![]() |
|
|
|
||
Bad Steben – Was tut Not, damit die Region im Zentrum Europas vorankommt? Wir sprachen mit dem Bad Stebener Wirtschaftsökologen Dr. Dr. Karl-Heinz Marquardt über Chancen und Visionen für Oberfranken und seine Nachbar-Regionen.
Herr Marquardt, Sie halten nicht viel von sogenannten Metropolregionen und Clustern?
Die mittelfristig absehbare Bevölkerungsentwicklung in Mitteleuropa wird alle Ballungsräume um uns herum in den nächsten Jahrzehnten geradezu zwingen, ihr Umland noch intensiver auszusaugen, um auf diese Weise die eigene Infrastruktur überhaupt halten zu können.
Heißt das, dass die Hinwendung zur Metropolregion Nürnberg und die entsprechenden Autobahnschilder, die man jetzt aufgehängt hat, letztendlich Humbug oder Augenwischerei sind?
Sagen wir es so: Es wird uns nicht voranbringen. Die Region im Zentrum Europas muss sich auf ihre eigenen Kräfte besinnen und durch gute Netzwerke die Weichen für die Zukunft stellen: Als Grundlage dafür muss ein Europazentrums-Regionalplan her, der von Bürgern der Region (!) entworfen werden sollte.
Wo liegen die Entwicklungsachsen der „Europazentrumsregion“, wie Sie unsere Heimat im Herzen Europas beschreiben?
Ich rechne dazu drei Bevölkerungsschwerpunkte: die Kulturstadt Hof, die Industriestadt Plauen im Norden und die neu entstehende Stadt Aš/Neu-Aš/Selb im Süden. Sicherlich wird die neue Landmarke Neu-Aš dereinst von einem Siedlungs- und Grünflächenring umgeben werden. Die östlich gelegene Kurzone von Bad Elster und Bad Brambach über Karlsbad, Marienbad bis Neu-Aš wird weiter zunehmen an Bedeutung, durch neue Unterhaltungs-, Hotel- und medizinische sowie High-Tech-Angebote und durch das entstehende „Seenparadies Sokolov“, das mit dem Starnberger See vergleichbar ist. Deshalb wäre es besonders dringlich, die Region um Lobenstein und Bad Steben noch stärker als touristische Gesundheits- und Ruhe-Oase zu positionieren.
Fachleute reden gerne von den Chancen, die sich unserer Region als Dienstleistungs-Standort bieten. Abgesehen davon, dass die Arbeitsplätze in dieser Branche nicht gerade attraktiv sind, was die Löhne anbelangt, die dort gezahlt werden. . .
Misst man die Bedeutung der Dienstleistungen an ihrem Anteil an den Arbeitsplätzen, so wurde schon seit Jahrzehnten ein Anteil von 20 bis 25 Prozent nie überstiegen. Mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze kommt heute in Deutschland schon aus der Informations- und Wissenswirtschaft – ein Bereich, der immer wichtiger wird.
Was bedeutet dies in der Praxis für unsere Region?
Nur die wissenschaftlich vorgeprüften Ideen helfen unseren Firmen, die zum Teil an der Weltspitze stehen, ihre Stellung zu halten. Von dort könnten auch die Anstöße zur Fortentwicklung unserer Heimatregion kommen: Man könnte zum Beispiel zwischen Neu-Aš und Selb neuartige Siedlungen bauen, die mehr ökologisch nutzbare Fläche bringen als sie verbrauchen, und diese Projekte in die Welt exportieren. Oder: Unsere innovativen Textilfirmen könnten Gebäude entwickeln, die sich in wenigen Stunden aufbauen lassen, oder Kleinunterkünfte, die sich beim Abwurf in Katastrophengebieten wie ein Airbag von selbst aufblasen.
Was braucht‘s dafür – neben der guten Idee – als Voraussetzung?
Um die Innovationskraft unserer Industrie zu erhalten, müssen wir die Bildungs- und Forschungsstätten in der Region weiter ausbauen. Mit der Aufwertung unserer anwendungsorientieren Fachhochschulen und Ausbildungszentren in Hof und Plauen ist schon ein wichtiger Schritt getan.
Das Gespräch führte Roland Rischawy


Drucken
Speichern
Versenden












