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Fichtelgebirge

Landratsamt räumt Tierbestand

In einer großen Aktion holen Behörden-Mitarbeiter fast hundert Rinder von einem Bauernhof. Der Halter spricht von Willkür.



Auch eine ganze Reihe von Kälbern hat der Landwirt auf dem Hof gehalten. Foto: Herbert Scharf
Auch eine ganze Reihe von Kälbern hat der Landwirt auf dem Hof gehalten. Foto: Herbert Scharf  

Marktleuthen - Der "Fall" des Bauernhofes ist seit Jahrzehnten amtlich bekannt und füllt inzwischen ganze Schränke. Er umfasst dicke Aktenordner bei Gericht, aber auch beim Landratsamt. Der Bauer aus einem Marktleuthener Stadtteil hat mehrere Verfahren gegen sich laufen. Die Anschuldigungen reichen von Verseuchung des Grundwassers über Lagern von gesundheitsschädlichen Baustoffen, Altautos, Ölrückständen im Boden und gipfeln in Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.

Das Wohl der Tiere war es auch, was das Landratsamt und das zugehörige Veterinäramt Wunsiedel am Mittwoch zum Handeln veranlasste. Nach einer Verfügung des Landratsamtes Wunsiedel rückten Vertreter der Behörde in Begleitung von bewaffneten Polizeibeamten am späten Mittwochvormittag an, überreichten dem Landwirt die amtliche Verfügung und begannen unverzüglich mit Hilfe mehrerer Viehhändler mit dem Räumen des Tierbestandes - fast hundert Kälber und Rinder an der Zahl. Die Aktion erstreckte sich deshalb über mehrere Stunden.

Der Viehtransport lief bestens geplant ab. Mehrere Fahrzeuge rückten an, damit die Rinder auf Anhänger und einen Lkw verladen werden konnten. Zum größten Teil werden sie wohl in den Schlachthöfen der Region landen. Ein junger Stier, der sich offensichtlich vor einiger Zeit ein Bein gebrochen hatte, wurde noch am Mittwoch geschlachtet. Bis auf einen kleinen Teil nicht transportfähigen Viehs, etwa trächtige Kühe, wurden die Tiere weggebracht. Über die wenigen verbliebenen Tiere werde noch zu entscheiden sein, sagte Landrat Dr. Karl Döhler auf Nachfrage der Frankenpost .

Überwacht wurde die Aktion von mehreren bewaffneten Polizeibeamten der Inspektion Wunsiedel, die aber nicht eingreifen mussten. Der betroffene Landwirt selber, der gegen das Tierhaltungsverbot beim Verwaltungsgericht Einspruch erhoben hatte, hatte zu Beginn der Aktion von "Behördenwillkür" gesprochen, war aber später nicht mehr zu erreichen.

Bis es zu der aufsehenerregenden Aktion am Mittwoch kam, war in den vergangenen Jahrzehnten viel passiert. Rinder starben in auffällig hoher Zahl auf dem Hof, immer wieder rissen Tiere aus dem Stall aus, liefen in der Umgebung herum, gefährdeten Auto- und Radfahrer auf der Straße oder drangen in andere Ställe ein. Lange sahen die Nachbarn zu, bis sie genug hatten.

Bei dem Bauernhof handelt es sich um ein großes Anwesen. Es wird bewirtschaftet von einem Ehepaar, das inzwischen aus Altersgründen den Anforderungen längst nicht mehr gewachsen sein kann. Und auch der Sohn des Ehepaars schien es nicht mehr zu schaffen.

Erst am Vortag, dem Dienstag, fand ein "Outdoor-Termin" des Wunsiedler Amtsgerichts vor Ort auf dem Bauernhof statt. Angeklagt war der 56 Jahre alte Landwirt wegen Bodenverunreinigung und fahrlässiger Gewässerverunreinigung. Die Klagen und Einsprüche in Sachen Tierschutzgesetz waren jedoch nicht Thema des Ortstermins. Sie beschäftigen derzeit in mehreren Vorgängen das Verwaltungsgericht.

Die Behörden hatten im Vorfeld der Anklage vor dem Amtsgericht festgestellt, dass aus alten, auf dem Hof gelagerten Fahrzeugen, Öl in den Erdboden gedrungen ist. Auch Schrott und gesundheitsschädliche Faserzementplatten würden auf dem Gelände unzulässig gelagert. Zudem sickere unkontrolliert Jauche aus einem Misthaufen neben dem Bibersbach in das Wasser.

Es war bereits der zweite Gerichtstermin in dieser Sache. Bereitwillig führte der Landwirt dabei die Vertreter des Gerichts über den Bauernhof. Er zeigte, dass die Zementplatten gesondert gelagert, Altautos weggeschafft und Ölrückstände abgedichtet wurden. Nur die Abdichtung des großen Misthaufens war noch nicht geschafft: Die Baufirma habe den Termin verlegt, verteidigte sich der Landwirt. Die Verhandlung wurde deshalb unterbrochen und auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, zu dem aber alle Arbeiten erledigt sein müssen, befand der Richter.

Nicht vertagt werden konnten offenbar die Reaktionen auf die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Landrat Dr. Karl Döhler ist anzumerken, dass er die Anordnung zur Räumung am Mittwoch nur schweren Herzens getroffen hatte. "Angesichts der vielen ungeklärten Todesfälle von Tieren auf dem Bauernhof, weiterer Vorkommnisse und der Tatsache, dass der Landwirt die behördlichen Auflagen in einer ihm gestellten Frist nicht erfüllt habe, musste zum Wohl der Tiere gehandelt werden", erklärte er auf Anfrage der Frankenpost . Die Behörde hat dem Landwirt auferlegt, den Tierbestand "merklich zu verringern". Darauf habe es keine Reaktion gegeben. "Wir mussten im Sinne des Tierschutzgesetzes und zum Schutz vor den Tieren reagieren."

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Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
19. 04. 2017
17:39 Uhr

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Herbert Scharf

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Veröffentlicht am:
19. 04. 2017
17:39 Uhr



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