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Hof

Diakonie will familienfreundlicher werden

In den vergangenen Jahren hat das Sozialunternehmen nach Kräften expandiert - jetzt geht es um die eigenen Strukturen. Doch es gibt Dämpfer für die Akteure.



Kochen, schnippeln, Zeitung lesen: In der Wohngruppe in Helmbrechts machen sich die Senioren einen schönen Vormittag. Der Jahresbericht 2016 des Unternehmens, der gestern vorgestellt wurde, ist voller solcher Positiv-Beispiele.
Kochen, schnippeln, Zeitung lesen: In der Wohngruppe in Helmbrechts machen sich die Senioren einen schönen Vormittag. Der Jahresbericht 2016 des Unternehmens, der gestern vorgestellt wurde, ist voller solcher Positiv-Beispiele.  

Hof - Wenn Maria Mangei am 8. Mai 2018 in den Ruhestand geht, will sie ihrem Geschäftsführer-Kollegen Martin Abt ein Haus hinterlassen, das richtig brummt. Die Anzeige für einen Nachfolger mit Einarbeitungszeit ab 1. Januar stand am Samstag in der Frankenpost; nächste Woche sucht das Unternehmen in der Zeit bundesweit nach einem Kandidaten für die erfolgreichste Doppelspitze, seit es die Diakonie Hochfranken gibt. Der oder die Nachfolgerin muss viel können: "Erwartet wird die Gabe, Mitarbeitende zu motivieren und wertschätzend mit ihnen umzugehen" - das ist einer der Sätze aus dem langen Anforderungskatalog. Kein Wunder: Schließlich haben Martin Abt und Maria Mangei die Messlatte hoch gelegt in den vergangenen Jahren. So fällt die Jahres-Pressekonferenz nicht nur positiv aus, sondern auch ausgelassen. Auch, wenn die Chefs nicht mit allem zufrieden sind.

 

Thema Flüchtlinge: "Wir hatten Anforderungen zu meistern, von denen wir im Januar noch nicht wussten, wie sie im Juni aussehen könnten", sagt Maria Mangei eingangs. Da spricht sie die Herausforderung Flüchtlinge gar nicht an - das kommt später im Gespräch und erst auf Nachfrage. "Mein Fazit zur Flüchtlingsarbeit fällt gemischt aus", sagt Mangei. Und präzisiert: "Was wir oft nicht gut erreichen, ist Integration." Da meint sie die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die unter anderem in der Diakonie am Campus untergebracht sind - und für die der Staat nicht genügend Angebote schaffe, um sie in die Gesellschaft hineinwachsen zu lassen. "Ich kann von nur ganz wenigen Jugendlichen erzählen, die wir in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis bringen konnten", berichtet Mangei. Es erfülle keiner die Anforderungen für eine Ausbildung in einem Betrieb: "Da sind die Macher der Profilblätter der Arbeitsagentur etwas blauäugig gewesen, und jetzt sind viele enttäuscht." Was es bräuchte: staatliche Gelder, um den Betroffenen eine Ausbildung in einem geschützten Rahmen anbieten zu können, wie die Diakonie ihn seit Jahren für ganz andere Kunden anbietet.

 

Im Berufsbildungswerk: "Vor einigen Jahren steckte der Betrieb ja in großen Schwierigkeiten, aber wir haben den Turnaround hinbekommen: Unsere Ausbildungen boomen", sagt Maria Mangei. Zum Beispiel floriere die Ausbildung zum IT-Spezialisten, oft mit Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten. Auch die Ausbildung zum Altenpflegehelfer erfreue sich großer Beliebtheit. Schließlich ist dieser Themenbereich ebenfalls einem ständigen Wandel unterworfen, betont Martin Abt.

 

Mehr Altenheime? Nächste Woche wird im Hofer Stadtrat mit Spannung das längst ausstehende Pflegebedarfsgutachten für die Stadt vorgestellt. Doch auch ohne Gutachten wissen die Macher: "Der Bedarf ist da, und er wird auch noch ein wenig steigen", sagt Martin Abt. Er sei jedoch vorsichtig in der Frage, ob eine steigende Nachfrage nach Pflege allein mit der klassischen stationären Versorgung zu beantworten sei. "Es entwickeln sich gerade viele Zwischenformen zwischen stationärer und ambulanter Pflege."

Eine jener Mischformen - in ganz anderer Hinsicht - heben die beiden Geschäftsführer besonders hervor: das Seniorenhaus Rosenbühl. "Es leuchtet in knallrot, und daneben leuchtet unsere neue Kita Emilia in knallgelb - darauf bin ich wirklich ein bisschen stolz", sagt Maria Mangei. Noch seien die Außenanlagen nicht fertig, daher verlaufe das Leben dort noch nicht ganz im Normalmodus. Wenn der Garten angelegt ist, lädt die Diakonie zur offiziellen Eröffnung - vermutlich im Juni sollen sich alle das neue Haus ansehen können. Bis dahin laufen vermutlich schon die nächsten Projekte.

 

Hier wird gebaut: In Rehau steht der Umbau des Alten Forstamts am Maxplatz gleich neben dem Mehrgenerationenhaus an. Die Ausschreibung läuft, bald soll es losgehen: Die Diakonie plant ein Haus mit Logopädie- und Ergotherapie-Praxis, mit barrierefreiem Wohnen und einer Frühförderung. "Der Generalmietvertrag ist unterzeichnet", freut sich Maria Mangei. Ebenso verweist sie auf so manche junge Einrichtung, die gut laufen: vom Cap-Markt in Stammbach bis zum Jugendhilfehaus Sankt Elisabeth unter Diakonie-Leitung, von der neuen "Spezialisierten Ambulanten Palliativen Versorgung" bis zum ehemaligen Diakonissenhaus, das jetzt als Haus am Lorenzpark vielen Menschen Zuhause und Anlaufstelle ist. Als große Aufgabe sehen die Verantwortlichen daher, allen Mitarbeitern das gleiche Werte-Fundament mitzugeben.

 

So geht familienfreundlich: 1500 Mitarbeiter zählt die Diakonie Hochfanken heute - 150 mehr als 2015. Die meisten der Neuzugänge kommen aus dem Jugendhilfehaus Sankt Elisabeth und dem Lutherstift Oberkotzau, beide gehören seit vergangenem Jahr zur Diakonie Hochfranken. "Wir richten jetzt den Blick nach innen", kündigt Martin Abt an, was nun ansteht. Da geht es ihm um betriebliches Gesundheitsmanagement, um christliche Werte, vor allem aber um Familienfreundlichkeit. 81 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen, auch 66 Prozent der Führungskräfte sind weiblich. "Und viele von ihnen sind auch, nachdem sie ein Kind bekommen haben, wieder in ihre alte Stelle eingestiegen", erklärt Martin Abt. Bei Bewerbungsgesprächen werde immer mehr nach den Freiheiten und Möglichkeiten rund um die Familiengründung gefragt. So wolle man den Fokus noch mehr als sonst auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legen - etwa durch Umstellungen in Dienstplänen oder größeren Sicherheiten, wenn es um freie Zeiten gehe. Abts großes Ziel: "Wir möchten das Familiensiegel des Diakonischen Werks Bayern erreichen." Um noch besser als bisher dem übergeordneten Anspruch gerecht zu werden: Menschen in allen Lebenssituationen beizustehen.

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Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2017
19:12 Uhr

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Christoph Plass

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20. 03. 2017
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