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Erschienen am 28.03.2008 00:00
„Ich hab das unterschätzt“
Grenzland-Filmtage | Warum ein Traditionsfestival zum Filmwochenende abspeckt
Von Michael Thumser
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Utz Reich, Vorsitzender des Vereins zur Förderung grenzüberschreitender Film- und Kinokultur e.V.
Bild:  

Vor fünf Jahren schien es, als wären die Grenzland-Filmtage nicht mehr zu retten. Dann trat, im Jahr darauf, ein neuer „Verein zur Förderung grenzüberschreitender Film- und Kinokultur e.V.“ an, das oft schon totgesagte Selber Festival zu reanimieren. Nur wollte sich die Anfangseuphorie nicht lange halten. Jetzt, in diesen Tagen, hätte die 31. Auflage stattfinden sollen – doch Utz Reich als Vorsitzender des Trägervereins teilte (wie berichtet) kürzlich mit, das Kinotreffen werde auf Mitte Mai verschoben, verknappt auf drei Tage.

Herr Reich, mit was für einer Veranstaltung darf der Cineast noch rechnen?

Utz Reich: Wir organisieren ein richtiges Festival, wenn auch in aller Kürze. Wir suchen und finden Sponsoren, es wird ein Plakat und, nicht zuletzt, einen Katalog geben – alles, wie es sich gehört. Was aus den Filmtagen von 2009 an wird, steht freilich in den Sternen. Ich kann mir ein „Filmwochenende mit Freunden“ vorstellen, mit unseren bewährtesten Kräften und den alten Vertrauten aus Russland, Polen, Österreich. Jedenfalls muss sich der Verein, will er weitermachen, anders positionieren und ein neues Konzept entwerfen.

Wie wird aus einem Traditionsfestival ein Filmwochenende? An Elan hat es 2004 doch wahrlich nicht gefehlt.

Damals ging, nach dem Ausscheiden des alten Teams, ein Aufschrei durch die Kulturregion: Tut alles, um die Filmtage zu retten! An die Spitze der sehr emotional geführten Diskussion setzte sich zunächst dankenswerterweise der Verein „Kulturhammer“ in Kaiserhammer. Als ich Interesse an einer Mitarbeit bekundete, hieß es bei den Verantwortlichen und nicht zuletzt bei der Stadt Selb: Mit Ihnen an der Spitze – da kann das was werden.

Und warum wird jetzt nichts mehr daraus?

Das hat persönliche Gründe und hat Ursachen im Verein ...

Bitte Ihre zuerst.

Als ich einstieg, hatte ich noch genug Freiraum, um mich neben meinem Beruf – ich betreibe in Hof eine PR-Agentur – mit ausreichend Energie und Zeit auf die Organisationsarbeit zu werfen. Das änderte sich seither: Das Auftragsaufkommen meiner Firma und die Zahl meiner Angestellten sind gewachsen; die Aufgabenbreite wie auch meine Verantwortung nahmen zu. Nicht selten bin ich an sieben Tagen der Woche unterwegs. Den Leitungsjob in Selb kann man nicht nebenher erledigen, mir aber bleibt immer weniger Zeit dazu.

Könnte nicht vieles vom Filmtage-Team aufgefangen werden?

Da eben liegt der andere Hund begraben. Von den vielen, die vor vier Jahren enthusiastisch ins Boot stiegen, blieb kaum eine Handvoll verlässlicher Mitarbeiter übrig. Manch einer hat der Arbeit oder des Studiums wegen die Region verlassen. Fest zum Festival stehen Dagmar Franke und Sabine Könner, Sabine und Frank Römhild. Die arbeiten unermüdlich zu und besuchen Festivals, von denen sie Filme mitbringen. All das geschieht in der Freizeit. Von denen aber, die nur gerne mal den Mund voll nehmen, ist nicht jeder willens, Ähnliches zu leisten.

Gibt es folglich Spannungen im Team?

Sagen wir: unterschiedliche Vorstellungen über die Präsentation des Festivals und über die Profilierung seiner Macher. Ich ließ nie einen Zweifel daran, dass ich an meinem Vorstandsposten nicht klebe. Aber die Verantwortung wollte dann doch keiner übernehmen.

Das heißt, Sie müssen im Amt bleiben, ob Sie wollen oder nicht?

Keineswegs. Der Verein weiß seit geraumer Zeit, dass ich den Vorsitz bei der Mitgliederversammlung Ende Mai definitiv niederlege.

Und wer rückt nach?

Ich hab keine Ahnung. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Welche Bilanz ziehen Sie persönlich?

Ich bin selbstkritisch und offen genug, um zuzugeben: Ich hab die Sache damals einfach unterschätzt. Ich hab’s nicht geschafft, das Team dauerhaft zu motivieren und zu erneuern. Und es gelang uns nicht, das Publikum in einem Maß für das Festival zu interessieren, dass es in den Größenordnungen der späten Achtziger und der Wendezeit zu uns strömte. Im vergangenen Jahr kamen nicht mal halb so viele Besucher wie in jener Hochzeit.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ringen die Selber Filmtage nicht nur um ihre nackte Existenz, sondern ebenso um ihre Identität als ost-westeuropäischer Filmtreff. Eine ketzerische Frage: Hat sich das Festival überlebt? Vielleicht braucht es ja einfach keiner mehr.

Kann leicht sein. So leid es mir tut.

Klingt fatal so, als stünden endgültig das Aus und der Abschied bevor.

Das fürchte ich auch.

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von chrisnick am 30.03.2008 20:37
    ...oder was übrig ist
    Das Ende der Folgeveranstaltung ist damit auch besiegelt, die Grenzland-Filmtage sind
    nun unweigerlich Geschichte.

    http://www.grenzland-filmtage.org

 

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