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Erschienen am 21.01.2010 00:00
Mobilfunk im Visier
„Selbitz-Studie“ | Ärzte stellen nach einer Bürger-Befragung in der Stadt im Frankenwald fest, dass es mit zunehmender Nähe zu Mobilfunkmasten deutlich mehr und stärkere gesundheitliche Beschwerden gibt. „Die deutschen Grenzwerte sind viel zu hoch.“
Von Thomas Hanel
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Dr. Horst Eger: "Eine Abschaltung für ein paar Monate wäre die beste Kontrollmöglichkeit." Foto: Archiv
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Selbitz - Nach seiner "Nailaer Studie", die 2004 für Aufsehen gesorgt hat, tritt der Allgemeinmediziner Dr. Horst Eger aus Naila nun mit dem Ergebnis einer weiteren Untersuchung an die Öffentlichkeit: der "Selbitz-Studie". Anders als vor sechs Jahren, als aus den Strahlungsstärken einer Mobilfunkanlage in Naila Rückschlüsse auf bereits registrierte bösartige Tumor-Erkrankungen gezogen worden waren, ging es Eger dieses Mal im wenige Kilometer entfernten Selbitz um Symptome von Krankheiten - genauer darum, herauszufinden, ob Mobilfunk Einfluss auf die Beschwerden hat.

Das Interesse galt den Auswirkungen einer Anlage auf dem Dach des städtischen Wohnhauses Feldstraße 28/30, auf dem zwei Funkmasten der Unternehmen O2 und E-Plus installiert sind. Und so wurden Anfang vorigen Jahres 1080 Fragebögen an Selbitzer Bürger verschickt, die allesamt über achtzehn Jahre waren und die der Geschlechts- und Altersstruktur der Erwachsenen in der 4600-Einwohner-Stadt entsprachen. Die Aktion fand in enger Abstimmung mit Bürgermeister Klaus Adelt und in Zusammenarbeit mit den Selbitzer Ärzten Dr. Manfred Jahn, Dr. Irmgard Müller, Dr. Max Feldwieser, Dr. Stefan Richter und Sabine Berkowski sowie den Schauensteiner Medizinern Dr. Klaus Brömel und Dr. Mirsada Prozder statt.

88 Symptome von 0 bis 5

Die Befragten wurden in fünf Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe wohnte bis zu 100 Meter von der Mobilfunkanlage entfernt, die zweite zwischen 100 und 200 Meter, dann zwischen 200 und 300 Meter, 300 und 400 Meter und ab 400 Meter, das war die "Kontrollgruppe". Den Probanden war diese Vorgehensweise bewusst nicht klargemacht worden, um eine Beeinflussung von vornherein zu vermeiden.

Nach gut einem Monat, im Februar 2009, war die Aktion beendet. 251 Bürger, knapp 25 Prozent der Adressaten, hatten die Fragebögen zurückgesandt. Für Eger eine beachtliche Zahl, denn immerhin mussten sich die Testpersonen Mühe machen: Insgesamt 88 Gesundheitsbeschwerden waren auf einer sechsstufigen Steigerungs-Skala zwischen 0 und 5 abgefragt worden - von Schlafprob-lemen, chronischer Erschöpfung, Kopfschmerz, Nervosität, Hitzegefühl, Gereiztheit, depressiver Stimmung und Panikattacken bis hin zu Konzentrationsstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, allergischen Reaktionen, Herzrasen, Erhöhung des Blutdrucks, Schwindelgefühl, Augenproblemen und Verdauungsstörungen.

Jetzt sind die Fragebögen aus-gewertet. Für Dr. Eger und die sieben beteiligten Kolleginnen und Kollegen ist das Resultat eindeutig: Je näher die befragten Bürger an der Mobilfunkanlage wohnen, desto stärker sind ihre Beschwerden. Konkret: Die vier Gruppen in einem Radius bis zu 400 Metern um die Funkmasten - zusammen 180 Menschen - weisen im Gegensatz zu der weiter entfernt lebenden Kontrollgruppe (71 Bürger) bei folgenden der abgefragten Symptome deutlich ausgeprägte Krankheitsmerkmale auf: Schlafstörungen, Depressionen, gestörte Hirnfunktionen, Gelenkbeschwerden, Infekte, Hautveränderungen, Störungen des Herz-Kreislauf-, des akustischen und optischen wie des Hormonsystems und auch des Magen-Darm-Trakts.

Die sogenannte Feldstärke der Mobilfunkstrahlung betrug im 200-Meter-Kreis um die Anlage durchschnittlich 1,17 Volt pro Meter, zwischen 200 und 400 Meter 0,7 V/m und ab 400 Meter 0,18 V/m. Durchweg unterschritten die Werte das gesetzlich festgelegte Höchstlimit deutlich - und doch gab es eine ganze Menge "signifikanter" Beschwerden: Diese Feststellung als Ergebnis des angewendeten Testverfahrens sagt aus, dass die Mikrowellen mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent schädigenden Einfluss auf das Nervensystem des Menschen haben.

