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Löw wird Hardliner: Boateng, Hummels und Müller ausgemustert

Mit einer bisher nicht gekannten Radikalität treibt Bundestrainer Joachim Löw den Umbruch in der Fußball-Nationalmannschaft voran. Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels, die drei Weltmeister von 2014, spielen in seinen Planungen ab sofort keine Rolle mehr.



Joachim Löw
Bundestrainer Joachim Löw traf radikale Personalentscheidungen.   Foto: Federico Gambarini

Joachim Löw wird zum Hardliner. Kurz vor dem Start ins neue Länderspieljahr greift der Bundestrainer zu den härtesten Personalmaßnahmen seiner Amtszeit und mustert gleich drei ehemalige Weltmeister aus.

Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller gehören ab sofort nicht mehr zur Fußball-Nationalmannschaft. Vor allem Hummels und Müller traf das plötzlichen Aus unvorbereitet.

«Ich danke Mats, Jérôme und Thomas für die vielen erfolgreichen, außergewöhnlichen und einmaligen gemeinsamen Jahre», erklärte Löw in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes. Bei der am 24. März beginnenden EM-Qualifikation für das paneuropäische Turnier 2020 ist das verdienstvolle Münchner Trio nicht mehr dabei. «Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben. Ich bin überzeugt, dass das nun der richtige Schritt ist», betonte der Bundestrainer.

«Ich bin traurig über diese Nachricht, weil es für mich immer das Allergrößte war, mein Land zu repräsentieren», reagierte Boateng auf die Nachricht. «Dennoch respektiere ich den neuen Kurs und habe Verständnis für die Entscheidung des Bundestrainers.» Er sei immer «extrem stolz» gewesen, das Trikot der Nationalmannschaft tragen zu dürfen. Den Sommer 2014 mit dem WM-Sieg werde er nie vergessen. «Dennoch hätte ich mir natürlich einen anderen Abschied für uns gewünscht», sagte Boateng.

Zuspruch bekam Boateng von Mesut Özil, der 2018 nach der Erdogan-Affäre im Zorn aus der DFB-Elf zurückgetreten war. «Es tut mir leid, dass einer der besten deutschen Spieler der letzten Jahrzehnte das Nationalteam auf diese Art verlassen muss», schrieb Özil auf Twitter. Zu Hummels und Müller äußerte er sich vorerst nicht.

Anders als im Fall Sami Khedira - den Weltmeister von 2014 hatte Löw noch mit der vagen Aussicht auf eine mögliche Rückkehr gestrichen - verzichtete Löw dieses Mal auf jedes «vorläufig» oder «zunächst». Die DFB-Karrieren von Müller (100 Länderspiele), Boateng (76) und Hummels (70) sind beendet. Keine Kompromisse mehr, die Verdienste von einst sind Geschichte. «Thomas, Mats und Jerome haben bisher Großes für den deutschen Fußball erreicht und werden es in ihrem Verein auch weiterhin tun», erklärte Oliver Bierhoff als DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie. Nach dem WM-Vorrunden-Aus im Vorjahr in Russland hatte Löw mit dem Umbruch noch gezögert und gerade Spieler wie Müller als unerlässliche Stützen für die neue Generation bezeichnet. Doch der Abstieg in der Nations League hat beim 59-jährigen Schwarzwälder offenbar nun für ein Umdenken gesorgt. In Manuel Neuer, Matthias Ginter, Julian Draxler und Toni Kroos spielen nur noch vier Champions der WM 2014 in Brasilien beim Neustart eine Rolle. Ob Mario Götze oder Shkodran Mustafi nochmals den Sprung zu Löw schaffen, ist fraglich.

Löw sprach von einem «deutlichen Signal der Erneuerung». Die Sportliche Leitung wolle «nun konsequent den Neubeginn auch im Kader sichtbar machen», ergänzte Bierhoff. Wenn der Bundestrainer am Ende der kommenden Woche seinen neuen Kader für das Testspiel am 20. März in Wolfsburg gegen Serbien und den EM-Quali-Auftakt am 24. März in Amsterdam gegen die Niederlande beruft, scheinen neue Überraschungen nicht ausgeschlossen. «Die jungen Nationalspieler erhalten den nötigen Raum zur vollen Entfaltung. Sie müssen nun die Verantwortung übernehmen», verkündete der Bundestrainer bereits.

DFB-Präsident Reinhard Grindel begrüßte es, «dass Jogi Löw den Umbruch unserer Nationalmannschaft jetzt weiter entschlossen voranbringt». Der Zeitpunkt für die personellen Veränderungen sei genau richtig. «Unser Auftrag ist es zu entscheiden, was das Beste für die Mannschaft auf dem Weg zurück an die Weltspitze ist», sagte Bierhoff. Der Manager, Löw und dessen Assistent Marcus Sorg hatten Müller, Boateng und Hummels am Dienstag in München das Aus im DFB-Team mitgeteilt. Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung über die Entscheidung berichtet.

Es sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen, «den Spielern und Verantwortlichen des FC Bayern meine Überlegungen und Planungen heute persönlich zu erläutern», bemerkte Löw. «Sie sind alle weiterhin Spieler auf Weltniveau, die in ihrem Verein ganz vorne mitspielen und Erfolge garantieren. Sie sind große Spieler, die für eine große Zeit der Nationalmannschaft stehen. Sie haben über Jahre hinweg unendlich viel für Deutschland und die Nationalmannschaft geleistet», erklärte der Bundestrainer zu Müller (29 Jahre), Boateng (30) und Hummels (30). Den Routiniers bleibt nun nur die Konzentration auf ihren Club.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 03. 2019
21:11 Uhr

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05. 03. 2019
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