Topthemen: Nationalpark FrankenwaldStromtrasseEndlager-SucheGerchAktiv und gesund

Hof

"Ich habe mich für das Reden entschieden"

Pavel Hoffmann, ein Überlebender des Holocausts, berichtet in Hof aus seinem Leben. Er warnt davor, Klischees zu bedienen.



Hof - Als Jude sei man noch heute mit einer Kippa auf dem Kopf in der Öffentlichkeit nicht immer sicher, sagte Pavel Hoffmann, als er vor großem Publikum im Rathaus sprach. Der 74-Jährige war im Rahmen des Projekts "Zeugen der Zeitzeugen" nach Hof gekommen.

Hoffmann wurde 1939 in Prag geboren, in der damals von der Wehrmacht besetzen Tschechoslowakei. Die Nazis erschossen seinen Vater 1942 als Vergeltung für das Heydrich-Attentat in Prag, die Mutter starb 1943 im KZ Theresienstadt. Seine weiteren Verwandten wurden fast alle in Auschwitz vergast. Pavel Hoffmann selbst war Kinderhäftling in Theresienstadt und entging nur knapp dem Tod. Nach der Befreiung 1945 kam er nach Sankt Gallen. Später studierte er Ingenieurwissenschaft und unterrichtete an Hochschulen in Prag, Darmstadt und Reutlingen.

Wie leicht antisemitische Indoktrination funktionieren kann, zeigte Hoffman in Hof am Beispiel eines Frontsoldaten, der über das Erschießen von Juden nach Hause berichtete. Ihm hätten, schrieb er, beim ersten Mal die Hände gezittert. Aber beim zehnten Mal habe er schon sicher zielen können. Dabei habe dieser Soldat bis dahin gute jüdische Freunde und Bekannte gehabt.

Weltweit habe sich, bedauerte der Redner, Antisemitismus wegen des Nahost-Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern verstärkt. So würden Menschen aus dem arabischen Raum Antisemitismus nach Deutschland bringen. In Deutschland sei Antisemitismus "nicht mehr salonfähig", was man daran erkennen könne, dass "hier jüdische Einrichtungen so sicher wie Militäranlagen bewacht werden". Dennoch bedienten auch hier Demonstrationen gegen Israel und die Berichterstattung deutscher Medien hin und wieder tradierte antisemitische Klischees. An einer Schlagzeile der "Süddeutschen Zeitung", die 2013 "Gefräßiger Moloch Israel" getitelt hatte, zeigte Hoffman eine Parallele zur Nazi-Zeitung "Der Stürmer" auf, die 1939 über die Juden-Hetze Titel wie "Kinder des Teufels" veröffentlicht hatte.

"Viele Zeitzeugen trauen sich daher nicht, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen", berichtete Pavel Hoffmann. Er aber sieht es anders: "Ich habe mein Schicksal erforscht und mich für das Reden entschieden." Dies tut er allerdings erst, seit er pensioniert ist. Seitdem geht der KZ-Überlebende an Schulen, um mit Jugendlichen über Antisemitismus zu sprechen. In der Diskussion mit den Zuhörern im Hofer Rathaus zeigte sich dann, wie schwer es heute ist, zwischen Israelkritik und Antisemitismus zu unterscheiden. Peter Nürmberger, der Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hof, betonte jedoch, wie wichtig Zeitzeugenberichte wie der von Pavel Hoffmann für die Aussöhnung zwischen Hofern und Juden sei. Diese habe hier bereits 1945 begonnen mit der Umbenennung der Adolf-Hitler-Halle in Freiheitshalle und werde heute vielfältig intensiviert.

Autor

Charles Nouledo
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 05. 2017
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Antisemitismus Gefahren Holocaust Ingenieurswissenschaften und Ingenieurswesen Juden Militäranlagen Palästinenser Reden Satan Wehrmacht Überlebende
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Im Reinhart-Cabinett in Hof läuft zurzeit eine Ausstellung mit Werken von Gottfried Brockmann. Peter Eitler (links) führte in dessen Werk ein. Rechts Peter Nürmberger, Kulturamtsleiter der Stadt Hof. Foto: Jochen Bake

16.01.2017

Brockmann-Ausstellung im Reinhart-Cabinett

Hof - Landschaften, Stillleben, Por- träts: Das hat Gottfried Brockmann » mehr

Zahlreiche Besucher nahmen an der Eröffnungsveranstaltung teil und zeigten sich von der Fotodokumentation, die Grenzpolizist a. D. Alfred Eiber dem Museum Bayerisches Vogtland zur Verfügung gestellt hat, beeindruckt.

08.12.2016

Fotografien als stumme Zeugen

Die Autobahnbrücke bei Rudolphstein feiert ihren 50. Geburtstag. Nach der Sprengung durch die Wehrmacht 1945 hat man das Bauwerk bis Dezember 1966 wieder aufgebaut. » mehr

Zeitzeuge Sally Perel, bekannt als "Hitlerjunge Salomon", hat auf seiner Lesetour am Hofer Schiller-Gymnasium Halt gemacht. Foto: Nico Schwappacher

12.10.2016

In des Feindes Haut

Durch radikale Selbstverleugnung hat Sally Perel als Jude die Nationalsozialisten überlebt. Durch seinen Vortrag möchte er Hofer Schüler vor extremen Ideologien warnen. » mehr

Eine Kerze, ein Opfer des Holocaust - oder der Shoa, wie die Israelis sagen: Per QR-Code auf der Kerze gelangen Interessierte zu einem Zeitzeugen-Interview im Netz. Fotos: Stephan Pampel (3), cp

27.01.2017

Junge Israelis suchen Freunde in Hof

Die "Zeugen der Zeitzeugen" stellen Interviews von Holocaust-Überlebenden ins Netz - und gehen damit in die Schulen. Im Mittelpunkt steht jedoch das Kontakte-Knüpfen. » mehr

Der Chor Shalom unter der Leitung von Alla Urizka sang das Lied "Eretz" (das Land) Foto: Frank Mertel

20.06.2017

Jüdische Gemeinde setzt auf Einigkeit

Zum ersten Mal feiert die jüdische Gemeinde Hof das Fest "Schav'ot" öffentlich. Es geht darum, Vorurteile abzubauen. Verstärkt setzt man auf Austausch. » mehr

Experten klären auf über Gefahren von Crystal & Co.

16.05.2017

Experten klären auf über Gefahren von Crystal & Co.

An der Wirtschaftsschule Hof informieren zwei Zollbeamte Eltern und Lehrer über Anzeichen von Sucht. Sie geben Tipps, was man vermeiden sollte. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Rosenfest 2017

Rosenfest 2017 | 25.06.2017 Hof
» 28 Bilder ansehen

Heimat- und Wiesenfest Schwarzenbach am Wald - Isartaler Hex

Wiesenfest Schwarzenbach am Wald - Isartaler Hexen | 25.06.2017 Schwarzenbach am Wald
» 42 Bilder ansehen

12.Thonberglauf in Schauenstein

12.Thonberglauf in Schauenstein | 25.06.2017 Schauenstein
» 21 Bilder ansehen

Autor

Charles Nouledo

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 05. 2017
00:00 Uhr



^