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Löw sucht Notplan: «Gesamtlage unerfreulich»

Der Personalnotstand gegen Argentinien gipfelt in einem historischen Moment: Erstmals seit dem Finaltriumph von Rio muss der Bundestrainer eine Elf ohne Weltmeister von 2014 formieren. Statt Einspielen für die EM 2020 sind Experimente mit Länderspiel-Neulingen angesagt.



Personalsorgen
Bundestrainer Joachim Löw beantwortet die Fragen der Journalisten bei einer Pressekonferenz.   Foto: Federico Gambarini/dpa

Bei der Einstimmung auf das Kräftemessen mit dem großen WM-Rivalen Argentinien erfasste Joachim Löw Wehmut.

Im Dortmunder Fußballmuseum, wo die Jubelbilder von Rio 2014 und der Schuh des Finaltorschützen Mario Götze an den letzten deutschen Fußball-Triumph erinnern, musste der Bundestrainer für die Neuauflage eines Länderspiel-Klassikers werben, der angesichts des extremen Personalnotstandes eine riesige Herausforderung darstellt.

«Die Gesamtlage ist sehr angespannt und unerfreulich», klagte Löw, der für das 178. Länderspiel in seiner Amtszeit ohne 13 (!) verletzte oder erkrankte EM-Kandidaten planen muss. «Für die Aufstellung habe ich noch keine endgültige Lösung parat. Viele Varianten gibt es nicht», gestand Löw 32 Stunden vor dem Anpfiff fast verzweifelt.

Im nicht annähernd ausverkauften Signal-Iduna-Park wird am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) eine deutsche Verlegenheitself auflaufen, die von Torwart Marc-André ter Stegen, Abwehrchef Niklas Süle und Juniorchef Joshua Kimmich im Mittelfeld gelenkt und geleitet werden soll. «Das sind Spieler, die jetzt ganz besonders gefragt sind», sagte Löw. Der 24 Jahre alte Münchner Kimmich könnte sogar als Kapitän fungieren.

Mindestens zwei Neulinge werden in der Startformation stehen. Denn Löw gab dem Berliner Innenverteidiger Niklas Stark («Seine Stunde schlägt jetzt») und dem Freiburger Angreifer Luca Waldschmidt eine Einsatzgarantie. Die Liste der Ausfälle zumindest für Argentinien verlängerte sich noch um Timo Werner (grippaler Infekt), Ilkay Gündogan (muskuläre Probleme) und den erkälteten Jonathan Tah.

Zudem dürfte Löw den Dortmunder Marco Reus schonen, den Knieprobleme plagen. Der 30-Jährige wird dringender in der EM-Qualifikation am Sonntag in Tallinn gegen Estland gebraucht. «So viele Absagen hat es in der Vergangenheit selten oder noch nie gegeben», stöhnte Löw.

Die Ansprüche an den ursprünglich großen Test gegen die ohne den gesperrten Topstar Lionel Messi antretenden Argentinier korrigierte der 59-Jährige nach unten. «Einspielen auf dem Platz war schon eine wichtige Idee», sagte der nun als Improvisator geforderte Löw: «Es wird schwierig sein, ganz große Erwartungen an diese Mannschaft zu haben.» Verlangen könne man aber «Einsatz», sagte der Dortmunder Julian Brandt vor seinem Heimspiel: «Es wird nicht alles klappen.»

Bei der Neuauflage des WM-Endspiels von 2014 läuft erstmals eine deutsche Nationalelf ohne Weltmeister von Brasilien auf. Das gab es in den 64 Länderspielen seit dem 1:0 am 13. Juli 2014 nicht einmal!

Manuel Neuer ist nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Toni Kroos (Adduktoren) und Matthias Ginter (Schulter) der einzige noch verbliebene Weltmeister im DFB-Aufgebot, das Löw mit fünf Akteuren ohne Länderspiel bestücken musste. Im Tor wird Marc-André ter Stegen stehen, der die schon lange versprochene Chance erhält. «Ich erwarte von ihm das, was er kann», sagte Löw. Das heißt: Weltklasse zeigen wie beim FC Barcelona. Kapitän Manuel Neuer darf dann in Estland im Kampf um EM-Qualifikationspunkte wieder ran.

«Ich freue mich», sagte der 27-jährige ter Stegen vor seinem 23. Länderspiel trotz der schwierigen Ausgangslage. Er will sich mit einer tadellosen Leistung empfehlen, auch wenn er weiß, dass Neuer Richtung EM 2020 als Nummer 1 vorne liegt. «Manuel hat einen Vorteil. Ich muss das Beste daraus machen.»

In der Not wendet Löw einen typischen Trainerkniff an: Der Test gegen die robusten Argentinier soll zum individuellen Entwicklungsschritt für Zukunftsspieler wie den 20 Jahre alten Leverkusener Kai Havertz dienen, der sich nun beweisen darf. «Es ist auch eine gute Geschichte zum Lernen gegen einen so renommierten Gegner», betonte Löw.

Beim Gegner vollzieht Nationaltrainer Lionel Scaloni nach dem Achtelfinal-Aus gegen den späteren Weltmeister Frankreich bei der WM 2018 einen ähnlichen Umbruch wie Löw beim DFB. Es fehlt nicht nur Weltfußballer Messi. Auch Torjäger Sergio Agüero von Manchester City und Topstürmer Angel Di Maria von Paris Saint-Germain sind in Dortmund nicht dabei. Löw warnte dennoch: «Argentinien ist schon ein starker Gegner, hat sein letztes Spiel gegen Mexiko 4:0 gewonnen.»

Am Ende seiner Pressekonferenz schwärmte der Bundestrainer im Fußballmuseum noch einmal von seinen tollen 2014-Weltmeistern, als er nach Bastian Schweinsteigers möglichem Karriereende gefragt wurde. Da hellte sich Löws Miene kurz auf und er erinnerte an die Nacht von Maracanã: «Jedem von uns ist ein Bild im Kopf.» Löw meinte das des «blutüberströmten» Kämpfers Schweinsteiger: «Er steht immer wieder auf, kämpft bis zum Umfallen. Den Siegeswillen von ihm konnte man jeder Aktion anmerken.» Einen ähnlichen Vorkämpfer würde er sich in der schwierigen Gegenwart gegen Argentinien auf dem Rasen wünschen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
18:46 Uhr

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08. 10. 2019
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