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Ressort Wunsiedel
Erschienen am 07.11.2009 00:00
Lichterketten gegen das Vergessen
Rechte Gewalt | In Wunsiedel gibt es am kommenden Samstag Aktionen zum Gedenken und Nachdenken. Bürgermeister Beck zeigt sich zuversichtlich, dass der Nazi-Aufmarsch verboten wird.
Von Matthias Vieweger

Wunsiedel - Bürgermeister Karl-Willi Beck hält es für menschlich unanständig, dass die NPD für kommenden Samstag, 14. November, einen Trauermarsch für den verstorbenen Jürgen Rieger angemeldet hat. "In Wunsiedel hat Rieger seine größte juristische Niederlage erlitten. Den Rechten geht es nicht um den Verstorbenen, sondern um Rudolf Heß. Dem Hitler-Stellvertreter soll an diesem Tag gehuldigt werden", sagte Beck am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Der Bürgermeister zeigte sich, ohne irgendwelchen Entscheidungen vorgreifen zu wollen, zuversichtlich, dass der NPD-Aufmarsch verboten werde. Eine Entscheidung des Landratsamtes wird aber erst Anfang kommender Woche fallen. Zurzeit laden sowohl rechts- als auch linksextreme Kräfte für kommenden Samstag nach Wunsiedel ein.

Unabhängig davon, ob der Rieger-Aufmarsch am kommenden Samstag verboten wird oder nicht, werden die Stadt, Bürgerinitiativen, die Kirche und weitere gesellschaftlichen Organisationen am Samstag, 14. November, Aktionen zum Gedenken und Nachdenken veranstalten.

Im Mittelpunkt steht dabei die Erinnerung an den Todesmarsch vom KZ Buchenwald nach Flossenbürg. Diesem traurigen Kapitel hat sich Karl Rost ausführlich zugewandt. Er fand Zeitzeugen, die berichteten, wie Menschen auf übelste Art und Weise durch die Stadt getrieben wurden. Zwei Strecken sind mittlerweile bekannt: Eine vom Bibersbacher Berg hinunter, vorbei am heutigen Landratsamt, über die Steinerne Brücke nach Marktredwitz; aber auch von der Kemnather Straße ging ein Zug durch die Stadt. Am kommenden Samstag werde diese Wege gekennzeichnet und nachgegangen.

Beginn der Gedenkveranstaltung einen Tag vor dem Volkstrauertag ist um 14 Uhr auf dem Marktplatz. Nach Ansprachen von Landrat Dr. Karl Döhler, Bürgermeister Beck und Karl Rost, Sprecher der Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt, nicht braun", gehen gegen 14.30 Uhr die Märsche los. Zurück am Markplatz, wird ein Gastredner sprechen.

Aber nicht nur der Toten des Nazi-Regimes soll gedacht werden, sondern auch der Opfern des Neonazismus. Deshalb starten die Jugendinitiative sowie die evangelische und katholische Kirchengemeinde um 16 Uhr mit ihren Aktionen. Wie Pfarrer Jürgen Schödel erläuterte, findet zur Friedensdekade ein ökumenischer Stationengottesdienst statt. Auf 30 Holzkreuzen werden die Namen der 148 Opfer stehen, die seit 1990 von Neonazis getötet wurden. Diese Namen werden vor der Stadtkirche, vor dem Maxi-Kindergarten und vor dem Luisenburg-Gymnasium vorgelesen. "Wir wollen erinnern, dass es auch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch Übergriffe und Gewalt gibt", sagte der evangelische Pfarrer.

Ab 17 Uhr werden Lichterketten auf den beiden Strecken der Todesmärsche zu sehen sein - gegen das Vergessen.

Zu der Veranstaltungen werden Bündnisse aus ganz Bayern eingeladen, um das Ganze auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Der Bad Alexandersbader Bürgermeister Peter Berek war gestern gleichsam ein Vertreter der Verbündeten. Als Mitglied der Wunsiedel-Allianz sagte er: "Es ist beeindruckend, in welch kurzer Zeit die Stadt und die vielen Mitstreiter dieses Programm auf die Beine gestellt haben. Von der Stadt wird wieder ein starkes Zeichen ausgehen."

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von piroschka am 07.11.2009 18:52
    Tapfere Wunsiedler
    Kaum denkt man, es ist entgülitig ausgestanden, planen die "Ewig Gestrigen" schon wieder einen Aufmarsch! Wer bezahlt eigentlich das große Aufgebot an Polizei? Werden die Verursacher zur Kasse gebeten?

  • von bimmel1 am 08.11.2009 11:58
    das zahlen die selben
    wie bei solch brisanten Spielen wie Rostock - ST Pauli, BMG - 1.FC Köln ,Offenbacher Kickers - Eintracht Frankfurt etc . Nämlich der Bürger .

  • von kahless00700 am 09.11.2009 10:10
    Verbieten
    Jeder Richter, der so ein Spektakel erlaubt gehört sich selbst an diesem Tag in die Statd gesteckt. Auch wenn eine soclhe Veranstaltung durch rechtliche Spitzfindigkeiten vielleicht legal ist, im Sinne des Gesetzes ist sie bestimmt nicht.

    Also warum hörn unsere Gerichte nicht endlich auf an den Buchstaben des Gesetzes zu kleben und fangen endlich an gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

 

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