Im rechtlichen Sinn ist das noch kein Beweis. Um den antreten zu können, schlägt Dr. Eger vor, die Selbitzer Mobilfunkanlage für einige Monate abzuschalten, ohne die Bürger darüber zu informieren, dann wieder in Betrieb zu nehmen - und eine erneute Untersuchung für den Zeitraum der Stilllegung zu starten. "So hätten wir die optimale Möglichkeit des Vergleichs. Das wäre die beste Kontrolle." Fest steht für den Arzt als Konsequenz der Studie: "Die deutschen Grenzwerte sind viel zu hoch. Sie müssen dringend überprüft werden."

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von atcler am 21.01.2010 06:56
    Zweifelhaft
    Mal abgesehen davon, dass der Herr auf dem Bild auch nicht gerade den gesündesten Eindruck macht, stellt sich doch die Frage, inwieweit man einer Studie vertrauen kann, die sich auf Äußerungen von gerademal 25% der befragten beruft. 251 Bürger von 4600 Einwohnern... Vermutlich sind dass auch diejenigen, die sowieso gegen Mobilfunk sind und denen mit erhalt des Fragebogens wiedermal eingefallen ist, dass sie krank sind und dass ja auf jeden Fall vom Mobilfunk kommen muß.

    Leute!
    Das Problem sind doch nicht die Masten sondern das Handy mit schlechtem Empfang direkt am Ohr des Nutzers. Das ballert dann nämlich mit maximaler Leistung und dann wirds warm am Kopf...

  • von freierbuerger am 21.01.2010 23:40
    Sehr gut!!
    Ich glaub ich hab den Herrn schon mal wo gesehen. War das nicht der Obermaschinist Johann in Das Boot? Ist wahrscheinlich Schauspieler im Nebenberuf. Oder eher hauptberuflich?!? Wer weis... Mannmannmann, solche Ökopaxen könnne auch nur noch in der Provinz ne Welle machen. Möchte mal wissen, wer diesen Kappes bezahlt.

  • von obi_hoernchen am 21.01.2010 12:01
    JaJa
    "Oft klagen Anwohner über Symptome, obwohl die neue Antenne noch gar nicht in Betrieb ist – oder die Symptome verschwanden, wenn T-Mobile. Vodafone, E-Plus oder O2 die Anlage unterm Dach eines Hauses oder in einer Kirche versteckte. Aus den Augen, aus dem Sinn. Hier scheinen Ängste tatsächlich Symptome auszulösen."
    http://www.connect.de/themen_spezial/Mobilfunk_566456.html

  • von hut am 21.01.2010 12:16
    Alte Erinnerungen
    Ich kann mich noch gut an ein Lexikon aus meiner Lehrzeit erinnern, in dem Asbest als für viele Anwendungen hervorragendes Material bezeichnet wurde, und die damals "vermuteten" Gesundheitsschädigungen wohl nur auf Zweifler zurückzuführen sind.

    Wir wollen Autobahnen, aber nicht vor der Haustür. Wir wollen Handys, aber keine Masten. Wir wollen Öko-Strom, aber keine Windräder. Und wir wollen Bio essen, aber keinen Güllegeruch.

    Fortschritt ja, Handymasten müssen sein, den Handys sind heutzutage aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Aber wachsam sollten wir dennoch bleiben.

    Und der Verweis auf einen Bericht einer Zeitschrift, die ihr Geld mit Mobilfunk verdient, darf wohl nicht als objektiv betrachtet werden.

  • von tacheles am 21.01.2010 12:35
    Radar auf Döbraberg
    Man sollte lieber mal eine Studie über das Radar auf dem Döbraberg machen.
    Seit zehn Jahren funktioniert das Riesenteil rundum für die Luftüberwachung.
    Vorher ging es nur für die militärische Luftüberwachung in einen kleinen Bereich Richtung Osten.
    Vielleicht ist es ja die Radarstrahlung vom Döbraberg die den Leuten mehr schadet.......

  • von snuff am 21.01.2010 16:18
    Döbraberg Radaranlage
    An tacheles

    Anfrage eines Unwissenden:
    Ist denn die Radaranlage
    überhaupt noch in Betrieb ?
    Ich dachte die beiden Anlagen
    in Hof und Döbra sind stillgelegt ?

  • von schneemann2 am 21.01.2010 16:43
    @Snuff
    Von Hof weiß ich nix, aber AFAIK wird der Döbraberg seit Jahren für zivile Luftraumüberwachung genutzt. Zumindest lief das Teil noch vor 2 oder 3 Jahren, als ich das letzte mal dort war

  • von atcler am 21.01.2010 23:28
    Nicht richtig
    Früher wurden die Daten vom Döbraberg (auch der Wasserkuppe) zivil zur Überwachung der Berlin-Flugkorridore genutzt. Man hatte ja in der DDR keine Anlagen stehen. Die Reichweite der damaligen Anlage betrug rund 400NM (ca. 800km). Die Daten wurden einmal per Richtfunkstrecke und parallel über Ramstein und Satellit nach Berlin übertragen.

