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Luitz-Causa und andere Baustellen: Skiteam angespannt

Jahrelang waren die Techniker um Felix Neureuther die Erfolgsgaranten im deutschen Skiteam, in Adelboden hatten sie immer doppelt die Chance auf Weltcup-Podien. Diesmal ist die Lage anders, das Team kriselt. Vor allem für Stefan Luitz wird es nach dem FIS-Urteil hart.



Stefan Luitz
Wurde sein Sieg in Beaver Creek wieder aberkannt: Stefan Luitz.   Foto: Georg Hochmuth/APA

Eigentlich ist die wilde Raserei den Chuenisbärgli runter einer der Höhepunkte für Slalom- und Riesenslalom-Fahrer im ganzen Winter. Doch heitere Vorfreude mag sich im deutschen Team vor den Rennen in Adelboden diesmal nicht einstellen.

Stefan Luitz wurde sein einziger Sieg im Weltcup wegen eines Regelverstoßes aberkannt. Weil ein Antrag zur Aussetzung der Disqualifikation beim Sportgericht CAS scheiterte, wie die Anwältin des Sportlers am Freitag bekanntgab, muss der Allgäuer nun lange nach den Favoriten an den Start gehen.

Fritz Dopfer und Linus Straßer stecken daneben in Formtiefs und der lange verletzte Felix Neureuther lässt den Riesentorlauf gleich ganz aus: Die einst so erfolgreiche Technik-Truppe im Deutschen Skiverband (DSV) steckt just vor den wichtigsten Rennwochen in einer Mini-Krise.

«Jeder kämpft ein bisschen ums Überleben, das ist keine leichte Situation», bemerkte Straßer jüngst. «Da fehlt generell im Team der Zug und am Schluss der Spaß an der Freude, am Skifahren.»

Diese Freude ausgerechnet an dem Wochenende im Berner Oberland mit dem Riesenslalom am Samstag und dem Slalom am Sonntag (jeweils 10.30/13.30 Uhr/ZDF und Eurosport) wiederzuerlangen, das wird eine harte Prüfung. Die Traditionsstrecke mit dem legendären Steilhang kurz vor Schluss ist eine der kompliziertesten im Weltcup überhaupt.

Neben den sportlichen Herausforderungen haben die deutschen Athleten mentale zu bewältigen, allen voran Luitz: Der eigentlich beste Riesenslalom-Fahrer muss seine nachträgliche Disqualifikation von Beaver Creek und die Aberkennung des ersten Weltcuperfolgs verdauen. Der Weltverband FIS hatte den 26-Jährigen wegen der unerlaubten Inhalation von Flaschen-Sauerstoff aus der Wertung genommen.

Gegen diese Entscheidung wird Luitz vor dem Sportgerichtshof CAS vorgehen, bis 31. Januar muss Lausanne in dem Hauptsacheverfahren angerufen werden. «Es geht ja nicht nur um meine 100 Punkte, sondern darum, dass Klarheit im System herrschen muss», sagte Luitz.

«Er überlässt das mir und möchte sich auf den Sport konzentrieren», sagte die Juristin der Deutschen Presse-Agentur. Aber kann das gelingen? Schon nach Bekanntwerden der Causa im Dezember hatte Luitz die ersten Rennen verbockt und sich erst langsam wieder gefangen. Nachfragen zu dem Fall blockte der Sportler zuletzt vermehrt ab.

Die Auswirkungen der FIS-Entscheidung merkt Luitz in Adelboden aber definitiv: Weil er nun 100 Punkte weniger auf dem Weltcup-Konto hat, rutscht er aus der ersten Gruppe raus und muss mit der Startnummer 13 ran; er hat so schlechtere Pistenkonditionen als die Top-Fahrer. Genau deswegen hatte Luitz' Anwältin Anne Jakob die Disqualifikation vorläufig aussetzen lassen wollen, war aber beim CAS gescheitert.

Schwere Pistenbedingungen sind Dopfer und Straßer gewohnt, die beide einen miserablen Saisonstart erwischt hatten. Dopfer geht den Riesenslalom mit der Startnummer 29 an - und das in Adelboden, wo er vor sechs Jahren schon einmal Riesenslalom-Zweiter geworden war!

Im Slalom haben Dopfer und Straßer im WM-Winter in vier Rennen noch gar kein Ergebnis eingefahren haben. «Natürlich merkt man im Team schon, dass jeder seine eigene Baustelle hat, dass jeder mit seinen Fehlern und der eigenen Situation zurechtkommen muss», sagte Straßer.

Noch am unkompliziertesten wirkt die Lage von Neureuther, der nach Kreuzbandriss, Daumenverletzung und Gehirnerschütterung langsam zur Spitze aufschließt. Auf den Riesenslalom in Adelboden verzichtet er und fokussiert sich auf den Slalom. «Langsam, aber sicher komme ich nach den Verletzungen und Zwangspausen wieder in Fahrt», sagte der 34-Jährige. «Es fehlen noch Kleinigkeiten, Details, aber ich spüre, dass ich nah dran bin, wieder ganz nach vorne fahren zu können.»

Auch deswegen meinte Cheftrainer Mathias Berthold, er und sein Team «fahren mit einem positiven Gefühl in die Schweiz». Dieses Gefühl auf die Piste zu übertragen, das ist in Adelboden aber besonders schwer.

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 01. 2019
20:50 Uhr

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