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Hof - Eckhard Nagel ist ein pragmatischer Philosoph. Bonhoeffer-Zitate hat er genauso parat wie die Einsatzorte der Bundeswehr im Ausland, Gottvertrauen hat er so sicher im Herzen wie das Skalpell in der Hand, er hat Kirchengeschichte im Kopf und das Gefühl des guten Glaubens im Bauch. Eckhard Nagel ist in Hof, um Werbung zu machen. Werbung für eine große Zusammenkunft, Werbung für die Ökumene, Werbung fürs Christ-Sein selbst. Er ist der evangelische Präsident des Zweiten Ökumenischen Kirchentags vom 12. bis 16. Mai in München. Mehr als 200 000 Menschen hat der erste Kirchentag 2003 in Berlin angezogen, München soll genauso groß und schön und erfolgreich werden. Und ginge es allein nach der Art und Weise, wie Eckhard Nagel die Menschen einlädt - noch viel mehr würden kommen.
Nagel ist Chefarzt des Transplantationszentrums am Klinikum Augsburg und in einer österreichischen Reha-Klinik, er sitzt im Deutschen Ethik-Rat, ist Professor am Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Uni Bayreuth, ist Autor und Herausgeber zahlreicher Fachbücher und sitzt an der Spitze der Planungsmannschaft für den Ökumenischen Kirchentag. Er hat drei Töchter und ebenso viele Doktortitel - in Medizin, Philosophie und, seit zwei Wochen, auch einen Ehren-Doktor in Theologie.
Was Eckhard Nagel am Dienstagabend in der Dreieinigkeitskirche sagt - und es daneben bestimmt auch tut - ist das, was man wohl "gelebter Glaube" nennt. Auf Einladung des Freundeskreises Hof der Evangelischen Akademie Tutzing, der Katholischen und der Evangelischen Erwachsenenbildung ist er gekommen, um für seine Großveranstaltung zu werben. Und etwa 140 Hofer dürfen sich anhören, was er überdies vom Christentum und den Konfessionen, von der Gesellschaft und dem Mensch-Sein berichtet.
Beitrag zur Gesellschaft
Welche Aufgaben nehmen die Christen auf der Welt wahr? Welchen Beitrag leisten sie zum Leben in der Gesellschaft? Was bedeutet die Religion für die Kultur im Land? In Hof greift Eckhard Nagel Fragen auf, die Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache gestellt hat - und nähert sich ihrer Beantwortung zumindest an.
"Ohne die Reformation hätte es nie eine Demokratie geben können", sagt er, und "christliche Werte sind die Grundlage all unserer Entscheidungen". Religion sei nicht immer nur Auslöser von Konflikten - sie sei auch das Medium, Frieden in die Welt zu tragen.
Was ist der Mensch? Was ist das Leben? - Auch seine eigenen Fragen will er stellen vor der Runde der Interessierten beider Konfessionen. Und möchte damit zeigen, warum er sie überhaupt zu nennen wagt: "Die Reformation war ein starker Protest, sie erst hat die Hinwendung der Kirche zum einzelnen Menschen ausgelöst." Und jede noch so große Bewegung wird immer vom Individuum getragen.
Eckhard Nagel ist ein Diplomat, ein glaubwürdiger noch dazu, und doch sagt er klar seinen eigenen Standpunkt. Sein Hauptthema ist die Ökumene und ihre Bedeutung. Im Handel mit seiner katholischen Frau hat er lieber seinen Familiennamen aufgegeben als die Töchter katholisch taufen zu lassen - und trotzdem, oder gerade deshalb: Er kämpft für eine weitere Annäherung der Konfessionen, er sucht die Einigkeit auch in der Verschiedenheit. "500 Jahre Kirchenspaltung bilden eine große Wunde in einem intakten Organismus."
Annäherung nimmt Fahrt auf
Viel Gutes jedoch sei schon geschehen in den vergangenen Jahrzehnten. Katholiken wie Protestanten seien sich einig, dass das Ziel die Einheit sein muss. Und doch brauche es dazu immer wieder den Willen, über seinen Schatten zu springen, Zugeständnisse zu machen, sich von den Kränkungen der Zeitgeschichte nicht persönlich berührt zu fühlen.
"Man muss Zeichen setzen durch gemeinsames Handeln", sagt der Theologe in ihm. "Man muss den Respekt vor der Differenz wahren, aber ohne das Verständnis für den permanenten Status quo", sagt der Philosoph. Und der Mediziner spricht: "Wenn man in der Forschung jeden neuen Schritt aus Angst vor Missdeutungen nicht gegangen wäre, dann wären wir heute noch in der Steinzeit." Der Hinweis auf die Verschiedenheit der beiden Konfessionen dürfe nicht zum ewigen Hindernis der Annäherung werden.
"Damit ihr Hoffnung habt" lautet das Motto des Kirchentags. Das größte Symbol, das die Gläubigen dort ins Feld führen, ist der Tisch - an ihn dürfen sich alle zum gemeinsamen Mahl setzen, keiner wird ausgeschlossen. Er ist das Hoffnungszeichen schlechthin, an ihn sind alle eingeladen. Mit Glaubwürdigkeit und Selbstverpflichtung will die Kirche ein Zeichen setzen gegen alle Weltuntergangsfantasien. Und möglichst viele Menschen sollen mitziehen.
Der Kirchentag
Vom 12. bis zum 16. Mai gehen in München ganze 2955 Veranstaltungen über die Bühne. Zwischen Odeonsplatz, Messegelände und Olympiazentrum kommen protestantische, katholische, orthodoxe und freie Christen zusammen. Die Großveranstaltung will Anlaufpunkt für alle Altersklassen und Schichten sein. Alle Informationen gibt’s im Internet unter www.oekt.de.


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