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Thiersheim - In der Einschätzung der Frage, ob es einen organisierten Katzendiebstahl gibt, gehen die Meinungen auseinander. Zu unserem Artikel "Damit die Tiere nicht im Versuchslabor landen" vom 16. Januar hatten wird in unserer Freitagsausgabe einen Leserbrief der Aktion "No Catnapping" veröffentlicht. Nun liegt uns zum gleichen Artikel eine Stellungnahme des Deutschen Tierschutzbunds, Bonn, vor.
Demnach werden der Statistik der Bundesregierung zufolge jährlich "nur" rund 800 Katzen in Deutschland zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet. Die Gerüchteküche brodle dennoch. "Schließt man die Verwendung von Katzen in deutschen Laboren aus, bleibt die Befürchtung, gestohlene Tiere würden ins Ausland verfrachtet. Den Nachweis konnte bisher niemand erbringen", heißt es in der Mitteilung.
Der Deutsche Tierschutzbund setze sich zwar seit Jahren dafür ein, dass Tierversuche durch Methoden ersetzt werden, für die keine Tiere leiden oder sterben müssten. Doch nach wie vor würden auch in deutschen Laboren Versuche an Katzen durchgeführt. Die Rechtslage sei eindeutig: Dem Deutschen Tierschutzgesetz zufolge dürften seit 1986 grundsätzlich nur Wirbeltiere zu Versuchen verwendet werden, die eigens für diesen Zweck gezüchtet wurden. Versuchskatzen dürften nur aus Versuchstierzuchtbetrieben und institutsinternen, von den zuständigen Behörden zugelassenen Zuchten bezogen werden. Wissenschaftler, die Versuche an Katzen durchführen wollen, müssten die Genehmigungs- Behörde über die Herkunft ihrer Tiere informieren. Jedes Institut, das Tierversuche mache, müsse einen "Tierschutzbeauftragten" beschäftigen, der prüfen müsse, ob die Herkunft der verwendeten Versuchstiere mit den gesetzlichen Bestimmungen übereinstimme.
Für das Verschwinden von Katzen könne es viele Gründe geben. Vor allem im Frühjahr seien Katzen gerne auch länger unterwegs. Dass ein Kätzchen sich selber ein neues Zuhause sucht, komme gar nicht selten vor. Unzählige Tiere würden zudem als Verkehrsopfer von der Straßenreinigung eingesammelt. Ihre Besitzer erführen nie, was ihrem Tier zugestoßen sei. Hunderttausende Katzen würden von Jägern erschossen. Wer konkrete Hinweise habe, könne hier ebenso Strafanzeige erstatten wie bei dem Verdacht, Katzen würden zur Ausbildung von Kampfhunden eingesetzt.
Dass Fellhändler Katzen einfangen lassen und deren Felle zu Rheumadecken verarbeiten, werde immer wieder vermutet. Altkleidersammlungen kämen in Verdacht. "Es heißt, ein ganzes Netz von internationalen Tierfängern sei unterwegs. Doch der Handel mit Katzen- und Hundefellen ist seit 31. Dezember 2008 in der gesamten EU verboten. Trotz langjähriger Recherchen konnte kein Netz von Tierdieben aufgedeckt werden", heißt es in der Pressemitteilung wörtlich. Im Großraum München zum Beispiel sei vor etwa drei Jahren wegen des Verdachts des organisierten Tierdiebstahls ermittelt worden. "Laut Kriminalpolizei konnten keine Anhaltspunkte für ein Bestehen dieses Delikts gewonnen werden."
In den Tierheimen leben dem Tierschutzbund zufolge unzählige Fundkatzen, nach denen sich nie jemand erkundige. Wenn sie gekennzeichnet und im Deutschen Haustierregister angemeldet seien, hätten Fundtiere eine gute Chance, zu ihrem Besitzer zurückzukommen. Dass manchmal Katzenhasser Katzen in ihrer Umgebung umbringen, könne die regionale Häufung des Verschwindens erklären.


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