz sie gespielt hat», lobte Löw. Gleichzeitig spürt er, dass ihm Richtung EM 2020 die Zeit davonläuft.

«Ja, aber» - diese Bewertung konnte auf fast alle Geschehnisse im Kräftemessen mit dem zweimaligen Weltmeister angewendet werden, der ohne den gesperrten Lionel Messi erst spät aufdrehte. Eindeutig fiel allein Löws Antwort auf die Frage des Teenagers Jonas aus, der vor dem Foto mit dem Bundestrainer zum Schluss der Pressekonferenz die letzte Frage stellen durfte. «Nein», entgegnete Löw in väterlichem Tonfall, ob er denn nun an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Tallinn gegen Estland noch einmal dieselbe Elf aufbieten werde.

«Estland ist ein ganz anderer Gegner als Argentinien», erläuterte Löw: «Estland spielt, weißt du, mehr zurückgezogen. Sie verteidigen in erster Linie ihr Tor. Da brauchen wir einen offensiven Spieler mehr auf dem Platz. Da wird es Wechsel geben.» Der neue Offensive wird, auch das verriet Löw schon, der wegen leichter Beschwerden am Knie in seinem Heimstadion geschonte BVB-Profi Marco Reus sein.

Auf den leicht am Muskel verletzten Ilkay Gündogan hofft Löw ebenfalls noch: «Wenn der Ilkay fit ist, spielt er natürlich.» Das Ziel für die Pflichtübung in Estland formulierte Aushilfs-Kapitän Joshua Kimmich: «Da gibt es natürlich nur eins: Das Spiel müssen wir gewinnen.»

Bei allem Zukunftspotenzial, das sich um die vier eingesetzten Neulinge Robin Koch, Luca Waldschmidt (beide Freiburg), Nadiem Amiri (Leverkusen) und Suat Serdar (Schalke) erweiterte, benötigt Löw Erfahrung im Team und schnelle Entwicklungsschübe. Wie beim neuen Erfolgsgaranten Serge Gnabry oder Juniorchef Kimmich, dem starken Torvorbereiter Lukas Klostermann oder dem gerade mal 20 Jahre alten Premieren-Torschützen Kai Havertz, dessen Spielmacher-Talent im nur mit 45 000 Zuschauern gefüllten Signal-Iduna-Park erkennbar war.

Die aus der Not zusammengewürfelte DFB-Elf verblüffte nur eine Stunde lang, ehe sie «ins Schwimmen» geriet, wie der Bundestrainer einräumte. In der ersten Halbzeit sah er nach Ballgewinnen Tempofußball «mit sehr guten Kombinationen, vielen Abschlüssen und schönen Toren» von Gnabry und Havertz. «In der Summe, wenn man die ganzen Umstände betrachtet, war es nicht schlecht», urteilte Kimmich. Der Münchner erkannte aber auch ein latentes Problem dieser Mannschaft im Umbruch: «Wir kriegen hinten raus die Tore. Das ist uns leider jetzt schon öfter passiert.»

Löws Generation Zukunft gehen noch Reife, Dominanz, Abgeklärtheit und Konstanz über 90 Minuten ab. Gegen Argentinien setzte sich fort, was nach der radikalen Verjüngung vor zwölf Monaten in Paris beim 1:2 gegen Frankreich nach einer 1:0-Pausenführung gegen alle namhaften Gegner passierte. Gegen die Niederlande wurde beim 2:2 im November 2018 ein 2:0 zur Pause verspielt. Beim 2:4 im September war es gegen Oranje eine 1:0-Pausenführung. Und selbst beim 3:2 im Hinspiel gegen die Holländer stand es nach einem 2:0 zwischenzeitlich 2:2.

Löw spürt, dass die Zeit nicht reichen könnte, um schon im kommenden Sommer wieder zum erweiterten EM-Favoritenkreis zu zählen. Starten Havertz und Co. im Eiltempo durch? Oder schlägt deren Stunde erst bei der WM 2022 oder sogar erst bei der Heim-EM 2024? «Im Endeffekt zählen die Spiele, die Taten auf dem Platz. Da bringt es nichts, wenn man jetzt hochgejubelt wird», sagte der Leverkusener Havertz.