    Nach der Wiedervereinigung werden die Daten nur noch militärisch genutzt, da mittlerweile auch die zivilen Anlagen erweitert wurden (Auersberg bei Chemnitz).

    In Hof war nie eine aktive Radarantenne, auch wenn die Einheit "Fernmelde- und Radarstelle" hieß. Dort standen nur passive, also empfangende Antennen (alles abgebaut!!)

  • von edigoesbruxelles am 21.01.2010 21:39
    Handystrahlen verhindern Alzheimer
    ...für manche kommt die Entdeckung zu spät.

    http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Handystrahlen-verhindern-Alzheimer--bei-Maeusen/story/10630837

    In manchen Allgemeinpraxen in Naila gibt es Schnurlostelefone (DECT)...
    So what?

  • von atcler am 21.01.2010 23:22
    Läuft noch
    Die Anlage läuft noch, ist aber vor Jahren bereits durch eine neue effektivere (und leistungsärmere) Phsed Array Antenne ersetzt worden.

    Durch die Pencil-Beam-Technik wird keine so hohe Pulsleitung wie beim früheren MPR gebraucht.

  • von obi_hoernchen am 21.01.2010 23:29
    Strahlenbelastungen
    Sendemast Mobilfunk: 10-50Watt
    Luftüberwachungsradar: teilweise über 2 Mio Watt
    UKW Sender: bis zu 2 Mio Watt
    (Man denke auch an die RIAS-Sender die Jahre lang hier gestrahlt haben)

    Ach ja Mikrowelle: 8,42 V/m
    Mobilfunk war laut Artikel bei max 1,17(im Gebäude ist das nochmal wesentlich schwächer).
    Grenzwert liegt bei 41 bzw 61 V/m

    Aber an allen ist nur der böse Mobilfunk dran Schuld...

  • von atcler am 21.01.2010 23:38
    Nicht vergleichbar
    Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, das RADAR nicht mit Mobilfunk zu vergleichen ist. Die Antennen sind zum Himmel gerichtet, wohingegen Mobilfunkt sich logischerweise in hauptsächlich in Bodennähe abpielt. Von technischen Unterschieden gar nicht zu sprechen...

    Übrigens:
    Die alten RIAS-Sender in Hof hatten eine so starke analoge Leistung, dass selbst Leuchtstoffröhren in deren Nähe ohne Anschluss aufleuchteten...

  • von tacheles am 22.01.2010 09:48
    Radar
    Lest euch das mal durch:

    http://tinyurl.com/ykbqafb

  • von Bergziege am 22.01.2010 14:07
    Verdammte Strahlung ?
    Überall wo Strom fließt werden elektrische Felder aufgebaut.Also raus mit den Stromleitungen aus dem Haus.
    Und wieder Kerzen und Kohleherd rein.
    Wenn der Rettungsdienst unterwegs ist, sucht er sich dann ein öffentliches Telefon.
    Umso dichter das Mobilnetz um so geringer die benötigte Leistung.
    Früher hat sich keiner an Radiosendern gestört und da war Mittelwelle Spaß gegen Kurzwellensender.Da leuchteten in der Nähe Glühlampen ohne Stromleitung.War auch für die Männer nicht gesund(Impotenz).
    Ja und wenns um die Gesundheitsgefahr geht dann sofort alle Autos weg.CO2 und Feinstaub
    Es gibt nicht eins ohne das Andere.
    Technikfreundliche Bergziege

  • von Skeptiker am 22.01.2010 14:52
    Funksender heimlich abschalten?
    "Mobilfunkanlage für einige Monate abzuschalten, ohne die Bürger darüber zu informieren"

    Manomann, das sind Fachleute am Werk.
    ...dieser Vorschlag macht alles klar, Kommentar eigentlich unnnötig.

    Die Sender werden nämlich nicht aufgestellt, dass die Leute drüber telefonieren können, sondern weil unten so ein Loch drin ist, wo das Geld rauskommt. Der pöse Profit.
    Gell Dr. Eger?

  • von franko am 22.01.2010 19:41
    Ich seh schon
    die Krebsraten der Region sind viel zu gering )Darum noch mehr Autos, Sendemaste .Atomkraftwerke, Genfutter, ect.ect.Aber lasst Euch dann bitte nicht behandeln denn das kostet mein Steuergeld.....und das ist es mir nicht wert....die zu unterstützen von meinen sauer verdienten Geld! har har har
    Auf zu weiteren Untaten.... ))

 

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