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Münchberg - Man kennt das Burnout-Syndrom vor allem von Lehrern und Managern her: Auf einmal geht nichts mehr. Man ist einfach "ausgebrannt". Und es kann Monate dauern, bis der Betroffene wieder einsatzfähig ist. Zunehmend tritt der Burnout auch bei Pfarrern auf. Sie stoßen an die Grenzen der Belastbarkeit - und darüber hinaus.
Für Dekan Erwin Lechner ist das gut nachvollziehbar. Im Dekanat Münchberg fehlen gleich vier Pfarrer - einer davon wegen Burnout. Was bedeutet, dass die übrigen noch zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen. "Glücklicherweise bekommen wir zum 1. März eine neue Pfarrerin in Stammbach", freut sich Lechner. "Das schafft ein bisschen Luft." Seine Aufgabe ist es, die Arbeit möglichst so zu verteilen, dass niemand über Gebühr belastet wird.
"Am Burnout-Syndrom erkranken ja vor allem engagierte, hoch motivierte Leute", sagt Lechner. "Irgendwann kann einer einfach nicht mehr - das mag auch manchmal persönliche Gründe haben." Wenn die Gedanken im Kopf rotieren, leidet irgendwann die Arbeit. Das versucht der Betreffende dann vielleicht durch noch stärkeres Engagement zu kompensieren - ein Teufelskreislauf.
"In den letzten Jahren sind die Anforderungen an die Pfarrer gestiegen", weiß der Dekan. Zu den Grundtätigkeiten wie Gottesdienste, Erteilung der Sakramente und Seelsorge seien weitere gekommen, vor allem in der Verwaltung. Immer mehr Entscheidungsprozesse stünden an, zum Beispiel das Personal in Kindergärten und Tagesstätten betreffend. Man jongliere mit hohen Summen, und das alles sei in Statistiken festzuhalten. Die Post und die E-Mails würden von Tag zu Tag mehr. "Vorbei die Zeiten, wo ein Pfarrer nebenher Bienen züchtete und Gedichte schrieb, wie etwa Eduard Mörike", bedauert Lechner. Manchen Pfarrer verfolgten die Probleme bis in den Schlaf. Selbst Dekane hätten schon resigniert und die Pfarramtsführung abgegeben. Auch der Religionsunterricht an den Schulen verursache zunehmend mehr Frust.
Anforderungen steigen
Dekan Erwin Lechner versucht, seine Pfarrer zu entlasten, indem er darauf achtet, dass sie ihre freien Tage regelmäßig nehmen. Einer pro Woche, dazu ein freies Wochenende im Monat steht jedem Pfarrer zu. "Nach einer intensiven Vertretungsphase braucht man auch schon einmal eine Woche frei", weiß der Dekan. Mancher könne leichter abschalten, einem anderen gelinge das weniger gut. "Außerdem ist allen bewusst, dass jede Vertretung auch eine Reduzierung in der eigenen Gemeinde bedeutet."
Arbeitsteilung ist angesagt. In Weißdorf zum Beispiel, das derzeit keinen eigenen Pfarrer hat, macht Pfarrer Hermann Welzel aus Sparneck Vertretung. Aufgaben, die den Weißdorfer Kindergarten betreffen, erledigt Dekan Lechner. Aber auch Kirchenvorsteher und engagierte Gemeindemitglieder versuchen die Pfarrer zu entlasten, indem sie Funktionen und Dienste übernehmen. Die Verantwortung liegt aber auch dann bei den Pfarrern.
"Mehren sich die Probleme und gibt es immer weniger Erfolgserlebnisse, droht das Ganze zu kippen", weiß Lechner. Er setzt auf Entlastungsphasen - und aufs Gebet. "Das Pfarrerdasein hat ja auch eine geistige Dimension. Beten bedeutet, Dinge loszulassen, abzugeben. Das kann befreiend wirken. Verstand und Wissen allein helfen oft nicht." Auch die Supervision bei einem dafür ausgebildeten Kollegen wirke in dieser Richtung.
Mangelnde Akzeptanz des Pfarrerberufs spiele in der Region kaum eine Rolle, meint der Dekan. Belastender als Kirchenaustritte sei die Altersstruktur und die hohe Abwanderungsrate. "Uns fallen an die hundert Kirchenmitglieder pro Jahr weg, das wirkt sich auch auf die Bemessungsgrenzen aus. Stellenabbau droht. Die Arbeit wird aber nicht weniger, oft sogar mehr. Wer kümmert sich zum Beispiel um die alten Menschen?"
Für die Senioren sei der Pfarrer oft ein neutraler Partner, dem sie ihr Herz ausschütten. Manch einer sei gekränkt, wenn ihn der Pfarrer zum Geburtstag oder im Krankheitsfall nicht besucht. In Münchberg habe sich zur Entlastung der Pfarrer ein Besuchskreis gegründet, dem honorige Personen angehören. In kleinen Gemeinden sei immer noch der Pfarrer selbst gefordert.
Wird bei einem Pfarrer das Burnout-Syndrom erkannt, hat er die Möglichkeit, in Selbitz eine "Woche der Stille" einzulegen oder im kirchlichen "Haus Respiratio" bei Iphofen neue Kraft zu schöpfen. Gleich gegenüber, auf dem Gelände der fränkischen Benediktinerabtei Münsterschwarzach, betreibt die katholische Kirche eine ähnliche Einrichtung. Burnout-Fälle gibt es über die Konfessionsgrenzen hinweg - und die Krankheit nimmt nach neuen Untersuchungen zu.
"Trotzdem ist der Pfarrerberuf für mich einer der schönsten", meint Dekan Lechner. "Pfarrer zu sein macht heute sogar noch mehr Sinn - aber damit umzugehen ist nicht leicht."


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