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Union mit Party-Marathon in die Bundesliga

Die Fußball-Bundesliga bekommt einen etwas anderen Neuling. Die Feier des 1. FC Union ist bereits erstligareif - und noch lange nicht zu Ende. Der Club mit dem Kult-Image steht aber vor großen Herausforderungen.



Party!
Berlins Christopher Lenz feiert mit den begeisterten Fans den Aufstieg.   Foto: Jörg Carstensen

Übermüdet und überglücklich nach der ersten Aufstiegssause zum Auftakt eines mehrtägigen Feier-Marathons beim 1. FC Union gab Club-Chef Dirk Zingler ein Versprechen.

Auch in seinem Premierenjahr will sich der außergewöhnliche Neuling aus Berlin-Köpenick nicht dem Bundesliga-Establishment anpassen. «Es verändert sich nichts, gar nichts. Da müssten wir uns ja ändern», sagte Zingler nach einer kurzen Nacht.

Die Feierlichkeiten, die Teile der Mannschaft um Kapitän Christopher Trimmel bis acht Uhr morgens auskosteten, machte dem Kult-Club so richtig Lust auf den Start im Fußball-Oberhaus. Rafal Gikiewicz freute sich auf «48 Stunden Party», Sebastian Polter wollte sogar «vielleicht 500» Stunden das Hochgefühl genießen.

Aber die Vorbereitungen auf das erste Jahr in der Bundesliga begannen für Union schon vor der Tour durch die Hauptstadt am Mittwoch. Am Dienstagvormittag schloss Urs Fischer schon wieder die Eingangstür zum Stadion, in dem noch immer der Geruch von Bier in der Luft lag, auf. «Es ist einfach geil», sagte der Schweizer Trainer über die geglückte Relegation gegen den VfB Stuttgart. «Es tut mir leid für die Wortwahl, aber ich kann es anders nicht beschreiben. Das sind Gefühle, die kannst du nicht in Worte fassen.»

Um «halb Fünf, Fünf» sei er wieder zuhause gewesen, berichtete der sonst so zurückhaltend auftretende Eidgenosse. «Ich war sicher nicht der Letzte, da waren noch sehr, sehr viele Leute.»

Nach dem friedlichen Platzsturm mit Schlusspfiff des 0:0 soll am Mittwoch noch einmal groß mit den Fans gefeiert werden - Eintrag ins Gästebuch der Stadt im Roten Rathaus, Schiffsfahrt auf der Spree und Empfang auf dem Köpenicker Rathausbalkon inklusive. Das Denkmal des Hauptmanns von Köpenick vor dem Rathaus trug schon in der Aufstiegsnacht einen rot-weißen Schal.

«Wenn man sich das anschaut, kriegt man Gänsehaut. Ich könnte gleich zu Heulen beginnen», schwärmte der österreichische Offensivspieler Robert Zulj über die Verbindung der Anhänger zu ihrem Club. «Wir sind eine Bereicherung für die Bundesliga, weil die Fans einzigartig sind», sagte Trimmel, der in seiner Passion als Tätowierer Anhängern kostenlos Aufstiegsmotive stechen will.

Das deutsche Fußball-Oberhaus bekommt anstelle von traditionsreichen West-Großclubs wie Stuttgart oder Hamburger SV einen Vertreter mit dem wohl gepflegten Image des etwas anderen Vereins aus dem Osten. Vereinshymne von Punkröhre Nina Hagen; Anhänger, die eine neue Tribüne selbst bauen und Blut für ihren Verein spenden; das alljährliche Weihnachtssingen; eine manuell bediente Anzeigetafel - vieles macht Union einzigartig.

Wird jetzt alles anders? Droht Union der Ausverkauf? «Ich habe auch keine Angst vor Event-Zuschauern. Wo sollen die denn hin? Wir haben schon knapp 24.000 Mitglieder und nur 22.000 Plätze im Stadion», versprach Präsident Zingler. Den Schlusspfiff erlebte er nicht mehr von der Tribüne aus. «Meine Frau war auf der Damentoilette, ich war auf der Herrentoilette», berichtete der langjährige Chef. «Und dann haben wir uns davor getroffen.»

Doch auch wenn die Berliner in der 2. Liga finanziell schon zur Spitzengruppe gehörten und die beste Abwehr stellten, wird das erste Bundesligajahr auf vielen Ebenen zur Herausforderung. «Wir werden uns konkurrenzfähig geben», versprach Oliver Ruhnert, kurz bevor die Profis in den Katakomben Biernachschub vom Geschäftsführer Profifußball verlangten.

Dabei will Union das Schicksal, das schon zuletzt Neulinge wie den SC Paderborn oder die SpVgg Fürth ereilte, unbedingt verhindern. «Der Verein wird sehr, sehr genau aufpassen, dass das nicht das mit uns macht, was manchem Verein passiert ist: Aufzusteigen und anschließend durchgereicht zu werden. Da bin ich mir recht sicher», sagte der frühere Schalker Ruhnert. «Vielleicht machen wir ein Jahr Urlaub in der ersten Bundesliga - das kann sein. Aber meine persönlichen Ambitionen sind immer die, dass wir Dinge zu Ende bringen.»

So spät wie kein anderer Bundesligaverein kann Union nun seine Personalplanungen für die kommende Saison finalisieren. Erste Neuverpflichtungen sollen bereits in den nächsten Tagen verkündet werden, der überragende polnische Keeper Gikiewicz hofft auf eine Vertragsverlängerung zu verbesserten Bezügen.

Auch wenn Union in der Zweitligasaison viele Chancen ungenutzt ließ, ziehen die Eisernen nun als 56. Verein und fünfter Club aus Berlin in die deutsche Eliteliga ein. «Es tut Berlin ausgesprochen gut, nun zwei Bundesligisten zu haben», kommentierte Michael Preetz, Geschäftsführer von Hertha BSC, den Aufstieg. «Wir freuen uns auf begeisternde Derbys, die wir natürlich für uns entscheiden wollen.»

Der Stadtrivale darf sich damit Hoffnungen machen, das Olympiastadion auch einmal abseits der Partien gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund komplett zu füllen. Dagegen startet nur Mitaufsteiger Paderborn mit einer noch kleineren Arena als Union in die kommende Bundesligasaison.

Das Stadion An der Alten Försterei soll von einer Kapazität von 22.012 Zuschauern mit nur 3500 Sitzplätzen auf ein Fassungsvermögen von 37.000 ausgebaut werden. Allerdings noch nicht in der kommenden Saison - sein erstes Bundesligajahr will der Club nicht auf einer Baustelle verbringen. «Ich hätte nichts dagegen, wenn das Stadion jetzt größer wäre», sagte Zingler. Durch den Hype könnten in der Bundesliga problemlos mehr Tickets pro Begegnung verkauft werden. Doch der Club-Boss sieht im engen Stadion im Stadtteil Köpenick auch einen Vorteil: «Es wird für alle ein Brett sein, hierher zu kommen.»

Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
18:07 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
18:07 Uhr



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