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Nach «Tiefschlag»: Claudia Pechstein Absage ihrer WM-Starts

Claudia Pechstein erwägt die Absage ihrer geplanten vier Starts bei der Heim-WM der Eisschnellläufer in Inzell. Am Dienstag hatte es für sie zehn Jahre nach ihrer Sperre einen erneuten juristischen Rückschlag gegeben.



Claudia Pechstein
Claudia Pechstein zeigt bei einer Pressekonferenz ein Dopingkontrollformular.   Foto: Rainer Jensen

Fast genau zehn Jahre nach der Nacht, die das Leben von Claudia Pechstein auf den Kopf stellte, muss die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin einen weiteren juristischen Rückschlag verkraften. Aus Frust erwägt sie nun ihre Starts bei der WM in Inzell abzusagen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies am 5. Februar ihre Rechtsmittel gegen das Urteil vom 2. Oktober zurück. «Ob ich bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Inzell wirklich starten kann, werde ich erst nach Rücksprache mit dem für mich besten Mentaltrainer der Welt - Matthias Große - morgen Abend entscheiden», teilte die 46 Jahre alte Berlinerin via Facebook mit.

Die Frage stelle sich für sie insofern, als «dass ich zwar für mein Heimatland kämpfen möchte, ich aber nach dem heutigen Tiefschlag noch nicht weiß, ob ich trotz des mir widerfahrenen Unrechts über genügend Kraft verfüge, meine Bestleistung abrufen zu können», schrieb Pechstein.

Zum Auftakt der WM in Inzell jährt sich am 7. Februar der schwärzeste Tag ihrer Karriere zum zehnten Mal. In den späten Abendstunden des 7. Februar 2009 war die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin bei der Allround-WM in Hamar wegen auffälliger Blutwerte aus dem Rennen genommen worden.

«Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern. Wie unser Teamleiter Helge Jasch mich in sein Zimmer rief. Wie er und unser Teamarzt Dr. Gerald Lutz mir mitteilten, dass mit meinen Blutwerten etwas nicht stimmt. Und ich zum ersten Mal das Wort Retikulozyten hörte», sagte Pechstein der Deutschen Presse-Agentur zu jenem Tag vor zehn Jahren.

«Mein ganzer Körper begann zu zittern und ich bekam vor lauter Schluchzen kaum noch ein Wort heraus. Es ist die Nacht, die meine Karriere, ja mein ganzes Leben letztlich komplett verändert hat», schilderte Pechstein: «Rückblickend ist nichts mehr, wie es mal war, außer dass ich noch immer als Eisschnellläuferin aktiv bin.»

Was auf jene Nacht folgte, war eine Zwei-Jahres-Sperre für die fünfmalige Olympiasiegerin durch die Internationale Eislauf-Union ISU ohne Doping-Beweis. Dadurch verpasste die Berlinerin die Winterspiele 2010 in Vancouver und die Einzelstrecken- WM im Jahr zuvor an gleicher Stelle. Seit der Sperre kämpft Pechstein vor allen juristischen Instanzen gegen die Entscheidung des Verbandes.

Nach vielen verlorenen Kämpfen um Rehabilitation folgte durch Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg nun der nächste Nackenschlag. Obwohl schon im ersten Urteil festgestellt worden war, dass sie vor dem Sportgerichtshof CAS kein faires Verfahren hatte, wurden ihre Rechtsmittel zurückgewiesen. Der CAS wurde damit als unabhängiges Sportgericht bestätigt. Mediziner geben eine vom Vater geerbte Blutanomalie und nicht Doping als Grund für ihre extremen Blutwerte an.

Neben riesigen finanziellen Einbußen - sie klagte auf über vier Millionen Euro Schadenersatz - hatte Pechstein im März 2009 sogar Suizid-Gedanken, wie sie in ihrer Autobiografie «Von Gold und Blut - Mein Leben zwischen Olymp und Hölle» bekannte. Aus Verzweiflung hatte sie daran gedacht, von einer Autobahnbrücke zu springen.

Mit dem Abstand von zehn Jahren hat Pechstein aber auch Konsequenzen aus dieser Nacht im Februar 2009 gezogen. «Rückblickend wäre es sicher besser gewesen, von Beginn an die Öffentlichkeit einzuweihen. Die ISU hat gelogen und schmutzige Deals angeboten.» Der Verband hatte ihr vorgeschlagen, die auffälligen Werte unter den Tisch zu kehren, wenn sich Pechstein freiwillig von der WM zurückziehe. Darauf ließ sie sich ein.

«Sie boten das an unter dem Vorwand, so würde mein Name öffentlich nicht mit Doping in Verbindung gebracht. Ich war so naiv, das zu glauben. Bis zu dem Tag, als man mich sperrte. Ohne Beweis. Unschuldig öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, war die schlimmste Erfahrung meines Lebens», sagte sie.

Der bisher bitterste Moment in den zurückliegenden zehn Jahren ihres juristischen Kampfes war für sie die Urteilsverkündung vor dem Bundesgerichtshof im Juni 2016. «Als mir die Präsidentin ins Gesicht gesagt hat, dass ich in Deutschland, meinem Heimatland, keinen Rechtsanspruch mehr in Anspruch nehmen dürfe, weil ich den in der Schweiz vor einem in meinen Augen korrupten, nicht auf rechtsstaatlichen Grundsätzen beruhenden Sportverbandsgericht bereits genossen hätte», schilderte Pechstein.

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Veröffentlicht am:
05. 02. 2019
23:03 Uhr

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