Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: Mach mit: Spendenlauf für Corona-HilfeCoronavirusWohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-GalerieKommunalwahl 2020

Sport

Wie Frauen League of Legends erobern können

Profi-Spieler im E-Sport zu werden ist für viele junge Menschen eine echte Karriere-Option. Allerdings sind die Top-Spieler überwiegend männlich. Frauen sind mit veralteten Strukturen und Sexismus konfrontiert. Doch es tut sich etwas.



Maestra
Marlies «Maestra» Brunnhofer ist die einzige Spielerin in der 1st Division der Prime League.   Foto: Marlies Brunnhofer/dpa

Wer es an die Spitze des E-Sports schaffen will, muss ein Mann sein. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man sich die Top-Teams in League of Legends für Deutschland, Österreich und die Schweiz anschaut. Marlies «Maestra» Brunnhofer ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Die 23-jährige Grazerin ist die einzige Spielerin in der Prime League, in der sich aktuell die besten League-of-Legends-Spieler im deutschsprachigen Raum messen. Dort spielt sie als Support in der 1st Division - vergleichbar etwa mit der 2. Bundesliga im Fußball.

«Ich habe Druck auf mir, weil ich nicht enttäuschen will. Die Leute, die mir vertrauen, dass ich gut spielen werde und die ganzen Frauen, die hinter mir stehen», sagt Maestra vor ihrem ersten Wettkampf in einem gemischten Team. «Wird schon hinhauen», schiebt sie selbstsicher nach.

Die Freizeit dem E-Sport widmen

Wie in anderen Teamsportarten wird auch im E-Sport trainiert. Am Vormittag und Mittag schreibt Maestra ihre Masterarbeit. Am Abend folgen Trainingsspiele. Die Matches werden analysiert, Fehler besprochen. Es gibt Einzelcoachings und Teambesprechungen. Man müsse bereit sein, einen Großteil seiner Freizeit dem E-Sport zu widmen, sagt sie. Nicht viele Frauen seien bereit dazu.

In der Regel werden im E-Sport keine Teams explizit als Männerteams gegründet. Für acht professionelle E-Sport-Organisationen, die auf die Anfrage der Deutschen Presse-Agentur antworteten, ist die Sache klar: Man würde gerne mehr Frauen in die Teams aufnehmen. Es gebe nur keine, die auf dem höchsten Niveau spielten. Zudem gebe es insgesamt viel weniger Frauen, die sich überhaupt bewerben. Am Ende stehe man mit einer überwiegend männlichen Auswahl da.

Frauen als Unterhaltungsfaktor

Dem Branchenverband game zufolge sind fast die Hälfte der Gamer Frauen. Allerdings würden Frauen auf Veranstaltungen und Online-Kanälen immer noch weitreichend als Unterhaltungsfaktor eingesetzt, anstatt sie in inhaltlichen Positionen zu platzieren, beschreibt Jana Möglich, Gleichstellungsbeauftragte beim Verein eSports Nord, das Problem.

LoL-Publisher Riot Games hat zuletzt 2012 eine Spielerstatistik veröffentlich. Damals waren über 90 Prozent der aktiven Spieler männlich. Auch Maestra berichtet aus ihrer Erfahrung von einem Frauenanteil von zehn bis 15 Prozent.

Daneben gebe es noch mehr Gründe für den geringen Frauenanteil, schreibt Benjamin Schlotzhauer, CEO der E-Sport-Organisation BlackLion: Fehlende Vorbilder, fehlende Erfahrung der Organisationen, offener Sexismus in der Community.

Gegen Vorurteile wehren

Auch Maestra musste sich schon gegen das Vorurteil wehren, ihren Rang nicht selbst erarbeitet zu haben. «Männer, die ein schlechtes Game spielen, werden natürlich auch geflamet, also beleidigt. Aber nicht aufgrund des Geschlechts», erzählt sie. Sie selbst schaue kaum in den Chat. «Es gibt eine Mute-Funktion, bei der die Chatnachrichten nicht mehr angezeigt werden.»

In der Branche habe es sich zudem etabliert, dass Teammitglieder zusammen in Gaming-Häusern leben und trainieren. «Wenn man so eng zusammen lebt, gestaltet es sich schwierig, Frauen und Männer in einem Team gemeinsam zu haben», meint Alexander Müller von SK Gaming.

Das nehmen sowohl andere Organisationen als auch Maestra als Problem wahr. «Die Organisationen sind bedacht darauf, Streits oder Eifersüchteleien zu verhindern, was womöglich sein kann, wenn es eine Frau im Team gibt», sagt sie. Selbst hat sie aber noch nicht in einem gemischten Team-Haus gewohnt.

