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Maloche in Holland nach Werksbesuch - Reus fordert «Gier»

Vor dem brisanten Holland-Duell schwankt bei der Nationalmannschaft die Stimmung zwischen Respekt und Angriffslust. Joachim Löw fordert von seiner Umbau-Auswahl beim Start in die EM-Qualifikation viel Dynamik. Bei einer Niederlage wäre der Konkurrent schon enteilt.



Marco Reus
Nationalspieler Marco Reus hat Respekt vor den Niederlanden.   Foto: Peter Steffen

Bei ihrer Tour durch die Fabrikhalle staunten Marco Reus und Leon Goretzka über «große Präzision und perfektes Teamwork» beim Autobau.

Genau diese Qualitäten muss das Duo mit der runderneuerten deutschen Nationalmannschaft beim brisanten Start in der EM-Qualifikation in den Niederlanden selbst auf den Fußballplatz bringen. «Da greifen viele Mechanismen ineinander. Alles ist millimetergenau geplant», berichtete der beeindruckte Goretzka in Wolfsburg vom Werksbesuch beim DFB-Sponsor Volkswagen. Fast schien es, als würde er die Taktik-Vorgabe für Joachim Löws Umbau-Auswahl im Prestigeduell mit der Oranje-Elf am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Amsterdam beschreiben.

Jetzt bloß keine Angst vor Holland, lautet das Motto bei den neuen Führungsspielern von Bundestrainer Joachim Löw. Obwohl der Rivale mit einem souveränen 4:0 gegen Weißrussland in der EM-Qualifikation schon vorgelegt hat und vor gut fünf Monaten der DFB-Elf beim 0:3 in der Johan Cruyff Arena eine bittere Lehrstunde erteilte. «Wenn wir ein schnelles Umschaltspiel haben und eine gewisse Gier an den Tag legen, gewinnen zu wollen, sind wir eine gute Mannschaft», schwor Reus seine Kollegen ein.

Restzweifel schwingen nach dem total missratenen WM-Jahr 2018 als Unterton im DFB-Zirkel aber als Grundkonstante immer mit. «Wir werden hoffentlich gewappnet sein. Wir müssen mit der richtigen Einstellung und als Team auftreten», forderte der Dortmunder Reus. Goretzka sieht für die DFB-Elf durchaus eine Chance, wenn wir «ein gutes Timing beim Abspiel in die Tiefe finden». Hinter die letzte Kette der Holländer zu kommen, müsse das Ziel sein. Das gelang im November im letzten Oranje-Duell rund 60 Minuten - am Ende reichte es trotz 2:0-Führung nach Toren von Timo Werner und Leroy Sané doch nur zu einem 2:2.

Die gefühlte Niederlage in Gelsenkirchen ist auch bei Bayern-Profi Goretzka nicht vergessen. Er ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er kennt den Emotionsfaktor in jedem Holland-Duell von Kindesbeinen an. «Schon als kleiner Junge bin ich da im Urlaub gewesen und mit der Rivalität groß geworden», berichtete der gebürtige Bochumer.

Einen Fakt mochte Reus nicht ausblenden. Die Niederländer sind der DFB-Elf beim fußballerischen Reformationsprozess klar voraus: «Sie haben viele junge Spieler und eine sehr gute Mischung. Das ist auch unser Ziel, dort wieder hinzukommen», sagte der BVB-Kapitän.

Er selbst und Goretzka sind für Löw zwei wichtige Protagonisten, um die Lücke zur Elftal zu schließen. «Grundlage ist immer die Leistung auf dem Platz. Ich versuche aktuell das Fundament zu bauen», beschrieb Confed-Cup-Sieger Goretzka seine Rolle. Seine Lust auf Erfolge mag Reus nicht zügeln: «Der Titelhunger ist immer da, als Fußballer spielst du, um Titel zu gewinnen.»

Die Favoritenrolle für Sonntag schob Oliver Bierhoff nach den jüngsten Erfahrungen vorsorglich an die Niederländer ab. «Am Ende weiß jeder, wir bauen eine neue Mannschaft zusammen, die muss sich finden», sagte der DFB-Direktor. Der Malocher-Aspekt spielte in der kompletten Woche am Stammsitz des neuen Generalsponsors durchweg eine Rolle. «Wir wollen hart arbeiten, wir müssen hart arbeiten, das wissen wir», sagte Bierhoff.

Gleich der Auftakt auf dem Weg zur EM-Endrunde 2020 könnte richtungsweisend sein. Bei einer Niederlage wäre Oranje an der Tabellenspitze der Gruppe C schon um sechs Punkte enteilt. Bei aller neuen Bescheidenheit, dass der Gruppensieg kein Muss mehr ist, darf Löw also nicht ausblenden, dass den Zweitplatzierten bei der EM-Auslosung am 30. November ein knüppelhartes Turnierlos droht. Dann könnte mit Duellen gegen Kontrahenten der Kategorie Frankreich, Belgien oder Portugal auch der Heimvorteil mit vermutlich drei Vorrundenspielen in München 2020 an Bedeutung verlieren.

Die Leistung in der zweiten Halbzeit beim 1:1 gegen Serbien am Mittwoch entsprach schon Löws Vorstellung. So soll seine runderneuerte Auswahl nun 90 Minuten lang in Amsterdam auftreten. «Das kam dem schon nahe», sagte der Bundestrainer. «Das hat unsere Gefährlichkeit immens erhöht.» Alles hat der 59-Jährige in der ersten Länderspielwoche auf den Höhepunkt am Sonntag ausgerichtet.

Fix eingeplant sind neben Reus auch die zuletzt geschonten Toni Kroos im Mittelfeld neben Joshua Kimmich und Antonio Rüdiger als Abwehrstabilisator neben Niklas Süle. Hilfreich wäre für Löws taktische Ausrichtung die Rückkehr des zuletzt grippegeschwächten Serge Gnabry als rechter Außenstürmer.

Eine Einsatzgarantie für Amsterdam von Löw hat Kapitän Manuel Neuer. Herausforderer Marc-André ter Stegen muss sich weiter gedulden. Stört die kontinuierliche Zuspitzung des Torwart-Duells die Stimmung im DFB-Hotel? «Ich habe die beiden am Frühstückstisch gesehen. Sie haben sich harmonisch unterhalten», schilderte Goretzka seine Beobachtung.

Die voraussichtlichen Mannschaften:

Niederlande: Cillessen (FC Barcelona/29 Jahre/47 Länderspiele) - Dumfries (PSV Eindhoven/22/4), de Ligt (Ajax Amsterdam/19/14), van Dijk (FC Liverpool/27/25), Blind (Ajax Amsterdam/29/61)- de Roon (Atalanta Bergamo/27/9), F. de Jong (Ajax Amsterdam/21/6) - Bergwijn (PSV Eindhoven/21/4), Wijnaldum (FC Liverpool/28/54), Babel (FC Fulham/32/55) - Depay (Olympique Lyon/25/14)

Deutschland: Neuer (Bayern München/32/85) - Ginter (Borussia Mönchengladbach 25/23), Süle (Bayern München/23/17), Rüdiger (FC Chelsea/26/29), Schulz (1899 Hoffenheim/25/5) - Kimmich (Bayern München/24/39) - Goretzka (Bayern München/24/20), Kroos (Real Madrid/29/91) - Gnabry (Bayern München/23/5), Reus (Borussia Dortmund/29/38), Sané (Manchester City/23/18)

Schiedsrichter: Jesús Gil Manzano (Spanien)

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 03. 2019
14:36 Uhr

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22. 03. 2019
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