Ohne Sichtkontakt
Zu Zusammenstößen ist es nicht gekommen. Über 1500 Polizisten aus ganz Bayern und Hessen unterbanden jegliche Form von Zwischenfällen. Dank des großen Polizeiaufgebots gelang es, die drei Veranstaltungen in der Wunsiedler Innenstadt konsequent zu trennen. Mit quer zum Straßenverlauf gestellten Mannschaftswagen unterbanden die Sicherheitskräfte sogar den Sichtkontakt zwischen den linken und rechten Gruppierungen.
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Der Marktplatz und zentrale Teile der Wunsiedler Innenstadt gehörte am Samstag dem "Wunsiedler Bündnis". Der Zusammenschluss aus Stadt, Kirchen und Jugendinitiative hatte bereits seit Monaten eine Aktion zum Gedenken an die Opfer eines Todesmarsches vorbereitet, der 1945 durch Wunsiedel geführt hatte. Auf dem Gebiet der Stadt waren damals 30 KZ-Häftlinge umgekommen; sie liegen auf dem Wunsiedler Friedhof begraben. Dementsprechend legte das Bündnis Wert darauf, dass es sich bei seiner Aktion keineswegs um eine Gegendemonstration zum überraschend genehmigten Aufmarsch der Neonazi-Szene handelte. Nach einer Kundgebung auf dem Marktplatz gingen Wunsiedler Bürger und ihre Gäste in einem Trauermarsch den Leidensweg ab, den die aus dem KZ Buchenwald kommenden Häftlinge einst genommen hatten. 1500 rote Grablichter zeichneten diese Route auch optisch nach. Karl Rost, Sprecher der Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt" machte deutlich, dass die Aufarbeitung der historischen Vorgänge damit nicht abgeschlossen ist. "Wir wollen, dass dies ein Teil des Gedächtnisses dieser Stadt wird", sagte Rost. Nur so könne man die Menschen gegen "Geschichtsfälscher" vom Schlage eines Jürgen Rieger und seiner Gesinnungsgenossen immunisieren.
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Dass der Rechtsextremismus in Deutschland noch immer über Leichen geht, zeigte eine weitere Aktion des Samstags. In einem ökumenischen Stationengottesdienst wurde der 148 Menschen gedacht, die in Deutschland seit dem Jahr 1990 Opfer der rechten Gewalt geworden sind. Wunsiedler Jugendliche hatten 30 Holzkreuze gebaut, an denen Zettel mit den Namen dieser Opfer befestigt waren - darunter jene der Familie Genç, deren Haus in Solingen im Mai 1993 von rechtsradikalen Jugendlichen angezündet worden war. An drei Stellen der Wunsiedler Innenstadt wurden diese Kreuze wider das Vergessen abgestellt.
Kreuze am Straßenrand
Auch Wunsiedels Bürgermeister Kar-Willi Beck kündigte an, dass Wunsiedel an seinem Kurs der aktiven Auseinandersetzung mit den dunkelsten Seiten deutscher Vergangenheit festhalten werde. Der Demokratie sei damit mehr gedient als mit jedem Versuch des Wegschauens und Verschweigens. Für die Kirchen, die das Wunsiedler Bündnis mittragen, machte der evangelische Pfarrer Jürgen Schödel deutlich: "Frieden stiften, das bedeutet auch, die geistigen Brandstifter zu benennen".
















