Topthemen: Hofer Kaufhof wird HotelHilfe für NachbarnBenefiz-BallStromtrasse durch die RegionGrabung bei NailaGerch

Sport

Urteil mit Brisanz für Internationalen Sportgerichtshof

Das Konstrukt mit dem Internationalen Sportgerichtshof CAS als unumstößliche Instanz wackelt nach einem Urteil in Belgien. Dies ist auch Rückenwind für Claudia Pechstein. Für die internationalen Verbände wie FIFA und IOC könnte es unangenehm werden.



CAS
Das Konstrukt des Internationalen Sportgerichtshofes könnte durch ein Urteil in Belgien infrage gestellt werden.   Foto: Frank May

Allein der Name Jean-Louis Dupont löst bei Internationalen Sportverbänden wie der FIFA großes Unbehagen aus. 1995 gehörte der Belgier zum Anwalts-Team von Jean-Marc Bosman, der das internationale Transfersystem zum Einsturz brachte.

Der Jurist war auch nicht ganz unbeteiligt, dass Clubs von den Verbänden Kompensationszahlungen für die Abstellungen von Nationalspielern erhalten. In der vergangenen Woche erzielte Dupont einen weiteren Coup, der sich als folgenschwer für die internationale Sportgerichtsbarkeit erweisen könnte.

Als Rechtsbeistand des Drittligisten FC Seraing hat Dupont vor einem Brüsseler Berufungsgericht erwirkt, dass die Verpflichtung rechtswidrig ist, Streitigkeiten zwischen Spielern, Vereinen und Verbänden vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zu regeln. «Angesichts dieses Entscheids wird es den Verbänden in der Zukunft nicht mehr möglich sein, jedem Gegner in allen Fällen den Weg zum Schiedsverfahren bei CAS aufzuzwingen», teilte Dupont zusammen mit seinen Anwaltskollegen mit. «FIFA und UEFA können sich jetzt nicht mehr hinter dem CAS verstecken.»

Ein Urteil, das auch Claudia Pechstein aufhorchen ließ. «Auch in meinem Fall ist mehr als deutlich geworden, dass der CAS kein unabhängiges Schiedsgericht ist», sagte Pechstein der Deutschen Presse-Agentur und fügte hinzu: «Unser Nachbarland setzt höchste Maßstäbe an, wenn es darum geht, die Grundrechte seiner Bürger zu schützen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Richter am Bundesverfassungsgericht dahinter zurückbleiben werden.»

Pechsteins Fall ist ähnlich gelagert. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin kämpft in ihrem Schadenersatz-Prozess gegen die Internationale Eislauf-Union ebenfalls vor Zivilgerichten. Ein Termin für die Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht ist noch nicht bekannt. Doch das Urteil in Belgien zeigt: Es wird ernst für die Funktionäre in der Schweiz.

«Die FIFA ist sich der Entscheidung bewusst - die einen sehr spezifischen Fall betrifft und nur für diesen Fall gilt», hieß es am Montag in einer Stellungnahme des Fußball-Weltverbandes. Man prüfe die Angelegenheit und werde in diesem Zusammenhang «zu gegebener Zeit geeignete Maßnahmen» ergreifen, hieß es weiter.

Dennoch ist klar: Das Konstrukt mit dem Internationalen Sportgerichtshof als unumstößlicher Instanz wackelt. Ohnehin ist die Kritik am CAS groß. Erst jüngst haben ARD-Recherchen Zweifel an der Unabhängigkeit der CAS-Richter bestärkt. Demnach wird beanstandet, dass die Richter von einem Gremium benannt werden, das mehrheitlich aus Vertretern großer Sportorganisationen besteht. In mindestens zwei Fällen soll es fragwürdige Konstellationen mit potenziellen Interessenskonflikten gegeben haben, wonach CAS-Richter zugleich als externe Berater für Sportverbände tätig waren.

Es ist der alte Vorwurf: Wie kann ein Sportgericht bei Rechtsverfahren gegen internationale Verbände unabhängig sein, wenn es von diesen doch finanziert wird? 1984 wurde der CAS vom IOC gegründet. Zehn Jahre später folgte eine vollständige organisatorische Trennung, was aber nichts an der Finanzierung änderte. Präsident des CAS ist der Australier John Coates, der zugleich Vizepräsident des IOC ist.

