Mit immerhin 50 Metern ist die Grünbrücke noch ein Stückchen breiter als die A 93, über die sie hinwegführt. Grün heißt sie deshalb, weil das Bauwerk mit Gehölzen bepflanzt wird, die den Benutzern Schutz und Deckung bietet. Zudem ist eine hölzerne Sichtschutzwand geplant, die nachts verhindern soll, dass der 38-Tonner unten dem 18-Ender oben in die Augen leuchtet.
Dass im Rehauer Forst eine von nur drei Wildbrücken über Autobahnen in ganz Bayern gebaut wird, hat seine Gründe in der wichtigen Brückenfunktion, die das Fichtelgebirge für den Zug der Wildtiere in diesem Teil Europas hat. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass genau hier der vom Kornberg kommende, bewaldete Schenkel des "granitenen Hufeisens" ohne nennenswerte Unterbrechung in das Elstergebirge und weiter bis in das Erzgebirge hinüberreicht. Weitgehend ungestört können Wildtiere aus dem Osten Europas hier nach Westen wandern. Nach Süden reicht die Verbindung in den Bayerischen und den Böhmerwald, nach Norden über Frankenwald und Thüringer Wald bis in den Harz.
Über vier Millionen für den Naturschutz, das weckt unwillkürlich den Neid von Städten und Gemeinden, die ihre Wunschprojekte im Konjunkturpaket II nicht untergebracht haben. Das weiß auch Regierungsdirektor Michael Grauvogl von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberfranken, die zuständig für die Vorbereitung des Bauvorhabens ist. Keineswegs sei es so gewesen, dass man die Grünbrücke so einfach aus dem Hut gezaubert habe, nur weil es auf einmal Gelder aus Berlin gegeben habe, versichert er. Seit Jahren untersuche das bayerische Landesamt für Umwelt, wie man bedeutsame Wildtierkorridore wiederherstellen könne. Die Brücke im Rehauer Forst sei in einem landesweiten Konzept als eine von nur zwei Vorhaben in den Rang einer Sofortmaßnahme eingestuft. Umso erfreulicher, so Grauvogl; sei es, dass man jetzt der Einsicht auch die Tat folgen lassen könne.
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Schon seit geraumer Zeit ist unter Naturschützern unstrittig, dass die Verbindung von Naturräumen ebenso wichtig ist wie der Schutz einzelner Naturräume. Die genetische Vielfalt und damit die Überlebensfähigkeit vieler Wildarten kann nur gesichert werden, wenn diese wandern können. Der jahrhundertealte Zug der Hirsche zwischen Fichtelgebirge und Erzgebirge ist dafür nur ein Beispiel. Auf eine durchlässige Landschaft sind auch Tiere wie der Fischotter und der Luchs angewiesen, auf die man im Fichtelgebirge sehr stolz ist. Beide Arten benötigen sehr große Reviere, aus denen die Jungtiere nach der Aufzucht jeweils vertrieben werden und die sich neue Lebensräume suchen müssen. Aber auch von Kleinnagern, Reptilien und selbst Insekten werden solche Grünbrücken genutzt. Deshalb, so Grauvogl, wird die Oberflächengestaltung der neuen Brücke dem Lebensraum Wald auf beiden Seiten der Autobahn angeglichen.
Schutz vor Wildunfällen
Auch der Mensch profitiert von der neuen Brücke - nicht nur als Naturschützer, sondern auch als Autofahrer. Dass die A 93 tatsächlich lange vor ihr bestehende Wildwanderwege durchschnitten hat, kann man an den Maschendrahtzäunen links und rechts der Trasse sehen. Nur mit diesen Wildzäunen gelingt es, Hirsche und Rehe von der Fahrbahn fernzuhalten. Vor allem Wildschweine sind dafür bekannt, sich gern an diesen Zäunen zu erproben und sie zu unterwühlen. Die Folge sind schwere Unfälle in ganz Deutschland. Dabei müssen nicht Wildschweine ihr Leben lassen, sondern auch Autofahrer, die ihnen nicht ausweichen können.
















