Topthemen: Zentralkauf weicht Hof-GalerieKaufhof-UmbauHofer Filmtage 2017Gerch

Sport

Nach WM-Aus stehen Azzurri vor Neuanfang

Italien muss nach der verpassten WM-Qualifikation für Russland wieder auf die Beine kommen. Aber wie? Und vor allem mit wem? Nach der Pleite ist die Ernüchterung groß. Perspektivlosigkeit, wohin man schaut.



Desaster
Die Italiener waren nach dem Aus am Boden zerstört.   Foto: Luca Bruno

Nicht weniger als eine Revolution muss in Italiens Fußball her. Klar, Nationaltrainer Gian Piero Ventura wird gehen müssen. «Schuldig», befand «Tuttosport», nicht das einzige Blatt, das am Tag nach dem Debakel gegen Schweden den Kopf des Coaches forderte.

Aber reicht ein neuer Trainer allein, die tief gefallene Nationalmannschaft wieder aufzurichten? Und den schwer verletzten Stolz eines ohnehin in Politik und Wirtschaft gelähmten Landes wiederherzustellen? Nach 60 Jahren wieder eine Fußball-Weltmeisterschaft zu verpassen trifft die Italiener hart.

Wenige Stunden nach dem 0:0 im Playoff-Rückspiel gegen Schweden ist vom «Jahr Null», «Ende», «Desaster» und «Alptraum» die Rede. Die Fans fordern drastische Konsequenzen, nachdem das Team bei der Endrunde 2018 in Russland nicht dabei ist und erstmals seit 1958 nur WM-Zuschauer ist. Denn allen ist klar: Nach der bitteren Nacht im San Siro brauchen die Azzurri einen radikalen Neustart. Doch der folgt nicht prompt, auch wenn es zunächst so aussah.

Ventura sorgte - die Arme auf den Tisch gestützt, begleitet von schweren Seufzern - vor Journalisten am Montagabend mit einer Äußerung nur für Verwirrung: «Ich bin stolz, Teil der azurblauen Truppe gewesen zu sein.» Auf Nachfrage, ob er zurückgetreten sei, sagte er: «Nein, weil ich noch nicht mit dem Präsidenten gesprochen habe.» Das Ergebnis wiege aber aus sportlicher Sicht «zentnerschwer». Der italienische Verband FIGC kündigte für Mittwoch Konsequenzen.

Es waren dann die Spieler, die erste Entscheidungen trafen. Torwartlegende und Weltmeister Gianluigi Buffon verkündete unter Tränen seinen Abschied aus der Nationalmannschaft. Es sei schlimm, dass seine Karriere so ende. Der Mannschaft habe es einfach an «Energie und Klarheit» gefehlt, um ein Tor zu machen. Aber er betonte: «Wir haben nichts unterschätzt.» Schweden reichte ein einziges Tor aus dem Hinspiel zum Triumph.

Auch die beiden anderen verbleibenden Weltmeister, Daniele De Rossi und Andrea Barzagli, machen Schluss. «Ich glaube, das ist die größte Enttäuschung meines Lebens», sagte Barzagli. De Rossi sprach von Begräbnis-Stimmung nach dem Spiel. «Dabei ist niemand gestorben», sagte er. «Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball, und ein tiefschwarzer für uns Spieler.»

Fast 15 Millionen Menschen verfolgten die Schmach an den Bildschirmen der Republik. Aber es scheint, als seien nun auch die sonst so temperamentvollen Fans von einer Lethargie erfasst worden, die ansonsten das politische Leben und die Wirtschaft in Italien lähmt. Die Parteien, allen voran die regierenden Sozialdemokraten, verlieren sich in internen Machtkämpfen. Die Wirtschaft ist zwar auf dem Weg der Besserung - doch gerade auf dem Arbeitsmarkt kann von Erholung noch nicht die Rede sein. Perspektivlosigkeit im Land, wohin man schaut.

In einer Bar in Rom war schon zu Beginn der Partie die Stimmung gedämpft. Aufregung bei den Zuschauern an den Tischen wollte nicht mal so recht in den letzten Spielminuten aufkommen, in denen es doch um alles ging. Bis auf einige Rauner und «Mammamia»-Ausrufe: Ruhe. «Ich habe erwartet, dass wir rausfliegen», sagte Giuseppe überraschend wenig enttäuscht. «Es ist so gelaufen und es ist kein Drama.»

