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Löw taucht auf: Nation erwartet Antworten

Der Bundestrainer muss viele brisante Fragen beantworten. 63 Tage nach dem Vorrunden-Aus bei der WM und vielen Wochen im Verborgenen will Joachim Löw einen Neubeginn einleiten. Wie auch die Konsequenzen ausfallen: Der neue Kurs beinhaltet Chancen und Risiken zugleich.



Der Bundestrainer
Joachim Löw wird zur WM-Blamage öffentlich Stellung beziehen. Foto: Christian Charisius   Foto: dpa

Joachim Löw spricht. Endlich. Zwei Monate nach dem historischen WM-Desaster von Russland präsentiert der durch das Vorrunden-Aus ramponierte Bundestrainer den Fans die Konsequenzen und seinen neuen Spielerkader auf dem Weg zur Europameisterschaft 2020.

Der Fragenkatalog ist nach der sportlichen Blamage bei der WM, der Özil-Gündogan-Affäre, dem Entrücken der Nationalmannschaft von der Basis und der Debatte um befremdlich wirkende Gruppenbildung im Spielerkreis extrem lang. Am Mittwoch um 12.00 Uhr tritt Löw in der Münchner Allianz Arena vor die Medien.

Die Fußball-Nation erwartet vom in Russland entzauberten Weltmeister-Coach klare Antworten und ein schlüssiges Konzept, wie der Weg zurück in die Weltspitze gelingen soll. In der Weltrangliste ist Deutschland auf Rang 15 abgestürzt. «Es ist wichtig, dass die Fans hinter unserer Mannschaft stehen. Dazu muss sie ein anderes Bild auf dem Platz abgeben, aber sicher auch das ein oder andere außerhalb des Platzes verändern», sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel und erneuerte die Forderung: «Ein Weiter-so wird es nicht geben.»

Allerdings deutet nichts auf radikale Veränderungen in und rund um die Vorzeigemannschaft des Deutschen Fußball-Bundes hin. Dabei hatte Löw genau dies selbst unmittelbar nach dem erstmaligen Scheitern einer DFB-Elf in einer WM-Vorrunde angekündigt: «Es bedarf tiefgreifender Maßnahmen, es braucht klare Veränderungen.»

Mit seinem ersten Spielerkader für den Auftakt in der neuen Nationenliga am 6. September gegen Weltmeister Frankreich und den Test drei Tage später gegen Peru kann Löw ein Startsignal setzen.

Freiwillig haben sich von den 23 Spielern, die das WM-Desaster auf dem Spielfeld verantworteten, nur der extrem reagierende Özil und Oldie Mario Gomez von der Länderspielbühne verabschiedet. Selbst der nach der Kritik an den umstrittenen Erdogan-Fotos heftig gezeichnete Ilkay Gündogan will weiter mit Stolz das DFB-Trikot tragen. «Mir ist es wichtig, mit 27 Jahren nicht aufgrund einer schwierigen Phase, die ich persönlich durchlaufen habe, alles hinzuwerfen», sagte Gündogan.

Gerade «nach der Geschichte im Sommer» sei man «extrem heiß», bemerkte der Münchner Thomas Müller: «Wir haben den Tatendrang.» Neue Führungskräfte mit der Ausstrahlung, alles für Deutschland zu geben, sind gesucht und gefragt. Das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger am Dienstag in München erinnerte noch einmal daran.

Löw muss durch unangenehme Streichungen Platz machen für aufstrebende Jungprofis wie Kai Havertz (Leverkusen), Thilo Kehrer (Paris) oder Philipp Max (Augsburg), die unter anderen als Kandidaten gehandelt werden. Heißt: Verdiente Ex-Weltmeister wie Sami Khedira könnte Löws Verbannung treffen. Den Jungstars Leroy Sané (Manchester City) und Jonathan Tah (Leverkusen) sowie dem spätberufenen Nils Petersen (Freiburg) hatte der Bundestrainer bei der Aussortierung kurz vor der WM angekündigt, ihnen im September eine neue Chance geben zu wollen.

Hinter verschlossenen Türen hat Löw Bundesliga-Offiziellen und DFB-Präsidiumsmitgliedern seine WM-Analyse und die Ableitungen daraus bereits vorgestellt. Fredi Bobic, der die Ausführungen des Bundestrainers gehört hat, wies eher auf einen seichten Wandel denn auf eine Revolution hin. «Man muss nicht alles neu machen, alles verändern», sagte der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. «Man wird gewisse Dinge ändern, das wird auch der Bundestrainer machen. Man muss ihm auch ein bisschen Zeit geben», ergänzte Bobic.

Löw muss neben Selbstkritik in München auch einen Stimmungsumschwung vermitteln. Nach dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012, das große Zweifel an Löws Befähigung zum Titeltrainer geweckt hatte, bewies der gebürtige Schwarzwälder schon einmal seine Qualitäten in einer schwierigen Situation. Er wurde zum Pragmatiker und Malocher - der Lohn war der WM-Triumph 2014. «Er hat sich auch über die Jahre unglaublich weiterentwickelt. Jogi hinterfragt von sich aus sehr bewusst, was er falsch gemacht hat. Er braucht keinen Anschubser, der ihm sagt, dass er den Führungsstil ändern muss», sagte deshalb Ex-Weltmeister Per Mertesacker der «Hannoverschen Allgemeinen».

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung ist für Löw und auch Manager Oliver Bierhoff sowie den gesamten DFB das Thema Özil wohl das brisanteste. Bierhoff und DFB-Boss Grindel hatten durch unglückliche und später korrigierte Bemerkungen direkt nach dem WM-Aus den Eindruck erweckt, Özil sei das größte Problem gewesen. Der 29-jährige Arsenal-Profi mit türkischen Wurzeln trat mit einem Knall zurück und warf DFB-Boss Grindel sogar Rassismus vor.

«Dass er sich so in der Härte äußert, hat mich betroffen gemacht», sagte Mertesacker. Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel («Wir müssen uns um das Empfinden derjenigen, die betroffen sind, kümmern») sind nun Löw und Bierhoff gefordert, sich klar zu positionieren.

Der Neuanfang beinhaltet für die Sportliche Leitung Chancen und Risiken zugleich. Mit Erfolgen gegen die Fußballnationen Frankreich und Niederlande in der neu geschaffenen Nations League könnte in den kommenden drei Monaten ein Aufbruch eingeleitet werden. Ansonsten wird es ein heißer Herbst für Löw, auch der Abstieg aus der höchten Staffel der Nationenliga ist möglich.

Der DFB stellt den Bundestrainer nicht auf Bewährung: «Nein. Jogi Löw hat einen Vertrag bis 2022. Nicht Personen in den Führungsteams führen zum Erfolg zurück, sondern eine entsprechende Sacharbeit. Das haben Jogi Löw und Olivier Bierhoff schon mehrfach bewiesen, dass sie dazu in der Lage sind», erklärte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

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Veröffentlicht am:
28. 08. 2018
15:54 Uhr

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