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Hof - Wenn die Zuschüsse "von oben" schwinden, müssen die Bürger selbst aktiv werden. Das gilt auch, wenn es um den Erhalt der Kirchen geht. Denn angesichts sinkender Mitgliederzahlen fehlt es auch den Kirchengemeinden an Finanzkraft. Gotteshäuser geben einem Ort ein Gesicht, bedeuten vielen Menschen ein Stück Heimat, außerdem erfüllen sie kulturelle Aufgaben. Aber sie kosten Geld. Daher hat der evangelische Dekanatsbezirk Hof am ersten Advent 2007 die Stiftung "Kirchen bewahren" ins Leben gerufen. Als Gründungskapital brachte das Dekanat Solidaritätsmittel in Höhe von 60 000 Euro ein. Es war das erste Mal in Bayern, dass eine Stiftung dieser Art auf Dekanatsebene eingerichtet wurde.
"Eine echte Erfolgsgeschichte", so nennt Dekan Günter Saalfrank die bisherige Entwicklung. Seit 2009 bestehe die staatliche Rechtsfähigkeit. Inzwischen habe die Stiftung einen Grundstock von über 100 000 Euro - eine Million sei angepeilt. Die Landeskirche begrüße das Projekt natürlich sehr und lobe die große Solidarleistung vor Ort, die Pilotcharakter habe.
Hohe Sanierungskosten
Dieser Tage konnte der 100. Stifter willkommen geheißen werden. Der Dekan überreichte Albrecht Weber aus Hof, einem Mann der ersten Stunde, den Stifterbrief. "Wir freuen uns, von so vielen Menschen Rückenwind zu erhalten", sagt Saalfrank. "Wir hören auch immer wieder, die Stiftung sei eine gute Sache."
Immerhin konnten schon drei Kirchen davon profitieren: die in Isaar, wo etwas gegen den Holzwurm unternommen werden musste, die in Kautendorf, wo statische Probleme zu beheben waren, und die Hofer Lorenzkirche, zu deren Generalsanierung ein Beitrag geleistet wurde. Auch heuer können Kirchengemeinden Stiftungsmittel beantragen. Es gibt sie für substanzerhaltende Maßnahmen, nicht für Kunst oder Verschönerung.
31 Kirchen stehen im evangelischen Dekanatsbezirk Hof. "Deren Unterhalt ist eine enorme Aufgabe", sagt der Dekan. Mit mindestens 2,2 Millionen Euro Instandsetzungskosten sei in den nächsten zehn Jahren zu rechnen. Dafür müssen die Kirchengemeinden aufkommen, unterstützt durch die Landeskirche. Wenn das nicht ausreicht, kann jetzt die Stiftung einen Beitrag leisten.
Günter Saalfrank weiß, dass die Menschen in der Region an ihren Kirchen hängen. Und nicht nur hier: "In den neuen Bundesländern hat man die Erfahrung gemacht, dass sich auch Menschen engagieren, die keiner Konfession angehören. Sie spüren, dass eine Kirche mehr ist als irgendein anderes Gebäude." Wenn es nach ihm geht, wird keines der Gotteshäuser verkauft und umgewidmet. "Wir gehen einen anderen Weg", sagt er. "Wir wollen den Erhalt dauerhaft sichern."
Gemeinsam geht's besser
"In den letzten 25 Jahren gingen dem Dekanat 18 000 Mitglieder verloren, das sind 400 000 Euro pro Jahr, wenn man's hochrechnet . . . Künftig müssen eben weniger Menschen mehr Lasten tragen", sagt Peter Hager vom Stiftungsvorstand. Neben den laufenden Spenden und Zuschüssen müsse man langfristig einen finanziellen Grundstock aufbauen. "Die Kirchengemeinden können das gar nicht allein schultern. Da brauchen wir alle Dekanatsmitglieder. Gemeinsam geht's besser. Jammern hilft nichts."
Stiften kann jeder. Ab einer Zuwendung von 100 Euro gibt es einen Eintrag ins Stifterbuch, ab einem Betrag von 1000 Euro zusätzlich den Stifterbrief. "Es gibt viele Menschen, die etwas Sinnvolles tun wollen, die vielleicht keine Familie haben und der Kirche ihr Leben lang verbunden waren", so Hager. "Wir hätten uns 2007 nicht träumen lassen, dass der finanzielle Grundstock der Stiftung so schnell wächst. Es dauert vielleicht gar nicht so lange, bis wir die Million erreicht haben."
Das eingebrachte Vermögen bleibt übrigens dauerhaft erhalten, nur die Erträge aus dem Stiftungsvermögen werden zur Erfüllung des Stiftungszwecks verwendet. Wer sich informieren will, kann sich an alle Pfarrämter des Dekanats wenden.



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