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Selbstbewusstes DEB-Team: «Wollen ins Halbfinale!»

Auch die Tschechen sind machbar - mit diesem Selbstverständnis geht das deutsche Eishockey-Team das WM-Viertelfinale in Bratislava an. Dort soll ein Coup wie zuletzt 2010 gelingen. Die DEB-Auswahl begrüßt den Mut des neuen Bundestrainers.



DEB-Team
Das DEB-Team spielt bei der WM nun gegen Tschechien.   Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva

Schluss mit der Bescheidenheit - Deutschlands Eishockey-Team fühlt sich bei der WM in der Slowakei reif für den Coup.

Mit großer Zuversicht und enormen Selbstbewusstsein reisten Leon Draisaitl und Co. mit einem Sonderzug von Kosice nach Bratislava. Dort soll am Donnerstagabend gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien (20.15 Uhr/Sport1 und DAZN) die Überraschung gelingen. «Ich finde ja, dieses Tiefstapeln sollten wir jetzt ablegen als Deutschland», forderte Kapitän Moritz Müller vor der Abreise.

«Warum nicht ins Viertelfinale gehen und sagen: Wir wollen ins Halbfinale! Wir denken auf jeden Fall, dass die Tschechen machbar sind», sagte Müller forsch. Zuletzt hatte Deutschland 2010 bei der Heim-WM durch ein 1:0 gegen die Schweiz das Halbfinale erreicht. Die letzte WM-Medaille liegt gar 66 Jahre zurück. Dennoch wächst das bereits unter dem früheren Bundestrainer Marco Sturm gestiegene Selbstvertrauen auch unter Nachfolger Toni Söderholm weiter.

«Wenn wir wieder als kompakte Einheit auftreten wie zuletzt, dann haben wir sicher eine Chance. Das Wichtigste ist jetzt der Glaube an uns selbst», forderte der 41 Jahre alte Finne, der die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds zur besten WM-Vorrunde überhaupt geführt hatte. Fünf Siege in der Vorrunde hatte es noch nie gegeben.

Besonders beeindruckend war dabei die Art und Weise, mit der das deutsche Team den Top-Nationen inzwischen begegnet. Söderholm hat die Spielweise weiterentwickelt und die Abkehr vom Defensiv-Stil zum mutigen Kreativspiel mit mehr Puckbesitz funktioniert. «Wir fangen an, mit solchen Nationen mitspielen zu können. Wir müssen uns einfach nicht mehr hinten reinstellen und hoffen, dass wir mit Glück irgendwie gewinnen. Im Gegenteil: Wir waren teilweise die bessere Mannschaft», sagte Weltklasse-Stürmer Draisaitl nach seiner Gala mit zwei Toren und einer Vorarbeit beim 4:2 am Dienstag gegen Finnland.

Durch den überzeugenden Sieg gegen Söderholms Heimatland sprang die DEB-Auswahl noch auf Platz drei in der Gruppe A und vermied das Viertelfinal-Duell mit dem Top-Favoriten Russland. «Die Tschechen haben wir uns alle gewünscht. Besser als gegen Russland zu spielen», meinte der in Tschechien geborene NHL-Stürmer Dominik Kahun, der 2018 bei der olympischen Silber-Sensation unter Sturm mit dabei gewesen war. «Wir hoffen, dass wir den nächsten Schritt gehen können», sagte in Yannic Seidenberg ein weiterer Silbergewinner von Pyeongchang.

Die WM in der Slowakei, die nach Rücktritten mehrerer Silbergewinner eigentlich ein weiteres Übergangsturnier werden sollte, bestätigt dagegen jetzt schon den Aufschwung im deutschen Eishockey. In den sieben Vorrundenspielen hatte sich Deutschland nur beim bösen 1:8 am Samstag gegen Kanada eine Auszeit genommen. Danach krachte es.

Nicht alle Einzelkönner in der Offensive würden konsequent mit nach hinten arbeiten - diesen Vorwurf hatten Führungsspieler wie Müller und NHL-Verteidiger Korbinian Holzer ebenso wie der Bundestrainer immer wieder mal angedeutet. Nach dem schon besseren 1:3 gegen die USA am Sonntag sprach Söderholm dann gar offen aus, was auf dem Eis jeder gesehen hatte. «Er kann auf alle Fälle besser in der Defensive arbeiten. Ich glaube nicht, dass das ein Geheimnis ist», sagte Söderholm, speziell zu Draisaitls bisheriger Leistung befragt.

Der Weltklasse-Stürmer der Edmonton Oilers reagierte gegen Finnland auf seine Weise - mit Leistung und seiner auffallend engagiertesten Defensivleistung bislang. Dieses Zeichen war wichtig für das Team. «Das war kollektives Verteidigen - so wie wir es brauchen gegen so einen starken Gegner», sagte Müller. Wer wollte, konnte daraus einen wohlwollenden Hinweis an den deutschen Ausnahmespieler erkennen.

Auch in dieser Hinsicht hat sich das Team offenbar weiterentwickelt. Und Söderholm glaubt gar noch an einen weiteren Schritt: «Ich glaube schon, dass noch mehr geht. Wir werden stärker, wir müssen auch stärker werden. Und dann können wir jeden schlagen.» Dies kommt an. «Wir haben jetzt keine Angst. Im Gegenteil: Wir glauben an uns. Genau wie Toni an uns glaubt. Vor allem hat er den Mut zu sagen: Ich möchte mit Deutschland Eishockey spielen. Es war die richtige Entscheidung des DEB auf jemanden zu setzen, der der Nationalmannschaft auch gegen große Nationen alles zutraut», meinte Müller.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
14:16 Uhr

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