Interview Der Mord selbst ist unwichtig
Eine Freundin, die gelegentlich im Haushalt hilft, räumt den Staubsauger fort. Andrea Maria Schenkel selbst kocht schnell noch einen Kaffee, bevor sie in den kleinen Garten ihres Bauernhauses in Nittendorf nahe Regensburg bittet. Nebenbei erzählt sie von der letzten größeren Anschaffung: die Waschmaschine war kaputt gegangen. Spielsachen liegen herum. Liegengebliebene Süßigkeitenverpackungen zeigen, dass der Nachwuchs am Abend sturmfreie Bude gehabt hat. So sieht es also bei einer Bestsellerautorin aus: wie in jeder Familie. Dabei ist Andrea Maria Schenkel so etwas wie die Joanne K. Rowling der deutschen Literaturszene. Mit einem Unterschied: ihr Stil ist deutlich dichter und literarisch anspruchsvoller als der der Harry-Potter-Erfi nderin. Schenkels von einem wahren Kriminalfall inspiriertes Debüt Tannöd, das seit Dezember 2006 ganz oben in der Spiegel-Bestsellerliste platziert ist, vernimmt die Zeugen eines Mordfalls weit draußen in der tiefsten Provinz. Einer von ihnen hat die Bewohner eines Einödhofs mit der Hacke erschlagen. Auch in ihrem neuen Buch Kalteis, in dem ein Serienmörder sein Unwesen treibt, ist Schenkel weit mehr als ein Unterhaltungs-Krimi gelungen. Auch hier zeichnet sie ein bis ins kleinste Detail exaktes Bild vom Leben einfacher Menschen in schlechten Zeiten. 15.09.2007