«Offen für alle» reicht nicht

Jana Möglich beobachtet, dass E-Sport immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankomme. Mit der Initiative «Hier spielt Vielfalt» und dem dazugehörigen Diversity Guide habe der Branchenverband game ein Zeichen gesetzt. Der aktuell im Präsidium komplett männlich besetzte eSport-Bund Deutschland (ESBD) hat 2019 zudem ein eigenes Gender-Diversity-Komitee gegründet.

«Die zahlreich geäußerte Formulierung "wir sind offen für alle" reicht in unseren Augen in der derzeitigen Situation eben nicht aus», betont Möglich. Teams, Vereine und Organisationen sowie die Veranstaltenden müssen laut der Gleichstellungsbeauftragten «tatsächliches Engagement und sinnvolle Fördermaßnahmen» zeigen.

Einige Organisationen halten gesonderte Fördermaßnahmen für einen Fehler. Die Argumentation geht so: Frauen und Männer sind gleich, daher darf man sie auch nicht unterschiedlich behandeln. Das blendet aus, dass Mädchen und Frauen im E-Sport trotzdem ganz anders wahrgenommen und behandelt werden. «Wenige Mädchen sehen den E-Sport als realistischen Weg für sich, da es nicht ihrer Rolle zugeschrieben wird - das Identifikationspotenzial fehlt», schreibt Möglich.

Traum: Aufstieg in die Pro Division

Die meisten Organisationen sprechen sich aber für die Förderung von Mädchen und Frauen aus. SK Gaming hat etwa Leistungszentren in Berlin und Köln aufgebaut. Spielerinnen würden dort die Möglichkeit bekommen, unter professionellen Bedingungen zu trainieren, ohne gleich mit den Team-Kollegen zusammenwohnen zu müssen.

Maestra ist eine der wenigen weiblichen Vorbilder. Sie engagiert sich in Österreich dafür, dass E-Sport Mädchen und Jungen in der Schule näher gebracht wird. In der Prime League steht sie mit ihrem Team Aequilibritas (AEQ) derzeit im Mittelfeld. Drei Siege und drei Niederlagen - das reicht für Tabellenplatz sechs von zehn in der 1st Division. Ihr Traum? Irgendwann in die Pro Division aufsteigen und den E-Sport hauptberuflich verfolgen.

Veröffentlicht am:
18. 02. 2020
15:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexander Müller Branchenverbände Deutsche Presseagentur Fehler Frauen Frauenanteile Mädchen Männer Probleme und Krisen Sexismus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Cheerleader

27.09.2019

Verzicht auf Cheerleader: Aus für Alba Dancers

Die Verbannung der Cheerleader von Alba Berlin sorgt für Diskussionen. Der Auftritt der Tänzerinnen passe nicht mehr in die heutige Zeit, meint der mehrfache Basketball-Meister. Die jungen Frauen sind anderer Meinung - u... » mehr

Große und Pechstein

08.01.2020

Pechstein-Partner will Eisschnelllauf-Präsident werden

Matthias Große steht für das Präsidentenamt im kriselnden deutschen Eisschnelllauf-Verband bereit. Seine Bewerbung ist seit Mittwoch offiziell, sein «Schattenkabinett» steht. Probleme könnte es im Falle der Übernahme des... » mehr

Megan Rapinoe

04.07.2019

US-Star Megan Rapinoe - «Ein wandelnder Protest»

Die WM in Frankreich ist noch nicht vorbei, aber für viele Amerikaner ist Megan Rapinoe schon vor dem Endspiel der Star des Turniers. Das hat viel mit Sport zu tun - aber auch mit ihrer Haltung. » mehr

Jubel

20.12.2019

Dreßen überrascht erneut - Dritter bei Super-G in Gröden

Thomas Dreßen ist noch nicht wieder der Alte nach seiner schweren Knieverletzung - die Resultate aber sind schon wieder Weltklasse. Drei Wochen nach dem Abfahrtssieg in Lake Louise holt er in Gröden einen dritten Platz i... » mehr

Pferdesport

18.02.2020

Skandal bei Olympia-Qualifikation im Pferdesport aufgedeckt

Der Pferdesport-Weltverband fällt beim Kampf um Olympia-Startplätze überraschende Urteile. Betroffen ist auch eine in Deutschland lebende Reiterin. Außerdem dürfen gleich zwei Teams nach positiven Dopingproben nicht in T... » mehr

Darts-Geschichte

18.12.2019

Fallon Sherrocks Triumph für die Darts-Frauen

Der 17. Dezember 2019 geht in die Darts-Geschichte ein: Die 25 Jahre alte Friseurin Fallon Sherrock erringt den ersten WM-Sieg einer Frau - und widmet diesen allen Mitstreiterinnen. Promotor Barry Hearn kann sich vorstel... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Region in der Corona-Krise Fichtelgebirge

Die Region in der Corona-Krise | 07.04.2020 Fichtelgebirge
» 62 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 02. 2020
15:05 Uhr



^