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Und das ist es auch an diesem 18. August, am Tag nach dem 20. Todestag von Rudolf Heß. Statt der befürchteten 1000 Neonazis verlieren sich nur etwa 250 Rechte in dem Städtchen, zeigen T-Shirts mit der Aufschrift „Eure Galgen werden schon gezimmert“ und Fäuste, auf die „Hass“ tätowiert ist – das ursprünglich als SS-Rune gezeigte Doppel-S mühsam kaschiert, weil es dem Träger wohl das eine oder andere Strafverfahren eingetragen hat.
So martialisch der Aufmarsch der Rechten auch ist – die rund 1000 Gegendemonstranten lassen sich nicht einschüchtern. Sie feiern auf dem Marktplatz eine Art Volksfest. „Das einzige, was die Stimmung trübt, ist, dass wir nach Vorgabe des Verwaltungsgerichts Bayreuth unseren Marktplatz räumen müssen, damit die Nazis hier demonstrieren können“, klagt Gräfenbergs Bürgermeister Werner Wolf am Mittag. Ein paar Stunden später zeigt sich, dass kollektiver ziviler Ungehorsam den Bürgerwillen durchsetzen kann: Die Demonstranten bleiben einfach auf dem Marktplatz und zwingen die Polizei dazu, die Rechten zu stoppen. Das mag rechtswidrig sein, aber es funktioniert. Die Polizei verzichtet nach einem eher halbherzigen und von wütenden Pfiffen begleiteten Räumungsversuch darauf, Gewalt anzuwenden, um den Rechtsextremisten freie Bahn zu schaffen.
So bleibt den NPD-Anhängern nur, auf dem Bahnhofsplatz darauf zu warten, dass der Marktplatz doch noch frei wird – vergeblich, denn die Bürger haben mehr Geduld. Und mehr Bratwürste. Ein Wirt in der Innenstadt sorgt für Nachschub.
„Das war der größte Widerstand gegen eine NPD-Veranstaltung, den wir je in Gräfenberg hatten“, sagt Fritz Kailer, der am Marktplatz am Absperrgitter der Polizei steht. „Ich hatte mir einen solchen Protest der Bürger gewünscht, aber nicht damit gerechnet“, sagt der 72-Jährige. „Ich finde es klasse, dass die Bürger sich entschieden haben, doch noch zu bleiben“, freut sich eine Frau. Sie fühle sich schon lange bedroht durch die allmonatlichen Versuche der NPD, in ihrer Stadt Fuß zu fassen. An diesem Samstag gelingt es nicht. (red)



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