Löws Masterplan für die inklusive Estland nur noch sieben Spiele bis zum EM-Erstfall hieß Einspielen einer ersten Elf. Eine Flut von Ausfällen und langwierigen Verletzungen wie die von Leroy Sané vereitelt das. «Ganz optimal ist es in den letzten Monaten nicht gelaufen. Es gab einen Bruch nach der Sommerpause», klagte Löw. Freude macht der Elan der Generation Kimmich-Gnabry-Süle, die bei Löw wieder das Gefühl des Confed-Cup-Abenteuers 2017 aufkommen lässt.

Insbesondere Turbostürmer Gnabry entwickelt sich zu einem echten Erfolgsgaranten. Der 24-Jährige, der zuletzt vier Tore für den FC Bayern beim 7:2 gegen Tottenham in der Champions League schoss, treibt seinen Status in die Höhe. Es heißt bei Löw nicht mehr nur: Gnabry spielt immer. Jetzt heißt es: Gnabry trifft immer! Elf Tore in zehn Länderspielen, davon sechs in den letzten sechs Partien.

Löw überbietet sich jedes Mal aufs Neue in seinen Schwärmereien. «Er ist ein wahnsinniges Tempo gegangen, ist überall aufgetaucht und war ständig brandgefährlich. Er hat die ganze Abwehr der Argentinier verunsichert.» Nach dem langfristigen Ausfall von Sané würde Löw den Angreifer am liebsten in Watte packen. Er nahm Gnabry mit Blick auf Estland auch raus, als es für das DFB-Team nach dem 1:2 der Argentinier eng wurde. «Wir brauchen ihn in den nächsten Spielen. Da war mir das Risiko zu groß, dass da was passieren könnte», begründete Löw.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
12:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundestrainer Champions League Deutsche Fußballnationalmannschaft FC Bayern München Fußballnationalmannschaften Ilkay Gündogan Joachim Löw Joshua Kimmich Kai Havertz Lionel Messi Lucas Alario Lukas Klostermann Manchester City Marco Reus Nadiem Amiri Nationalmannschaften Serge Gnabry Signal Iduna Park Suat Serdar Timo Werner Weltmeisterschaften
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundestrainer Joachim Löw

08.11.2019

Löw setzt für EM-Ticket auf sein Umbruch-Personal

Joachim Löw hadert. Vor dem Endspurt um das EM-Ticket weist der Bundestrainer erneut auf fehlende Kontinuität beim Neuaufbau des Nationalteams hin. Gegen Weißrussland und Nordirland kehren immerhin mehrere Spieler zurück... » mehr

Parade

09.10.2019

Löws Notelf verblüfft und bricht ein: 2:2 gegen Argentinien

Die nach etlichen Ausfällen neuformierte DFB-Elf verspielt gegen Argentinien eine 2:0-Führung und kommt nicht über ein 2:2 hinaus. Den überfallartigen Konterfußball kann die Mannschaft von Joachim Löw nur eine Stunde dur... » mehr

Personalsorgen

08.10.2019

Löw sucht Notplan: «Gesamtlage unerfreulich»

Der Personalnotstand gegen Argentinien gipfelt in einem historischen Moment: Erstmals seit dem Finaltriumph von Rio muss der Bundestrainer eine Elf ohne Weltmeister von 2014 formieren. Statt Einspielen für die EM 2020 si... » mehr

Bundestrainer

07.10.2019

Löw ruft Personalnotstand aus: Rudy und Neuling Koch dabei

Zehn Spieler fallen definitiv aus. Dazu ist der Einsatz von Werner und Gündogan fraglich. Für Bundestrainer Joachim Löw eine neue Herausforderung. Als Nothelfer rücken Rudy und Neuling Koch auf. » mehr

Neuling

29.08.2019

Löw nominiert Neuling Waldschmidt für Start der EM-Saison

Joachim Löw «brennt» auf den Saisonstart mit der Nationalmannschaft. Für die richtungsweisenden Partien gegen die Niederlande und Nordirland holt der Bundestrainer einen Neuling aus Freiburg. Die Lücke durch den Ausfall ... » mehr

Löw und Hummels

08.11.2019

Löw öffnet Hintertür für Hummels: «Über Tellerrand schauen»

Vor dem Endspurt um das EM-Ticket weist der Bundestrainer auf fehlende Kontinuität im Nationalteam hin. Gegen Weißrussland und Nordirland kehren immerhin mehrere Spieler zurück. Der Name Hummels spielt für Löw noch keine... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eröffnung des Digitalen Gründungszentrums Hof

Gründerzentrum "Einstein 1" wird eingeweiht | 14.11.2019 Hof
» 30 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
12:46 Uhr



^