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Ressort Hof-Stadt
Erschienen am 17.03.2010 00:00
Die Erfahrung des Glaubens in Hof
Praktikum | Der brasilianische Theologie-Student Rodrigo Tesche erlebt in der Christuskirche ein Stück geistliches Leben.
Von Christoph Plass
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Ehrfurcht vor der Imposanz des Glaubens in Deutschland: "Die älteste Kirche Brasiliens ist 140 Jahre alt - die Häuser hier haben mich beeindruckt", sagt Rodrigo Tesche. Er war vier Wochen lang Gast von Pfarrer Martin Gölkel von der Christuskirche. Foto: cp
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Hof - In seiner Heimat sehen die Menschen die Sache mit dem Glauben nicht so eng. Was keinesfalls heißt, dass sie Kirche und Gebet nicht ernst nähmen - ganz im Gegenteil: "Die Leute bauen alles spontaner in ihr Leben mit ein", berichtet Rodrigo Tesche aus Brasilien. Jene Natürlichkeit im Umgang mit dem Glauben hat er ein wenig vermisst in Deutschland, wo er seit einem knappen halben Jahr lebt - in Hof aber, in der Gemeinde der Christuskirche, hat er sie plötzlich wiedergefunden.

Rodrigo Tesche ist 21 Jahre alt und stammt aus Espirito Santo, aus einem kleinen Ort an der Ostküste Brasiliens. Das Besondere an seinem Heimatdorf: Die Menschen dort sind evangelisch. Unter den 190 Millionen Brasilianern leben nur eine Million Lutheraner, sie sind zumeist Nachfahren europäischer Auswanderer. So einer ist auch Rodrigo Tesche: Sein Urgroßvater ist Mitte des 19. Jahrhunderts aus Deutschland ausgewandert und lebte in einer deutschen Kolonie in Brasilien. "Und er hat seine Kirche mitgenommen", sagt Rodrigo.

Vor vier Jahren hat der 21-Jährige zu studieren begonnen, Evangelische Theologie auf Pfarramt - dann ergab sich die Gelegenheit, ein Jahr im Land seines Urgroßvaters zu verbringen. Seit September ist er in Deutschland, mit acht anderen brasilianischen Stipendiaten setzt er seinen Studiengang in Leipzig fort. Seine Kommilitonen und er waren vom Gustav-Adolf-Werk, einer Diaspora-Organisation der evangelischen Kirche in Deutschland, für das Auslandsjahr ausgewählt worden. Auf einen dreiwöchigen Crash-Kurs in Deutsch folgten einige Monate Theologie-Studium an der Universität Leipzig. Jetzt, zur Halbzeit seines Deutschland-Besuchs, stand für Rodrigo ein Praktikum an.

Evangelische Enklave?

Dass er das in Hof verbracht hat, war ziemlicher Zufall: "Ich wollte unbedingt nach Bayern, weil ich dachte, die Situation ist hier genauso wie bei mir zu Hause - mit vielen Katholiken und kleinen evangelischen Enklaven." Umso größer freilich sei die Überraschung gewesen, als er die tatsächlichen Begebenheiten in Hof kennengelernt hat.

Der dafür sorgte, dass der junge Brasilianer das Gemeindeleben vier Wochen lang hautnah miterlebte, ist Pfarrer Martin Gölkel. Er hat Rodrigo in Gottesdienste und Gesprächskreise, in den Schulunterricht, den Kirchenchor und den -vorstand, zur Seelsorge ins Gefängnis und zu Hausbesuchen mitgenommen. "Er hat, glaube ich, wahnsinnig viel mitbekommen", sagt Gölkel über seinen Besucher.

Viele Begegnungen

"Ich gehe mit einem großen Koffer voller Erfahrungen", sagt auch Rodrigo selbst - "voller guter Erfahrungen." Die Hofer habe er als nette und offene Menschen kennengelernt, "mehr noch als die Leipziger". Vielen sei er begegnet, nicht nur als Besucher, sondern als angehender Geistlicher. Und da sei er um noch eine Erfahrung reicher geworden: Er hat das geistliche Leben im Alltag erkundet, das Einbauen des Glaubens ins permanente Dasein. "Im Studium wird das nicht gelehrt."

In vier Wochen Hof hat Rodrigo aber auch anderes als Kirchen und Gemeindesäle gesehen, den Theresienstein und die Altstadt zum Beispiel - und die Oper "Luther", bei seinem ersten Theater-Besuch überhaupt. In diesen Tagen ist Rodrigo wieder aufgebrochen nach Leipzig, wo er sein Auslandsjahr beenden wird. "Dann studiere ich in Brasilien weiter. Mit 26 bin ich, so Gott will, Pfarrer." Und dann will Rodrigo, vielleicht, wieder zurück nach Deutschland kommen.

 
 

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