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Wunsiedel

Kastanien-Stadl endet ohne Ergebnis

Die Stadträte diskutieren unendlich über die Bäume und Rabatten am Marktplatz. Verschwinden sie? Zu einer Abstimmung kommt es nicht, weil Beck einen Rückzieher macht.



Bürgermeister Karl-Willi Beck geht es um eine Aufwertung des Wunsiedler Marktplatzes - und dafür müssen seiner Ansicht nach einige Kastanien weg. Stadtrat German Schlaug (hinten) hielt per Smartphone den Ortstermin in der Fußgängerzone fest. Foto: Florian Miedl
Bürgermeister Karl-Willi Beck geht es um eine Aufwertung des Wunsiedler Marktplatzes - und dafür müssen seiner Ansicht nach einige Kastanien weg. Stadtrat German Schlaug (hinten) hielt per Smartphone den Ortstermin in der Fußgängerzone fest. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Vorhang auf für den nächsten Akt im Wunsiedler Kastanien-Stadl: So intensiv wie wohl noch nie zuvor haben sich am Donnerstagabend die Stadträte mit den elf Marktplatz-Kastanien beschäftigt. Nach mehr als zweieinhalb Stunden kontroverser Diskussion, gegenseitigen Vorwürfen und einigen Angriffen unter die Gürtellinie stand fest: Ergebnislos.

Aber der Reihe nach: Zunächst nahmen die Stadträte bei einem Ortstermin die Zank-Bäume unter die Lupe. Bürgermeister Karl-Willi Beck und Stadtbaumeister Klaus Brunner beantworteten dazu Fragen der Räte und von Vertretern des Bürgerforums und der ehrenamtlichen Initiative "Kommando WUNderbar". Schnell war klar, wie der Bürgermeister und die Verwaltung eine möglichst kostengünstige Aufwertung des Markplatzes bewerkstelligen wollen. Fünf von elf Rosskastanien sollen noch in diesem Jahr verschwinden, dazu flankierend ist beabsichtigt, die Mini-Fußgängerzone der Festspielstadt zur Maximilianstraße und Ludwigstraße zu verbreitern, um den Marktplatz besser erkennbar zu machen.

Der Meinungsaustausch im Freien verlief sachlich. Das sollte sich ein paar Minuten später oben im altehrwürdigen Sitzungssaal des Rathauses ändern. Schon das erste Statement von Michael Menkhoff von den Aktiven Bürgern (ABW) machte deutlich, dass an diesem Abend mit harten Bandagen gekämpft werden wird. "Sie wollen durch die Hintertüre die Umgestaltung des Marktplatzes mit den Bäumen verknüpfen. Sie verfolgen persönliche Interessen", sagte der ABW-Fraktionsvorsitzende.

Sein SPD-Kollege Konrad Scharnagl schloss sich dieser Argumentation weitgehend an. Er warf dem Bürgermeister "blinden Aktionismus" vor. Es sei klar, dass Beck mindestens einen Teil der Kastanien weg haben wolle. Deshalb habe auch der Baumgutachter Edgar Wenisch mit seinem Schnüffel-Hund "Mäx" den Auftrag bekommen, Marktplatz-Bäume zu untersuchen (wir berichteten). "Aber dieser Schuss ist nach hinten los gegangen. Die Kastanien sind nicht krank. Das Ergebnis war nicht so, wie Sie es sich vorgestellt haben, Herr Bürgermeister."

Damit war die Diskussion erstmals an einem Punkt angelangt, an dem es lauter wurde. Mit erhobener Stimme verwahrte sich der Bürgermeister "mit allem Nachdruck" dagegen, dass er von der Expertise des Fachmannes ein bestimmtes Ergebnis erwartet hätte. "Das lassen ich mir nicht nachsagen", sagte Beck. Er habe lediglich wissen wollen, ob ein Baum krank ist. In diesem Zusammenhang räumte der Bürgermeister ein, dass das Wort "aufbereiten" in der Bürgerversammlung unglücklich gewesen sei. "Die Verwaltung sollte kein Gutachten aufbereiten, sondern die Gesamtsituation am Marktplatz."

Und an dieser müsse sich etwas ändern, meinte Jürger Fraas. Der CSU-Fraktionsvorsitzende wünschte sich von seinen Stadtratskollegen Mut, denn die gute Stube der Stadt brauche dringend Maßnahmen. "Seit Jahren verschieben wir Entscheidungen zum Marktplatz. Wir machen das so lange, bis wir alt sind - manche von Euch sind es ja schon."

Doch spätestens nach einer Wortmeldung von CSU-Stadträtin Gertraud Sturm war klar, dass es wohl so gut wie ausgeschlossen ist, dass es an diesem Abend eine Mehrheit für das Fällen von Bäumen gibt. Unter dem Beifall aus großen Teilen des Gremiums und der Zuhörer sagte sie: "Wir Wunsiedler lieben unsere Kastanien." Becks Konter auf dieses Aussage fiel nicht gerade ladylike aus: "Vielleicht sehe ich das einmal auch so, wenn ich in Deinem Alter bin."

So ging diese Diskussion noch minutenlang weiter. Fragen nach den Kosten für das Schnüffel-Gutachten folgten, Vorschläge für die Veränderung des Beschlussvorschlags und eine Sitzungsunterbrechung gab es auch. Doch dann überraschte Bürgermeister Beck alle: "Dann ziehe ich meinen Antrag einfach zurück". Während sich German Schlaug von der Bunten Liste in Schilda fühlte, forderte Manfred Söllner (SPD) dieses Vorgehen von Beck rechtlich zu überprüfen. Man könne nicht zwei Stunden über ein Thema diskutieren und dann einen Rückzieher machen. Frank Müller, geschäftsführender Beamter in der Stadtverwaltung, erklärte, dass hier nach der Gemeindeordnung alles korrekt abgelaufen sei. Es komme immer wieder vor, dass ein Beschlussvorschlag geändert werde.

Um 19.16 Uhr fiel der Vorhang für diesen Akt des Wunsiedler Kastanien-Stadls. Fortsetzung ist in dieser Stadt garantiert.

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Matthias Vieweger
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Veröffentlicht am:
18. 05. 2017
20:03 Uhr

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Matthias Vieweger

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18. 05. 2017
20:03 Uhr



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