Hinter dem Spiel habe keine richtige Mannschaft gestanden. Der Trainer sei nicht der richtige. Giuseppes Freund Vassili meint, im italienischen Fußball gebe es zu viele Ausländer. Für die Italiener sei kein Platz. Eine ähnliche Aussage twitterte der Chef der fremdenfeindlichen Lega Nord, Matteo Salvini. «Zu viele Ausländer auf dem Feld, von den Junioren bis in die Serie A, und das ist das Resultat.»

Für die Nationalmannschaft war bereits nach dem K.o. in der WM-Vorrunde 2014 gegen Uruguay ein Neustart beschworen worden. Schmerzt der jüngste Absturz nun genug, damit er wirklich vollzogen wird, Generationenwechsel inklusive? «Nicht zur WM zu fahren, ist wirklich etwas tragisches», sagte der 23-jährige Federico Bernardeschi von Juventus Turin. «Wir jungen Spieler müssen jetzt aber mit gutem Beispiel vorangehen und dieser Nationalmannschaft so viele Emotionen und Siege bringen wie möglich.»

Die «Gazzetta dello Sport» präsentierte schon Kandidaten, die in Italiens Fußball die Revolution ausrufen sollen. Unter ihnen ist Carlo Ancelotti - nach der Entlassung beim FC Bayern wäre er frei. Als Ventura-Nachfolge werden auch Antonio Conte und Roberto Mancini gehandelt. Am Mittwoch sollte Italien klarer sehen, wer dem Land die «Revolution» («Corriere dello Sport») bringen kann. Zumindest auf dem Rasen.

Veröffentlicht am:
14. 11. 2017
15:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Andrea Barzagli Carlo Ancelotti FC Bayern München FIFA Gianluigi Buffon Juventus Turin Lega Nord Matteo Salvini Roberto Mancini Twitter WM-Qualifikation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Beurlaubt

15.11.2017

Italien arbeitet WM-Debakel auf - Wunschlösung Ancelotti

Nach der verpassten WM-Qualifikation ringt der italienische Fußball um einen Neustart - ohne Coach Gian Piero Ventura, der am Mittwochabend beurlaubt wurde. Auf der Liste möglicher Nachfolger ganz vorne steht: Ex-Bayern-... » mehr

WM-Pokal

16.11.2017

WM ohne Italien, Chile und Holland: Vorrunden-Langeweile?

Am 1. Dezember werden die Vorrundengruppen für die Fußball-WM 2018 ausgelost. Viele interessante Konstellationen dürfte es dann nicht geben. Einige Top-Nationen und WM-Dauerteilnehmer fehlen. » mehr

Nachfolgersuche

16.11.2017

Trainersuche: Wird Ancelotti Italiens «Retter der Nation»?

Gian Piero Ventura ist Geschichte. Auch Italiens Fußballverbands-Präsident steht in der Kritik - und muss deshalb aus eigenem Interesse schnell einen neuen Trainer für die Azzurri finden. » mehr

Unter Druck

09.11.2017

Italien will Debakel verhindern - Angst vor Nervenflattern

Erstmals seit 1958 droht Italien eine WM-Endrunde zu verpassen. Ein Ex-Dortmunder soll das Spiel gegen Schweden am Freitag schnell klar machen - und den Azzurri das Ticket nach Russland sichern. » mehr

Trauer

14.11.2017

«Die Apokalypse»: Erstes WM-Aus für Italien seit 60 Jahren

Nicht bei einer Fußball-WM dabei zu sein versetzt Italien in eine Schockstarre. Das Playoff-Rückspiel gegen Schweden endet torlos, tränenreich und mit Größen, die gehen. Nur der Trainer weiß noch nicht, wie es für ihn we... » mehr

Aus

14.11.2017

«Katastrophe»: Italien verpasst Fußball-WM

Die Fußball-WM 2018 in Russland findet ohne Italien statt. Der viermalige Weltmeister kam im Playoff-Rückspiel gegen Schweden nicht über ein 0:0 hinaus und scheiterte bereits in der Qualifikation. Unter Tränen verkündet ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lehrermedientag Hof

Lehrermedientag | 22.11.2017 Hof
» 80 Bilder ansehen

Blinde Date im Alten Bahnhof.JPG Hof

Blind Date im Alten Bahnhof | 18.11.2017 Hof
» 73 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Eisbären Regensburg 5:1 Selb

Selber Wölfe - Eisbären Regensburg 5:1 | 18.11.2017 Selb
» 24 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 11. 2017
15:05 Uhr



^