Im Fall des FC Seraing ging es ursprünglich gar nicht um den CAS, sondern um das Verbot der sogenannten Dritteigentümerschaft (Third-Party Ownership, kurz TPO), das in den Statuten von FIFA, UEFA und nationalen Verbänden verankert ist. Die FIFA hatte dem Club untersagt, dass externe Investoren Rechte an Spielern erwerben. Der Fall landete vor dem CAS, der im Sinne der FIFA entschied. Daraufhin erst stellte Seraing die Unabhängigkeit des CAS in Frage und bekam Recht. Nun ist auch der Weg frei für die ursprüngliche Klage. Der FIFA droht dann die nächste juristische Niederlage. Gegen Seraing. Und gegen Dupont, einem unangenehmen Gegenspieler.

Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
18:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesverfassungsgericht CAS Claudia Pechstein Deutsche Presseagentur FIFA Internationaler Sportgerichtshof Internationales Olympisches Komitee Internationalität und Globalität Jean-Marc Bosman Sportgerichtshöfe UEFA Verbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Claudia Pechstein

03.10.2018

Gerichtshof stärkt CAS - Pechstein sieht Erfolg

Seit fast zehn Jahren währt der juristische Kampf von Claudia Pechstein gegen eine einst gegen sie verhängte Sperre. Nun lehnte der Gerichtshof für Menschenrechte ihre Beschwerde ab, spricht ihr aber Schadenersatz zu. Da... » mehr

Anthony Modeste

18.11.2018

Modeste kehrt in sein «Zuhause» Köln zurück

Was für ein Geschäft! Der 1. FC Köln hat Stürmer Anthony Modeste aus China zurückgeholt - ablösefrei. 2017 hatten die Rheinländer eine stattliche Summe für den Torjäger bekommen. Doch es droht juristischer Ärger. » mehr

Ski alpin

26.10.2018

Alpin-Auftakt in Sölden: Deutsche streben viele Medaillen an

Jetzt kommt der Winter ganz schnell. Auf dem Gletscher beginnt am Samstag mit dem Alpin-Weltcup die Wintersport-Saison. Nach dem deutschen Gold-Rekord in Pyeongchang mit 14 Olympiasiegen soll es nun viele WM-Medaillen ge... » mehr

Reinhard Grindel

17.11.2018

Grindel skeptisch: Klärungsbedarf um FIFA-Milliarden-Deal

DFB-Chef Reinhard Grindel ist ein Kritiker des von FIFA-Boss Gianni Infantino forcierten Milliarden-Deals. Immer noch fehlen laut Grindel viele wichtige Informationen. Bevor über wirtschaftliche Details entschieden wird,... » mehr

Gianni Infantino

07.11.2018

Infantino geht in Offensive: «Kein Franke verschwunden»

Ethik-Kungelei? Absprachen zugunsten von superreichen Top-Clubs? Nicht mit mir, behauptet Gianni Infantino. Der FIFA-Chef fühlt sich als Zielscheibe unsachlicher Kritik. Seine umstrittenen Mega-Projekte will er vorantrei... » mehr

Karl-Heinz Rummenigge

04.11.2018

Trotz Bayern-Bekenntnis: Liga diskutiert über Super League

Der FC Bayern und Borussia Dortmund bekennen sich zur Bundesliga. Die Debatte um eine europäische Super League geht aber weiter. Die Ligen drohen den Top-Clubs mit Ausschluss, sollten sie eine Konkurrenz zur Champions Le... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Faschingsauftakt Helmbrechts

Faschingsauftakt Helmbrechts | 19.11.2018 Helmbrechts
» 23 Bilder ansehen

Blaulicht-Party Zedtwitz

Blaulicht-Party | 16.11.2018 Zedtwitz
» 44 Bilder ansehen

Starbulls Rosenheim - Selber Wölfe 3:2 Rosenheim

Starbulls Rosenheim - Selber Wölfe 3:2 | 18.11.2018 Rosenheim
» 40 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
18:06 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".