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Erschienen am 14.09.2009 00:00
Goldene Zeiten auf dem Goldberg
Musikklänge | Beim zweiten Festival Mediaval in Selb geben sich zahlreiche Größen des Mittelalter-Genres die Ehre. Die Besucher tauchen drei Tage lang ein in eine völlig andere Welt.
Von Daniela Mühlbauer

Selb - Bei Glücksstau im Körper hilft nur noch schreien. Der Mann mit den angeklebten spitzen Ohren und dem Fell auf dem Rücken ist mit einem solchen Augenblick gesegnet. Er reckt beide Hände zum Himmel - in jeder einen langen Stock mit Fellen und Tierknochen daran - und kann nur noch brüllen. "Ist das geil! So viele tolle Leute auf einer Bühne! Uaaah!"

Am Samstagabend sind die Besucher des zweiten Festivals Mediaval auf dem Selber Goldberg total aus dem Häuschen. Nicht nur, dass sich mit "Omnia" aus den Niederlanden eine der angesagtesten Bands der Mittelalter-Szene angekündigt hatte. Die Pagan-Folker können ihren Auftritt offenbar gar nicht erwarten. Sie kommen bereits zur Show von "Valravn" aus Dänemark auf die Bühne und singen sich vor großem Publikum schon einmal ein. Oliver Sa.Tyr von "Faun" muss es wohl auch stark in den Fingern gejuckt haben. Auch er macht mit - obwohl er erst am Sonntagabend offiziell auf dem Programm steht.

"Valravn" aus Dänemark sind der Geheimtipp des Festivals. Die Stimme der bildhübschen Anna Katrin Egilstrød erinnert an die junge Björk: stark, kehlig, eigenwillig. Zusammen mit ihren vier Musikern zieht die Sängerin eine Show ab, bei der es schwer fällt, ruhig zu halten. Und aus dem anfänglichen Gewackel im Publikum wird schnell ein ausgelassener, befreiender Tanz der Massen. Spätestens nach diesem Auftritt dürfte "Valravn" nicht mehr länger als Geheimtipp gelten. Nicht schlecht, die Dänen!

Vom Newcomer zum Wegbereiter: Mit "Ougenweide" sind bereits zum zweiten Mal in Folge die Pioniere mittelalterlicher Klänge auf dem Selber Goldberg zu Gast. Es ist das einzige Konzert, das die Band in diesem Jahr gibt (siehe unten stehendes Interview) - der Ritterschlag für das noch junge Festival in Selb.

Während die Gruppe "Qntal" aus Süddeutschland ihr Publikum in eine Welt voller Wohllaut und Harmonie entführt, taut Kugelkünstler Kevin Kalvus hinter der Bühne seine Finger auf. Dann nimmt er eine tennisballgroße durchsichtige Glaskugel und lässt sie von der Hand über den Arm zum Nacken hinauf kullern. Kurz hält er inne, dann geht ein Ruck durch seinen Körper und die Kugel fliegt durch die Luft, um wie selbstverständlich wieder auf seinem Arm zu landen.

Ein wenig aufgeregt sei er, erzählt Kevin Kalvus. Immerhin wolle er alles richtig machen beim Auftritt mit Headliner "Omnia". Wobei: Vor den Fernsehsendungen von "Das Supertalent" sei er noch nervöser gewesen, räumt er ein und lässt seine Kugel auf den Fingern tänzeln.

Als "Omnia" die Bühne betreten, haben sich einige Tausend Leute auf dem Platz versammelt. Das kollektive Gekreische verstummt schnell, als Jennifer Evans van der Harten ihr Spiel auf der Harfe anstimmt. Pagan-Folk nennen die Niederländer ihre Art zu musizieren. Frontmann Steve Evans van der Harten, charismatisches Aushängeschild der Band, wird indes nicht nur für seinen Gesang geschätzt. Legendär sind seine flotten Sprüche.

Mittelalter für die Massen

"Momente wie diese könnt ihr nicht kaufen", witzelt er, als Jennifer um ein Taschentuch bittet, weil ihr die Nase vor Kälte läuft. Der Triefnase zum Trotz liefern "Omnia" eine Show ab, die ganz zu Recht als Headliner angesetzt worden ist. Und das Beste: "Omnia" kommen im nächsten Jahr wieder!

Am Freitag: Massen! Tausende Landkreisbewohner nutzen das Schnupperticket, um Mittelalterluft zu atmen. Mit solch einem Ansturm haben die Organisatoren nicht gerechnet. Es gibt zunächst nur einen Eingang. Viele Gäste müssen bis zu zwei Stunden anstehen - nicht wenige sind deswegen ziemlich erbost. Doch spätestens zu Headliner "Haggard" dürften es alle aufs Gelände geschafft haben.

"Haggard" aus dem Münchner Raum sind seit Jahren eine feste Größe im Musikgeschäft. Und das über die Grenzen eines Genres hinaus. Die Band steht mit ihrer Symbiose aus Metal und Klassik als Synonym für Bombast. Lange klassische Musikeinlagen wechseln sich mit weiblichem Sopran ab. Scheinbar unvermittelt durchschneidet das Gegröle von Frontmann Asis das friedliche Bild. Und genau dafür lieben ihn die Fans.

Am Sonntag ist mit "Dikanda" aus Polen eine der meistgelobten Bands aus dem vergangenen Jahr wieder am Start - diesmal als Headliner auf der Burgbühne. Und auf der Schlossbühne klingt mit "Faun" das Festival-Mediaval aus.

Für das kommende Jahr haben sich übrigens schon einige Bands angekündigt: Mit dabei sein werden unter anderem "Onmia", "Haggard" und "Clanrock".

Mehr Bilder gibt's hier:




 
 

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