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Selb

Der Wert des Weißen Goldes

Lukas Thüring sucht nach Studienteilnehmern. Er will herausfinden, ob Porzellan den Selbern noch etwas bedeutet.



Lukas Thüring studiert Kulturmanagement. Für seine Abschlussarbeit erforscht er, welchen kulturellen Wert die Selber dem Porzellan beimessen.	Foto: Pohl
Lukas Thüring studiert Kulturmanagement. Für seine Abschlussarbeit erforscht er, welchen kulturellen Wert die Selber dem Porzellan beimessen. Foto: Pohl  

Selb - Selb ist die Stadt des Porzellans. Oder? Genau das versucht Lukas Thüring herauszufinden. Der Selber, Jahrgang 1991, hat in Augsburg Geschichte, Kunstgeschichte und Europäische Ethnologie studiert. Derzeit besucht er die Universität Maastricht und arbeitet an seinem Master im Fach Kulturmanagement. Für seine Abschlussarbeit sucht er Selber, die ihm helfen.

Freiwillige vor

Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann sich bis 24. April mit Lukas Thüring in Verbindung setzen, per E-Mail an die Adresse lukas@sahnigekultur.de, via Facebook über das Profil "Fritz Klee" oder telefonisch unter der Rufnummer 0157/77552664.

 

"Ich suche Teilnehmer für ein Fokusgruppeninterview für eine Studie", erklärt er. Mit dieser Forschungsarbeit will Lukas Thüring herausfinden, welchen kulturellen Wert die Selber dem Porzellan noch beimessen. Zwar präge das Weiße Gold die Stadt schon seit über 160 Jahren; allerdings habe sich der Bezug der Bürger zum Werkstoff in den vergangenen 30 Jahren geändert. Die Schließung zahlreicher Porzellanfabriken habe ganze Familien betroffen, die zuvor oft vom Berufseintritt bis zum Rentenalter in ein und demselben Betrieb beschäftigt waren. "Auch meine Familie hat eine solche Porzellinertradition", sagt Lukas Thüring, der selbst noch - wie so viele Selber - als Ferienjobber im ehemaligen Hutschenreutherwerk B gearbeitet hat.

Der Niedergang der Porzellanindustrie hat der Stadt viele Probleme hinterlassen, die erst langsam gelöst werden können. Statt der "Monokultur" früherer Zeiten bestimmt heute eine Vielzahl verschiedener Unternehmen unterschiedlicher Branchen die regionale Wirtschaft. Aber: "Die Porzelliner sind immer noch da, zum Teil im Ruhestand, zum Teil noch angestellt oder in andere Branchen gewechselt." Was der Wegbruch der Porzellanindustrie im Empfinden der Menschen hinterlassen hat, das will Lukas Thüring ermitteln. "Ich möchte erforschen, wie sich die Identität der Stadtgesellschaft durch das Produkt Porzellan verändert hat, wie die Bürger heute zum Porzellan als Marke stehen." Und er will der Frage nachgehen, ob Porzellan als Kunst im öffentlichen Raum Einfluss auf die Bürger hat. "Immerhin zielt das Stadtmarketing ja auch darauf ab", sagt der Student.

Die Tradition hat Spuren im Stadtbild hinterlassen - angefangen beim Porzellanbrunnen vor der Stadtkirche über das Porzellangässchen in der Nähe bis zum Vorhaben, weitere überdimensionale Teekannen im Stadtgebiet zu verteilen. Aber wie stehen die Menschen dazu?

Um diese Fragen zu beantworten, sucht Lukas Thüring Freiwillige, die sich von ihm befragen lassen. Er sucht mindestens je acht Selber in den Altersklassen 18 bis 25, 30 bis 45 und ab 55 Jahren; mit allen Bildungsabschlüssen, mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Ahnung vom Porzellan. "Persönliche Daten sind für dieses Projekt dabei nicht wichtig", verspricht Lukas Thüring, "es geht dabei hauptsächlich darum, auf Basis von Fotos Eindrücke, Erinnerungen, Assoziationen einzubringen und in der Gruppe zu diskutieren." Sind nämlich genügend Teilnehmer zusammengekommen, lädt er die drei Gruppen separat zum Treffen ein. Etwa zwei Stunden lang zeigt er den Teilnehmern dann Fotos und bittet sie, darüber zu diskutieren. Mithilfe der relativ neuen Visual-Matrix-Methode möchte er so den kulturellen Wert eines Kunstwerkes bestimmen und analysieren.

Zur Teilnahme aufgerufen hat Lukas Thüring bereits im sozialen Netzwerk Facebook - und prompt eine Menge Freiwillige gefunden. "Ich bin total angenehm überrascht, dass es so viel positive Rückmeldungen gibt", sagt er. Die mittlere Gruppe hat er schon voll. Allerdings sucht er noch jüngere und ältere Menschen, die mitmachen möchten (siehe Infokasten). Als kleines Dankeschön verspricht Lukas Thüring den Teilnehmern Pizza.

Im Juni wird er die Ergebnisse seiner Forschung als Master-Thesis an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der Universität Maastricht einreichen. Ist die Bewertung erfolgt, kann sich Lukas Thüring gut vorstellen, die Ergebnisse auch in Selb zu präsentieren. "Vielleicht hat auch die Stadt Interesse an der Studie. Womöglich ließen sich daraus Ideen für Projekte ableiten." Er selbst habe schon im Bereich "Kunst im öffentlichen Raum" gearbeitet und könne sich für Selb einiges vorstellen. Wie wichtig es ist, dass sich die Menschen einer Region mit ihrer Marke identifizieren, könne man gut am Beispiel "Wirtschaftsregion Hochfranken" sehen - damit könnten viele Bürger nichts anfangen. "Stadtmarketing sollte sich auf etwas besinnen, was schon da ist", zieht Lukas Thüring sein Fazit.

Autor

Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
18. 04. 2017
16:54 Uhr

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Autor

Tamara Pohl

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Veröffentlicht am:
18. 04. 2017
16:54 Uhr



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